Montag, 30.07.2018

Internationales Workcamp am Rammelsberg: Acht Nationen werkeln unter Tage

Leserbrief

Goslar. Wenn Leslie Enriquez Torres mit ihrer Arbeitshose, einer Schutzbrille und Handschuhen vor einem steht, würde man nicht unbedingt darauf kommen, dass sie in ihrem Heimatland Mexiko eigentlich Medizinstudentin ist. Also warum die Arbeitskleidung? Die 22-Jährige nimmt an dem internationalen Workcamp am Goslarer Rammelsberg teil. Sie und ihr Teamkollege Wataru Kitagawa, Soziologie-Student aus Japan, restaurieren mit 13 Teilnehmern aus weiteren Ländern alte Lokomotiven.

Warum haben sich die beiden für das Projekt in der Kaiserstadt entschieden, obwohl es so ganz anders ist als ihr Studiengang? Wataru wollte die Welt entdecken. In den vergangenen Monaten hat der21-Jährige bereits zahlreiche asiatische und europäische Länder bereist. Da er geschichtlich interessiert ist, war er sofort begeistert, als er von dem Projekt in Goslar gehört hat. Schließlich ist die Unesco-Weltkulturerbestätte Rammelsberg ein geschichtsträchtiger Ort.

Aus dem gleichen Grund hat sich Leslie, die zu Hause gern den Geschichtssender im Fernsehen einschaltet, für das Projekt entschieden. Auch wenn sich ihre Eltern gewünscht hätten, dass sie an einem medizinischen Projekt in Europa teilnimmt, bereut sie die Entscheidung für den Rammelsberg keine Sekunde. „Außerdem könnte ich mit meiner medizinischen Erfahrung helfen, wenn sich jemand in der Werkstatt verletzt hat“, sagt Leslie.

Umgang mit Werkzeugen

Die Medizin-Studentin ist gleichzeitig aber froh, dass es bislang noch zu keinem Notfall gekommen ist, schließlich arbeiten die Workcamp-Teilnehmer mit schwerem Werkzeug. Unter fachmännischer Anleitung von Restaurator Ralf Siegmund haben Leslie, Wataru und die anderen Teilnehmer, die meistens noch nie mit Werkzeugen hantiert haben, aber schnell den richtigen Umgang damit gelernt. „Es war zwar am Anfang schwierig, hat aber auch viel Spaß gemacht“, erzählt Wataru. Nachdem die Projektteilnehmer bereits alte Loks mit Bürste und Öl auf Vordermann gebracht haben und einen Ruhebereich aus Holz für die Museumsbesucher gebaut haben, stehen noch Arbeiten mit Stahl an.

Der vielfältige Arbeitsalltag beginnt etwa um 9 Uhr. Zwischen14 und 15 Uhr steht der Feierabend an. Dann können sie zwar nach Hause gehen – die Teilnehmer im Alter zwischen 16 und 24 Jahren leben stilecht in einem ehemaligen Bergmannshaus –, das Projekt geht dann aber noch weiter. Es gehört zur Camp-Aufgabe, sich selbst zu organisieren und verpflegen.

„Es ist immer jemand anderes dran, zu kochen. Jeder bereitet etwas zu, was typisch für sein Heimatland ist“, erklärt Leslie. So können die Teenager und jungen Erwachsenen die Essgewohnheiten und Kulturen der acht Teilnehmer-Nationen kennenlernen.

Im Jugendworkcamp ist es nicht nur ein Ziel, den Rammelsberg zu restaurieren. Weil das Projekt nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, sollten zunächst die alten Feindbilder abgebaut werden. Heute geht es darum, etwas zur Völkerverständigung gerade bei jungen Menschen beizutragen.

Sprache verbessern

Wataru Kitagawas Erlebnisse sprechen für sich: „Mein Englisch ist nicht gut. Hier konnte ich es schon verbessern, weil ich mich mit den anderen nur auf Englisch unterhalte.“ Nach einer Woche Workcamp hat auch Leslie einiges dazugelernt. Sie sagt, dass sie aufgeschlossener geworden sei und vielleicht sogar Vorurteile abgebaut habe. „Es ist nicht immer alles so, wie man sich etwas vorstellt. Weil wir viel in der Gruppe gearbeitet haben, konnte ich lernen, andere Ideen zuzulassen und besser im Team zu arbeiten“, erzählt sie.

Spannend wird es für Leslie, Wataru und die anderen noch einmal am Ende der Woche: Am Ende des Camps kommt der TÜV und wird die Arbeiten unter die Lupe nehmen und auf Mängel überprüfen. So gut, wie die 15 jungen Erwachsenen im Team gearbeitet haben, sollte dabei nichts schiefgehen.








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