Freitag, 09.08.2019

Interview mit der Gruppe "Fridays for Future" Goslar: „Aufs Wesentliche konzentrieren“

Leserbrief

Goslar. Die „Fridays for Future“ Bewegung hat bei ihrem Sommer-Kongress in Dortmund die Weichen für ihr weiteres Engagement für eine Änderung der weltweiten Klimapolitik gestellt. Auch die Mitglieder der Ortsgruppe Goslar, Frauke Nickel und Pascal René Lange, waren dabei. Sie haben der „Jungen Szene“ in einem Interview berichtet, wie sie das Treffen erlebt haben und was sie für sich und die Region mit zurückbringen:

Wie war der Fridays-for-Future- Kongress für Euch und was habt Ihr erlebt?

Frauke Nickel
Frauke: Es war mega cool und voll inspirierend. Ich bin sehr froh, die Chance genutzt zu haben. Das war nicht nur für die Bewegung gut, sondern auch für meine persönliche Weiterbildung. Die Vernetzung mit anderen Ortsgruppen und das Abgleichen der gemeinsamen Standpunkte war auch interessant und wichtig. Es war außerdem auch mal schön, die Leute persönlich zu treffen, mit denen man sonst nur telefoniert.

Pascal: Die Workshops waren sehr interessant und hilfreich. Zum Beispiel gab es welche zu Moderation, Pressearbeit oder allgemein Informations-Workshops.

An welchen Workshops habt Ihr teilgenommen?

Frauke: Ich warbei dem Vernetzungstreffen Nord-West, da ist Niedersachsen mit dabei. Ich habe mich auch mit einem Workshop zum Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Klimawandel beschäftigt und dazu eine Podiumsdiskussion mit einem Professor aus Wien besucht. Dabei ging es um Postwachstum und „Degrowth“, also grünes Wachstum. Das beschäftigt mich. Man fragt sich, wo die Grenze ist. Wie geht es weiter mit unserer Gesellschaft? Und das ist auch eine wichtige Frage der „Fridays for Future“-Bewegung. Das war insgesamt ein so großes Angebot an Themen, da hätte ich am liebsten alle besucht. Es war dann schon schwer sich zu entscheiden.

Pascal: Das Marketingtechnische und Politische hat mich interessiert. Da finde ich es auch sinnvoll, wenn man das von jemandem beigebracht kriegt. Viele andere Sachen kann man sich ja über Bücher und das Internet aneignen.

Zu dem Thema „Degrowth“ und grünes Wachstum, wo seht Ihr da in Goslar Potenzial?

Frauke: Allgemein geht es darum, dass Verbraucher ihr Konsumverhalten ändern, und dadurch die Industrie weniger produziert. Ich sehe da das globale Ganze und da müssten die „Marktgroßen“ umschwenken, damit auch die Kleineren bestehen können. Wir haben zwar große Unternehmen in der Region, ich glaube aber nicht, dass das bei denen anfängt.

Pascal: Ich finde auch, dass es beim Konsumenten anfangen sollte. Denn die Unternehmen werden sich auf das Verhalten der Konsumenten einrichten. Ich finde auch, wir sollten regional mehr begrünen.

Also mehr renaturieren und aufforsten?

Pascal René Lange
Pascal: Wir haben ja das Glück, dass es bei uns noch so schön grün ist. Da sollten wir dafür sorgen, dass es so bleibt und ausgebaut wird.

Frauke: Ich denke, dass die Menschen, die wichtige Positionen innehaben, begreifen müssen, dass wir uns in einer Klimakrise befinden. Auch die Stadt Goslar muss sofort anfangen, etwas zu verändern. Denn das ist derzeit nicht der Fall. Dabei denke ich nicht unbedingt an Aufforstung, da fühlen sich die Stadt und der Kreis nicht verantwortlich. Das haben Gespräche mit Bürgermeister Junk bereits gezeigt.

Hat die Stadt Euch gegenüber gesagt, wo sie sich in der Verantwortung sieht?

Frauke: Herr Junk hat sich bei einem Gespräch, das von dem Recherchenetzwerk Correctiv moderiert wurde, auf den Hochwasserschutz konzentriert, nachdem 2017 die große Überschwemmung in Goslar war (die GZ berichtete). Die Stadt arbeitet an einem besseren Wasserschutzsystem. Aus unserer Sicht müssen wir unbedingt dafür sorgen, dass der Boden nicht weiter versiegelt wird. Es ist gut von Herrn Junk, dass er die Anwohner schützen will, aber dieses Wasserschutzsystem ist keine langfristige oder nachhaltige Lösung.

Das heißt, für Goslar wünscht Ihr Euch mehr natürliche und unversiegelte Flächen?

Frauke: Ja, auf jeden Fall. Es hat keinen Sinn, Dämme und Wasserrückhaltebecken zu bauen, wenn das ökologisch nicht durchdacht ist. Wir sollten uns mehr auf das Wesentliche konzentrieren – den Klimawandel. Denn die Zeit, die uns noch bleibt, ist kurz.

Am 23. August plant Ihr eine Fahrraddemo in Goslar. Auf Instagram habe ich gelesen, dass es darum geht, wem die Straße Eurer Meinung nach gehört. Was könnt Ihr mir dazu sagen?

Frauke: Ich stand gerade mit dem Ordnungsamt in Kontakt. Die Demo ist angemeldet. Mehr können wir jetzt dazu noch nicht sagen – außer, dass wir die autofreie Innenstadt fordern. Wenn ich mir vorstelle, wie cool das wäre, wenn die Innenstadt nur den Fußgängern und Fahrradfahrern gehört, dann blüht’s in mir auf. Das finde ich einen schönen Gedanken. Das ist auch erstrebenswert für die Stadt Goslar.

Pascal: Es wird dagegen gehalten, dass dann weniger Leute zum Einkaufen kämen. Wenn die Leute ihre Einkäufe tragen müssten, würden sie bewusster einkaufen. Was ja nachhaltig ist und auch besser für die Umwelt wäre.

Zurzeit steht die sogenannte CO2-Steuer in der Kritik, sie würde vor allem die Geringverdiener treffen. Was sagt Ihr dazu?

Frauke: Klimafreundliche Politik wird nicht auf dem Rücken der einkommensarmen Bevölkerungsschicht gemacht werden. Das ist unser Standpunkt.

Woran macht Ihr das fest?

Frauke: Ich denke, wir haben das gut in der Hand. Jeder, der sich jetzt leisten kann, mit dem Auto zu fahren, kann es sich auch leisten, diese Abgabe zu bezahlen. Wir finden allerdings, dass das Wort Steuer zu negativ behaftet ist. Es sollte mehr als „Abfallgebühr“ verstanden werden, die zahlt ja auch jeder.

Wer mit Euch Kontakt aufnehmen will, wie findet der Euch?

Frauke: Wer möchte, kann einfach zur Demo am 23. August und am 20. September dazukommen, da ist ein Generalstreik geplant. Man findet uns auch über die Website www.fridaysforfuture.de.

Das Interview und die Antworten wurden, wo nötig, sinnerhaltend gekürzt.








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