Freitag, 18.10.2019

Gespräche, die unter die Haut gehen

Leserbrief

Chicago/Goslar. „Come on, Baby don’t you wanna go, Back to that same old place, Sweet home Chicago“ singen die Blues Brothers im gleichnamigen Film über die US-amerikanische Metropole am Michigansee. Wie Jake und Elwood Blues ist der junge Goslarer Felix Benk auch in wichtiger Mission in der Stadt unterwegs. Allerdings nicht, um „die Band wieder zusammenzubringen“ – er engagiert sich für die Aktion Sühnezeichen und leistet Freiwilligendienst (ASF) in einer jüdischen Seniorenresidenz.

Etwas Sinnvolles tun

„Es war für mich immer klar, dass ich nach dem Abi ins Ausland gehen möchte. Da ich etwas Sinnvolles machen wollte, kam Work-and-Travel nicht in Frage“, erklärt Felix seine Wahl. Er stünde vollkommen hinter den Ideen und den Projekten von Aktion Sühnezeichen.

Der Verein setzt sich intensiv mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen auseinander, fördert mit seinen freiwilligen Friedensdiensten die Völkerverständigung und stellt sich auch einem Erstarken der neuen Rechten entgegen.

Viele der Senioren in Felix‘ Dienststelle sind als Kinder von den Nazis vertrieben worden. Einige sind Holocaust-Überlebende. Da können die Gespräche schon unter die Haut gehen. „Der Redebedarf ist bei den Bewohnern recht hoch. Viele möchten über ihre Kindheit im Nationalsozialismus sprechen. Einige haben hin und wieder altersbedingte Aussetzer, und nehmen an das in Deutschland noch immer die Nazis herrschen. Da ist es dann an mir, zu erklären, dass das heute anders aussieht und ein Großteil der Gesellschaft solches Gedankengut nicht unterstützt“, sagt Felix.

Kein „Nine to five“-Job

Sein Arbeitstag, der zwar klassisch um 9 Uhr morgens beginnt und abends um 17 Uhr endet, besteht aber nicht nur aus Gesprächen. Felix ist mit verantwortlich für die Frühgymnastik der Senioren, bereitet Veranstaltungen wie Vorträge, Bingo oder Filme vor und nach und organisiert den täglichen Kaffee-Klatsch.


Seine Freizeit, insbesondere die Wochenenden, nutzt er dazu, mit den anderen ASF-Freiwilligen ins Kino oder essen zu gehen. Sightseeing steht natürlich auch mit auf dem Programm. Chicago hat einige berühmte Konzert-Hallen und Theater zu bieten, zum Beispiel den „Aragon-Ballroom“ und das „Chicago Theatre“. In beiden hat Felix sich schon Shows angesehen.

Der junge Goslarer nutzt seine Zeit in den USA auch, um ein Hobby weiter zu vertiefen, dem er bereits Zuhause nachgegangen ist, und nimmt Schauspielunterricht. „Das ist ein toller Weg, mich auszuprobieren und Leute kennenzulernen. In Goslar habe ich in der Theaterwerkstatt am Ratsgymnasium und bei Bühnenreif mitgespielt. Die Theaterszene in Chicago ist natürlich viel größer und diverser. Und erstaunlich hilfsbereit“, erzählt Felix. Sein Schauspiellehrer habe ihm bereits einige Agenturen und Theater genannt, wo er sich vorstellen könne. Er fände es toll, wenn sich daraus etwas entwickeln würde. Priorität habe aber natürlich der Friedensdienst.









Weitere Topthemen aus der Region:
  • Bad Harzburg
    Silberbornbad öffnet bald sieben Monate
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Für den MTV Hornburg zählt nur ein Sieg
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Sarah Schilff hat der Ehrgeiz wieder gepackt
    Mehr
  • Langelsheim
    Geplante Umleitung sorgt für Fragen
    Mehr
  • Oberharz
    Mehr als 650.000 Euro für die Marktkirche „eingesammelt“
    Mehr