Freitag, 09.10.2020

Hämmern für den „Wald für morgen“

Leserbrief

Goslar. Tatkraft war angesagt am Dienstagvormittag im Goslarer Stadtforst. Hoch über den Dächern der alten Kaiserstadt entsteht derzeit etwas Neues: „Der Wald für morgen“. Der gleichnamige Verein will bis zum 1100. 

Stadtjubiläum im Jahr 2022 einen Baum für jedes Kind in Goslar pflanzen. Mitten in die Projektvorbereitungen eingebunden zeigten sich rund ein Dutzend Schülerinnen und Schüler der Förderschule „Schule am Harly“ mit Hammer, Nägeln und Muskelkraft bewaffnet, um bei dieser zukunftsweisenden Aktion dabei zu sein. Ihre Aufgabe war es, hölzerne Elemente, sogenannte Horden, zu bauen, die – zusammengestellt als Gatter – die jungen Bäume vor Wildverbiss schützen sollen.

Der Unterstand für die Verschnaufpause entsteht durch eine spontane Idee.

Begleitet wurde das emsige Schaffen nicht nur von der „Wald-für-morgen“-Projektleiterin Gertrude Endejan-Gremse, sondern auch vom Harly-Lehrer Reiko Linzer und den Lehrkräften Ulrike Zerbst und Gerd Simon. Die Schule am Harly ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“.

Und die Arbeit ging den jungen Leuten gut von der Hand: Voller Eifer und in fließenden Abläufen wurden die Latten aus Fichtenholz herangetragen und zu jenen Horden-Elementen gezimmert. Schnell wuchs der Stapel der fertigen Produkte. „Alle Schüler nehmen freiwillig an diesem Projekttag teil, sie sind gerne dabei“, betonte Linzer. Mehr noch: Für die Schüler seien die strukturierten und logisch nachvollziehbaren Abläufe eine nachhaltige Erfahrung: Dort, hoch auf dem Plateau im Stadtforst, liegen die Fichtenstämme. Dort werden sie gesägt und dort werden die Holzgatter gebaut. „Unsere Schule hat mehr als zehn Jahre an den Jugendwaldeinsätzen teilgenommen. Eigentlich war diese Woche ein Einsatz bei Braunlage geplant“, erzählte Linzer. Aber die Corona-Einschränkungen hätten alle langfristig getroffenen Planungen zunichte gemacht. „Da haben wir uns natürlich sehr gefreut, dass wir an diesem Waldprojekt teilnehmen können.“ Für die Harly-Schüler bedeute dieser Tag so viel mehr als das Hämmern von Holzlatten. Viele der 17- und 18-jährigen jungen Leute absolvieren gerade das letzte Schuljahr. Manche bleiben auch noch ein Jahr. „Es ist eine gute Gelegenheit, die Schüler mal jenseits des Schulalltags bewerten zu können. Einen Zettel mit Aufgaben im Klassenzimmer zu lösen, das liegt nicht jedem.“ Hier könne Linzer sie anders erleben: Ihre Einstellung zur Arbeit, die Hilfsbereitschaft untereinander und auch ihre Fähigkeiten, Probleme zu lösen, fasste der Lehrer zusammen. „Viele unserer Schüler sind sehr handlungsorientiert.“ All das könne in der persönlichen Beurteilung auf dem Zeugnis erwähnt werden und bringe durchaus ein dickes Plus für den betreffenden Schüler.

So verflog für Sophie, Oli, Florian und den emsigen Willi der Vormittag wie im Fluge. Doch es wurde nicht nur ein stattlicher Stapel an Holzelementen gebaut, sondern auch ein wetterfester Unterstand für die Frühstückspause. Denn die Harly-Schüler lassen niemanden im Regen stehen.









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