Sonntag, 12.04.2020

In das Nichtstun hinein straucheln

Leserbrief
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Was brauchen Menschen, um ein glückliches Leben führen zu können? Björn Kern hat darauf eine klare Antwort: „Das Beste, was wir tun können, ist nichts“. So heißt ein Buch des Autors. Erschienen ist die Mischung aus Autobiografie, Manifest und Roman bereits im Jahr 2016 – aber im Angesicht von Kontaktverboten während der Corona-Krise ziemlich aktuell.

Was Kern in seinem Buch beschreibt, ist eigentlich einfache Mathematik. Statt ständig zu arbeiten, um viel Geld zu verdienen, um sich eine Wohnung in der Stadt und ein schickes Auto leisten zu können, mit dem man am Wochenende zum Erholen raus aufs Land fährt, kann man auch kürzen. Mit dieser Erkenntnis kauft sich Kern einen schrottigen Hof mitten im Nichts in Brandenburg und lernt, dass Nichtstun ganz schön viel Arbeit ist.

Besonders angenehm an seinem Buch im Vergleich zu so manchem Minimalismus-Ratgeber: Kern macht überhaupt keinen Hehl daraus, wie anstrengend es am Anfang ist, das eigene Leben umzustrukturieren. Wie bescheuert manche seiner Ideen sind, merkt er zum Beispiel, als er in einem komplett frei geräumten Zimmer auf dem Boden sitzt und sich nicht erleichtert, sondern leer und einsam fühlt. Der Autor lässt uns teilhaben an einer Geschichte, die besonders durch sein Straucheln und seine lakonisch-selbstironische Erzählweise lebendig wird.

Auch, wenn „Das Beste, was wir tun können, ist nichts“ primär Unterhaltungsliteratur ist, regt es dennoch zum Überdenken der eigenen Prioritäten im Leben an. Vielleicht muss nicht jeder gern ständig Bier-trinkend unter dem Apfelbaum sitzen, um ein erfülltes Leben zu führen. Die indirekte Frage, die in Kerns Buch gestellt wird, lautet: aber was dann? Sarah Franke

„Das Beste, was wir tun können, ist nichts“ von Björn Kern, 256 Seiten, Fischer Taschenbuch, 9,99Euro









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