Freitag, 01.05.2020

Große Ziele: VZ.net löst StudiVZ ab

Leserbrief

Buschfunk, Pinnwand, Plauderkasten. Für alle, die bei diesen Begriffen einen wohligen Nostalgieschauer verspüren, heißt es seit Kurzem: Bereit machen zum Gruscheln – denn „StudiVZ“ und „MeinVZ“ sind im neuen Look zurück. Diesmal allerdings zusammengefasst als ein Dienst: VZ.net ist das neue soziale Netzwerk.

Für alle, die keine Ahnung haben, was hier erzählt wird: StudiVZ, und ähnliche Seiten waren Online-Portale, die zwischen 2005 und 2008 besonders in Deutschland genutzt wurden, mit zeitweise 16 Millionen Nutzern waren sie zunächst sogar beliebter als Facebook.

Die Gründer, zwei Berliner Studenten, verkauften das Portal 2007 für geschätzte 85 Millionen Euro. Kurz darauf überholte Facebook die VZ-Portale jedoch – und zählt heute über zweieinhalb Milliarden Nutzer. Bei „StudiVZ“ sind aktuell noch rund 600.000 Menschen aktiv. „SchülerVZ“, das Portal für die Jüngsten, machte 2013 ganz dicht.

Fast wie damals...

Mit VZ.net startet das Unternehmen einen Versuch, die deutschen Social-Media-Dinos wieder zu beleben. Die Macher setzen dabei auf altbekannte Funktionen mit neuem Anstrich: optisch ein bisschen hipper, inhaltlich aber nostalgisch. Dazu gehören Buschfunk (moderner: News-Feed) und Plauderkasten – und natürlich das VZ-Feature schlechthin: Gruppen. Auch 2020 können Nutzer ihr Profil mit – mehr oder weniger – witzigen Sprüchen dekorieren: „Statt zu lernen, mache ich immer irgendeinen Scheiß im Internet.“, „9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen ich bin irre. Eine summt“. Einfach Statements fürs Leben.

Ein weiteres Feature: Bis Dienstag, 30. Juni, können rund neun Millionen ehemalige Studi- und MeinVZ-Nutzer ihre Profile reaktivieren und übertragen. Die Entwickler setzen damit vor allem auf den Retro-Hype, Gruppenkommunikation – und Datenschutz.

Social Media soll wieder sozial werden, heißt es im Blog der neuen Plattform. So würden im Gegensatz zu anderen Seiten nicht verkaufte Nutzerdaten, sondern Werbung die Plattform finanzieren. Zudem stünden die Server nur in Deutschland. „Give the Social Network back to the people“, lautet der Titel einer Konzeptpräsentation von Agneta Binninger, Geschäftsführerin des verantwortlichen Unternehmens. Ein sportliches Ziel: Erfolgreich war bisher noch kein Versuch, sich als Alternative zu Facebook und Co. zu etablieren.

In Zeiten der Corona-Krise könnte es allerdings vorteilhaft sein, dass VZ.net vor allem als Gruppenplattform angelegt ist. Seit die meisten Menschen quasi ans Haus gefesselt sind, haben schließlich auch andere Portale, die sonst eher unter dem Radar flogen, einen Aufschwung erlebt. Zoom etwa: Die Alternative zu Skype wurde vor Corona in Deutschland wenig genutzt und erfreut sich seit Beginn der Krise stetig wachsender Beliebtheit.

Katzen gehen immer

„Ist echt cool hier. Wir schwören!“, wird auf der VZ-Startseite beteuert. Ob Retrofaktor und Datensicherheit reichen, um sich dauerhaft durchzusetzen? Abwarten: Die Konkurrenz rund um Facebook, Whatsapp und Instagram hat in den vergangenen Jahren auch nicht geschlafen. Im Zweifel bietet das neue VZ-Portal zumindest den Nostalgikern die Chance, noch einmal zu gruscheln und zu funken, wie in alten Zeiten – und Abwechslung ist im Shutdown schließlich Gold Wert! Und zur Not: „Wir haben auch Katzenvideos“, verspricht VZ.net.









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