Mittwoch, 19.12.2018

Hilfe im Umgang mit Handy und Computer

Leserbrief

Bad Harzburg. Wie reagiere ich, wenn ich einen Kettenbrief erhalte? Wie verhalte ich mich, wenn ich im Internet gemobbt werde. Was tue ich, wenn ich mich mal wieder mit meinen Eltern gezofft habe, weil ich zu lange am Handy war?

Das sind Fragen, die täglich bei Jugendlichen aufkommen, wenn sie am Smartphone oder Computer sind. Bei all der Verzweiflung wenden sie sich aber lieber an einen Schüler im ähnlichen Alter, als dass sie beim Lehrer nachfragen. Dieses Prinzip steckt hinter den sogenannten Medienscouts.

Mehr als eine AG

Dabei handelt es sich um eine Arbeitsgemeinschaft (AG), die unter anderem am Werner-von-Siemens-Gymnasium (WvS) in Bad Harzburg angeboten wird. Doch es ist mehr als nur eine AG: Das Projekt läuft bereits in anderen Bundesländern sehr erfolgreich und soll jetzt auch in Niedersachsen verbreitet werden, sagt WvS-Lehrer Fabian Kaffee, der die AG gemeinsam mit Lehrer Jan Steuernagel leitet.

Die Achtklässler Johanna Harmuth, Maximilian Müllejans, Ronja Sommermeyer, Tom Luca Rotscher, Maximilian Seidel, Emely Gugisch und Marius Theuerkauf haben sich Anfang des Schuljahres dazu entschlossen, am „Werner“ Medienscouts zu werden. Ihre Beweggründe waren verschieden: „Ich habe Probleme mit den Medien gehabt und war verzweifelt. Ich hätte mir jemanden gewünscht, der mit geholfen hätte. Auch wenn ich nicht jedes Problem lösen kann, kann ich wenigstens zuhören“, sagt die 14-jährige Emely.

Der 13-jährige Maximilian Müllejans möchte sein Wissen über Medien gern an andere weitergeben. Die 13-jährige Ronja und der 14-jährige Tom Luca erzählen, dass auch sie selbst von dem Angebot profitieren: Sie würden zum einen dazulernen, wenn sie sich in der Gruppe austauschen, aber auch wenn sie die Lehrgänge besuchen.

Die Ausbildung zum Medienscout dauert ein Jahr. In regelmäßigen Treffen lernen die Schüler, wie sie aktiv werden können. „Es geht ums Miteinander. Man kann nicht erwarten, dass die Schüler alle Probleme lösen. Aber darum geht es auch nicht. Sie sollen vielmehr vorher anfangen und Präventionsarbeit leisten“, sagt Kaffee.

Deshalb haben die Medienberater für ihre Mitschüler Sprechzeiten eingerichtet. „Bis jetzt ist noch keiner gekommen“, sagen die Scouts und sind dennoch zuversichtlich. „Wir wurden schon öfter in der Schule privat angesprochen und haben uns in den Klassen vorgestellt. Da wurden viele Fragen gestellt, die wir beantwortet haben“, sagen sie. Tom Luca weist in dem Atemzug auf ihre Schweigepflicht hin.

Eltern aufklären

Die Medienscouts wollen ihre Erfahrungen aber nicht nur an Jugendliche, sondern auch an deren Eltern vermitteln. Sie erzählen, dass sie beim Elternsprechtag kürzlich „ganz viele Flyer verteilt haben“. „Das waren um die 200“, sagt jemand. „Nein, das waren sogar 250“, ruft jemand Anderes rein.

Für die Zukunft haben die sieben Schüler auch schon Pläne: Sie stecken gerade in der Planung eines Elternabends zum Thema Videospiele. „Wir wollen, dass sich die Eltern besser in ihre Kinder hinein versetzen können. Dazu haben wir überlegt, ob wir sie nicht mal ein Spiel antesten lassen“, erzählt Ronja. Eine Vision für die Zukunft hat AG-Leiter Fabian Kaffee: „Ich wünsche mir, dass sich das Projekt bei uns richtig etabliert und wir bald 16 bis 20 Medienscouts haben, die für jeden Jahrgang da sein können.“







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