Samstag, 28.03.2020

Gemüsebeet statt Rasenfläche

Mehr zum Thema
 
Tag der offenen Gartenpforte
Gartenbesitzer laden wieder ins Grün ein
Buchtipp: Hochbeet

Wer in diesen Zeiten einen Garten oder Balkon besitzt, schätzt sich vielleicht doppelt glücklich. Er kann Zeit an der frischen Luft verbringen, und er kann Gemüse und Obst selbst anbauen. Letzteres beruhigt ungemein, wenn man auf die Nachrichtenlage bezüglich von Corona und den befürchteten Engpässen bei frischem Obst und Gemüse schaut.

Ärmel hochkrempeln

Wer meint, er müsse seinen Selbstversorgungsgrad erhöhen, muss jetzt die Ärmel hochkrempeln, sobald es wärmer wird. Eigentlich sollte er schon angefangen haben mit dem Vorkultivieren von Paprika und Tomaten, wenn er denn solche im Sommer auf dem Teller haben möchte. Aber noch ist es nicht zu spät, sie und andere Gemüse auszusäen sowie einen Teil der Rasenfläche in ein Gemüsebeet zu verwandeln und große Pflanztöpfe für den Balkon entweder für die neue Saison vorzubereiten oder neu zu kaufen.

Wer jetzt noch nichts ausgesät hat, sollte sich zumindest sputen, was die Wärme liebenden Gemüse angeht. Sie werden in fein krümelige und nährstoffarme Anzuchterde gesät und dürfen, wenn sie neben den beiden Keimblättern das erste richtige Blattpaar gebildet haben, in kleine Töpfe mit normaler Pflanzerde umgetopft werden. Mitte bis Ende Mai ziehen sie dann ins Beet oder in Kübel nach draußen um. Andere Gemüse wie Gartensalate, Kohlarten, Möhren, Mangold und viele andere können ab Mitte bis Ende April direkt ins Freiland gesät werden (oder in Balkonkästen und große Pflanzgefäße). Wer nur eine Fensterbank zur Verfügung hat, kann sich eigentlich nur mit Kräutern, Sprossen sowie den sogenannten Micro Greens selbst versorgen. Micro Greens sind nichts anderes als Gemüse- und Kräuterkeimlinge, die bereits als wenige Tage alte Pflänzchen geerntet und frisch verzehrt werden. Diese Keimlinge sind wahre Vitaminbomben und lassen sich prima auf der Fensterbank in Schalen und Töpfen kultivieren. Für den Anbau eignen sich besonders schnellwüchsige Kräuter und Gemüsesorten wie Schnittsalate, Senf, Brokkoli, Kresse, Bohnen, Minze, Pak Choi, Rauke, Brunnenkresse, Buchweizen, Rotkohl, Radieschen, Blumenkohl, Basilikum, Amaranth, Fenchel, Dill, Koriander oder Kerbel, aber auch Sonnenblumenkernen, Erbsen und Weizengras.

Auf dem Balkon in großen Töpfen kann man auch Möhren, Rote Bete, Tomaten, Kohlrabi und viele andere Gemüse anbauen. Speziell für den Balkon gibt es Säulenobst. Am ertragreichsten sind Apfelbäumchen. Aber auch Beerenhochstämme und Mini-Kiwis (für stabile Rankgerüste) wachsen im Topf, wenn er ausreichend groß ist. Dabei muss man immer auch die Belastung des Balkons durch das Gewicht von Kübel plus Pflanzerde plus Pflanzen und Früchte berücksichtigen.

Mit oder ohne Umgraben

Wer seinen Rasen zum Gemüsebeet umfunktionieren will, muss jetzt die Ärmel hochkrempeln. Beim Rasen gibt es zwei Methoden, mit oder ohne Umgraben:

Die Fläche abmessen. Dann den Spaten möglichst flach etwa fünf Zentimeter tief unter die Erdoberfläche schieben und den Rasen Stück für Stück abschälen. Die Soden lassen sich kompostieren oder an Stellen im Rasen wieder einfügen, die löcherig geworden sind. (Wurzelunkräuter sollten vorher entfernt werden, weil sie sonst wieder austreiben.) Dann wird der Boden umgegraben. Diese schweißtreibende Arbeit kann man sich aber auch sparen. Dann kann man gleich:

Eine Beetumrandung bauen: Viele Materialien eigenen sich dafür, etwa große Feldsteine, Rasenkantensteine oder auch Bretter oder kleine Flechtzäune. Die Umrandung sollte etwa 20 Zentimeter hoch sein.

Ein Hochbeet eignet sich für den Gemüseanbau, wenn das Erdreich belastet ist. Es wird schichtweise befüllt, wie auf dieser Grafik dargestellt. Grafik: GZ-Archiv
Den Boden vorbereiten: Möglichst unbedruckte und von Klebeband befreite Pappe auf dem künftigen Beet auslegen. Die Stücke sollten sich mindestens zehn Zentimeter überlappen. Die Pappe mit Wasser aus der Gießkanne anfeuchten, das unterstützt die Verrottung. Dann eine zehn bis 15 Zentimeter dicke Schicht Kompost- oder Gartenerde aufbringen. Diese Höhe reicht überall dort aus, wo der Boden nicht belastet ist. In Gebieten, die beispielsweise Bergbaurückstände wie Cadmium und Blei enthalten, sollte man auf ein Hochbeet setzen.

Jetzt kann direkt gesät oder gepflanzt werden. Der Rasen unter der Pappe verrottet langsam. Wenn die Jungpflanzen im neuen Beet etwa handhoch sind, kann man das Beet mulchen mit gehäckseltem Grün- und Strauchschnitt, so man hat. Auch Rasenschnitt kann man aufbringen, diesen dann aber nur in einer dünnen, maximal einen Zentimeter hohen Schicht.

Mulch hält den Boden länger feucht und vor allem im Frühjahr auch warm. Er wirkt wie eine schützende Decke.