Freitag, 09.08.2019

Hochwertiges Pflanzsubstrat ist die halbe Ernte

Warum nur wachsen meine Tomaten, Geranien, Kräuter nicht richtig? Diese Frage richten Freunde, Bekannte und mittlerweile auch GZ-Leser immer wieder an mich. Angeblich machen sie doch alles richtig: Die Pflanzen werden regelmäßig gegossen, bekommen auch Dünger, stehen am richtigen Platz. Wenn ich dann frage, wie groß der Topf ist und welche Erde sie denn verwendet haben, stellt sich meist schnell heraus, dass eben doch nicht alles richtig gemacht wurde. Neben der ausreichenden Größe des Topfes oder Kübels spielt das Pflanzsubstrat eine sehr große Rolle für das Wachstum von Pflanzen.

Dunkle Farbe, angenehmer Geruch und locker krümelige Konsistenz kennzeichnen eine qualitativ gute Universal-Pflanzerde.
Als ich anfing zu gärtnern, damals noch auf einem Balkon in der Goslarer Innenstadt, dachte ich: „Warum viel Geld für Erde ausgeben? Eine ist doch so gut wie die andere.“ Aber weit gefehlt. Wer am Substrat, also quasi an der Ernährungsgrundlage seiner Pflanzen, spart, wird mit ziemlicher Sicherheit eine Enttäuschung erleben. Denn super-preiswerte enthalten meist nur sehr wenige Nährstoffe. Die teureren Erden enthalten Dünger, der für die ersten Wochen nach dem Pflanzen ausreicht. Außerdem haben gute Erden weitere Kennzeichen, die man auch mit seinen Sinnen erkennen und erspüren kann: Ein qualitativ hochwertiges Substrat riecht angenehm nach Waldboden (und nicht nach Ammoniak oder Rindenmulch, wie manche Billigerde). Außerdem ist es fein krümelig. Wenn man eine Portion davon in der Hand zusammendrückt, klumpt es nicht. Von der Optik her ist gute Pflanzerde von mittlerem bis dunklem Braun.

Billige Erden können auch Klärschlamm enthalten. Und darin finden sich womöglich auch Chemikalien, Schwermetalle und Pharmaka. Gemüse würde ich darin nicht anbauen, auch wenn die Anteile dieser umweltgefährdenden Stoffe gering sind. Außerdem ist solche Blumenerde meist nicht gut in der Lage, das Gießwasser aufzunehmen und zu speichern. Die Erde wird schnell trocken und rissig, das Gießwasser fließt quasi sofort wieder aus dem Gefäß heraus. Und verschmutzt womöglich noch die Terrassenfliesen oder den Balkonboden. Daher bin ich nach einigen Jahren der Balkongärtnerei dazu übergegangen, das Pflanzsubstrat selbst zu mischen. Ein Drittel Kompost (wer keinen eigenen hat, bekommt welchen beim Kompostwerk des Landkreises Goslar in Upen), ein Drittel alte Erde aus dem Vorjahr (die bleibt in den Kästen oder Kübeln drin) und ein Drittel neu gekaufte Qualitätserde werden gemischt und für die neue Pflanzung verwendet. Wer dann noch Kontakt zu einem Pferdebesitzer oder Reitverein sucht, kann Pferdemist als Dünger meist kostenlos bekommen. Der kommt entweder beim Pflanzen unten mit in den Kübel oder kann auch oben auf die Erde gelegt werden. Regen und Sonne zerbröseln den Mist, dieser verrottet langsam auf der Erdoberfläche, so dass die enthaltenen Nährstoffe nach Bedarf von den Pflanzen verwertet werden können. Übrigens: Pferdemist ist nahezu geruchlos.

Für die Anzucht von Pflanzen aus Samen, in diesem Fall Tomaten, bietet sich spezielle Aussaaterde an. Sie ist sehr fein und nährstoffarm.

Für die meisten Pflanzen reicht ein Standardsubstrat aus. Spezialerden sind nur sinnvoll für Heide- und Moorbeetpflanzen wie Rhododendron, Azaleen, Kamelien, Heidelbeeren und Heidepflanzen. Diese brauchen einen niedrigen pH-Wert, das heißt, eine kalkarme Erde. Wer blau blühende Hortensien haben möchte, kann ebenfalls diese Erde nutzen. Spezielle Hortensienerde ist überflüssig.

Ebenfalls sinnvoll ist es, Anzuchterde zu verwenden, möchte man aus Samen selber Pflanzen ziehen. Diese ist nährstoffarm, was dazu führt, dass die kleinen Keimlinge nicht überversorgt werden. Das würde nämlich schwächliche, blasse Pflänzchen hervorbringen. Ein Beweis dafür, dass viel nicht immer viel hilft.

Wer einen Teich anlegt, sollte Teicherde verwenden. Auch diese ist nährstoffarm (was der Algenbildung entgegen wirkt) und fällt durch ihre spezielle Konsistenz nicht im Wasser auseinander. Außerdem gibt es Spezialsubstrate für Orchideen und Kakteen, die extra auf die Bedürfnisse dieser Pflanzen abgestellt sind. Orchideen im Topf finden in dem Substrat, meist Pinienrinde, guten Halt und ein für die Wurzeln positives, luftiges Klima. In normaler Erde würden sie verfaulen. Kakteen kommen ebenfalls mit normaler Erde nicht gut zurecht, weil sich darin Staunässe bilden kann. Kakteenerde enthält viel Sand oder Steinchen, die das Substrat gut wasserdurchlässig machen.

Dagegen sind für Zitruspflanzen, Tomaten und Rosen keine Spezialerden nötig. Für Zitruspflanzen kann man normale Kübelpflanzenerde nehmen und diese mit etwas Blähton und Kalkdünger vermengen. Rosen kommen zurecht mit Blumenerde, die mit etwas Kompost angereichert wird. Und Tomaten wachsen gut in hochwertiger Gemüse- oder Blumenerde, wenn sie ausreichend gedüngt werden.

Noch ein Wort zu Bio-Erden: Der einzige Unterschied zu den konventionellen Substraten besteht darin, dass Bio-Substrate organischen Dünger enthalten und keinen mineralischen.

Schreiben Sie der Autorin eine E-Mail unter christina.borchers(at)goslarsche-zeitung.de, wenn Sie Fragen haben.