Freitag, 27.12.2019

In „Galar“ ist leider nicht alles gigantisch

Leserbrief

Ich will der Allerbeste sein, wie keiner vor mir war…“ Wer diese Zeilen jetzt gerade im Kopf mitgesungen hat ist vermutlich nicht nur ein absolutes Kind der90er, sondern auch schon seit damals absoluter Pokémon-Fan. In die verschiedensten Ecken Japans, die USA, Frankreich oder auch nach Hawaii haben uns die Spiele schon entführt – mit „Schwert und Schild“, den neuesten Spielen der Pokémon-Reihe, wird ein weiteres Land zum Entdecken freigegeben.

Dieses Mal geht es nach Groß Britannien – oder „Galar“, wie die Region in der Pokémon-Welt sich nennt. Und nach unserem kleinen exotischen Ausflug nach Hawaii beziehungsweise „Alola“ in der vorherigen Generation geht es jetzt auch wieder etwas traditioneller zu, denn die Arenen und die Jagd nach Orden sind zurück.

Naturzone erkunden

Und da sind wir gleich an einem entscheidenden Punkt, denn diese „Arena-Challenge“ hat es in sich. In „Galar“ sind sie nämlich absolute Publikumsmagneten, Hunderte Menschen strömen herbei, um die Herausforderer und Arena-Leiter anzufordern. Je mehr Orden wir sammeln, desto größer wird unsere Fan-Gemeinde. Riesige Arenen wie Stadien ist aber nicht das Einzige, womit die Spiele aufwarten können. Das neuste Feature, das Kämpfe noch spannender machen soll, nennt sich „(Giga-)Dynamx-Phänomen“. Ein ziemlich sperriges Wort, das sich aber leicht erklären lässt: In bestimmten Bereichen ist es möglich, dass Pokémon auf Kommando um ein Vielfaches wachsen und teilweise auch ihre Form ändern. Dass sie das natürlich auch stärker macht, erklärt sich von selbst.

Das ist anfangs auch noch ziemlich eindrucksvoll, wird aber leider gerade in Arena-Kämpfen bis zur Erschöpfung genutzt und verliert schnell den Überraschungseffekt.

Campen, Spielen und Currys kochen: Das lädt nicht nur die Reserven unserer Pokémon auf, sondern stärkt auch die Bindung zu ihnen.

In der Naturzone, einem großen Gebiet, in dem die unterschiedlichsten Pokémon frei umherstreifen können, sind die Kämpfe gegen die riesigen Taschenmonster dagegen deutlich interessanter – schließlich haben wir am Ende die Chance, die Pokémon auch zu fangen und unser Team so um einen starken Mitstreiter zu ergänzen.

Apropos Naturzone: Die ist wirklich das Highlight des Spiels. Stundenlang können wir hier durch das Gebiet streifen, verschiedene Terrains und Wetterphänomene erkunden und mit unseren Pokémon campen, spielen und Currys kochen. Ach ja, wilde, starke Taschenmonster gibt es hier natürlich auch zu Hauf, die nur darauf warten, von uns gefangen zu werden. Doch nicht alle Monster haben den Sprung nach „Galar“ geschafft. Bei Fans, die diesen Umstand als „Dexit“ bezeichnet haben, hat das schon vor der Veröffentlichung des Spiels für reichlich Furore gesorgt: Mittlerweile wurden fast 900 unterschiedlichen Spezies innerhalb der Pokémon-Welt entdeckt. Allerdings sind nur 400 von ihnen in „Galar“ zu finden – dabei sind nicht die versionsexklusiven Exemplare mit einberechnet.

Kurz und linear

Vom Jäger zum Gejagten wird man in der Naturzone schnell, wenn man plötzlich von wilden, starken Pokémon verfolgt wird..
Dieses Mal gibt es keinen Nationaldex, viele Fan-Favoriten haben keine Einreiseerlaubnis für „Galar“ bekommen. Es ist vor allem deswegen nervig, weil immer den gleichen Pokémon – wie Glumanda und seiner Entwicklungsreihe – der Vortritt gelassen wird, während andere in die Röhre gucken müssen. Zwar werden einige Spieler sicherlich ihren Lieblingen hinterher trauern, es gibt aber ein kleines Trostpflaster: Auch wenn „nur“ 400 Pokémon fangbar sind, wirkt die neue Welt nicht leer, im Gegenteil: Da jetzt fast alle wilden Pokémon, denen man begegnet, sichtbar sind, ist die Welt wunderbar bunt, wuselig und voller Leben. Doch so schön und einladend „Galar“ ist, auch „Schwert und Schild“ haben mit Schwächen zu kämpfen, die sich leider seit einigen Jahren in die Pokémon-Welt eingeschlichen haben. Und dann ist da noch die Tatsache, dass die Designs und die Namen vieler Pokémon immer unkreativer und abstruser werden, noch der kleinste Kritikpunkt. Leider werden wir Spieler auch in „Galar“ wieder sehr oft geradezu an die Hand genommen, haben wenig Freiheiten und arbeiten uns an verschieden Cut-Scenes durch eine schnurgerade Story. Und die ist verdammt kurz und für Veteranen sehr einfach zu meistern, sodass wir theoretisch schon innerhalb weniger Stunden zum Champ aufsteigen können.

Wäre das Post-Game wenigstens noch mit viel Leben und Herausforderungen gefüllt, wäre die kurze Story noch zu verschmerzen. Doch viel zu entdecken gibt es da nicht wirklich. Und wer schon an den vorherigen Spiele etwas auszusetzen hat, wird auch in „Galar“ wieder auf viele dieser Kritikpunkte stoßen. Im Großen und Ganzen machen „Schwert und Schild“ trotzdem Spaß – nur leider nicht sehr lange.

„Pokemon Schwert“ und „Pokémon Schild“, Game Freak/Nintendo, 2019, ab6 Jahren. Exklusiv für Nintendo Switch, ab 49,99 Euro.








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