Montag, 29.06.2020

George Takei: They Called us Enemy

Leserbrief

Für den kleinen George und seine Geschwister ist es eher aufregend, was ihnen und ihren Eltern passiert. Zusammen mit vielen anderen Leuten werden sie plötzlich mit der Bahn in einen Sonderurlaub geschickt. Zeitweise dürfen sie sogar in Pferdeställen übernachten. Aber aus irgendeinem Grund müssen sie, immer wenn sie in einen Bahnhof einfahren, die Rollos der Zugfenster runterziehen. Als sie schließlich in Camps landen, die mit Stacheldraht eingezäunt sind und von Soldaten bewacht werden, dämmert ihm, dass dieser Urlaub doch etwas sonderbar ist...

Der Schauspieler George Takei ist vielen ein Begriff. Sei es nun wegen seiner Rolle als Lieutenant Hikaru Sulu in der Kult-Serie „Star Trek“ oder wegen seines Engagements für die Rechte der LGBTQ-Gemeinschaft und Antirassismus. Zusammen mit den Autoren Justin Eisinger und Steven Scott sowie der Zeichnerin Harmony Becker hat er nun einen Comic herausgebracht.

Engagement in der Bürgerrechtsbewegung

Die bedrückende autobiografische Geschichte, die Takei in „They Called us Enemy“ erzählt, dreht sich um unfassbare Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges in den USA. Dort wurden 1942 nach einem Regierungsbeschluss alle in den USA lebenden Menschen japanischer Abstammung in Internierungslagern festgesetzt. Getrieben von dem rassistischen Vorurteil, das Menschen mit japanischer Abstammung von Natur aus dem japanischen Kaiser und Japan gegenüber loyal wären, wurden 120.000 Menschen jeden Alters und Geschlechts gegen ihren Willen aus ihren Häusern und Wohnungen in insgesamt zehn Barracken-Lager deportiert, die vom US-Militär bewacht wurden. Erst drei Jahre später wurden sie bei Kriegsende wieder entlassen.

Takei berichtet in „They Called us Enemy“ nicht nur von der Zeit im Lager, sondern erzählt auch, wie das erfahrene Unrecht dazu beitrug, dass er als junger Mann begann, sich in der Bürgerrechtsbewegung zu engagieren. Außerdem schlägt er mahnend eine Brücke in die Gegenwart.

Freie Demokratie

Denn wieder werden Familien mit kleinen Kindern, ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Internierungslagern zum Beispiel an der amerikanisch-mexikanischen Grenze festgehalten und seit den umstrittenen Anordnungen Präsident Trumps zur Einreisepolitik 2017 wurden erneut Menschen aufgrund ihrer Ethnie oder Religionszugehörigkeit rassistisch diskriminiert und vorverurteilt. Und nicht zuletzt die Black-Lives-Matter-Bewegung macht klar, wie aktuell die von Takei geschilderten Vorgänge sind. „They Called us Enemy“ ruft in Erinnerung, dass eine freie Demokratie durchaus aus Hysterie und Rassismus Unrecht begehen kann. Gleichzeitig schildert er aber auch, dass es dabei nicht bleiben muss, sondern das eine engagierte demokratische Gesellschaft es Aufzeigen, Aufklären und wieder gut machen kann.

„They Called us Enemy – Eine Kindheit im Internierungslager“ von George Takei, Cross Cult, 208 Seiten, 25 Euro.









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