Freitag, 05.04.2019

Für Zivilcourage: „Prinzen“-Sänger Sebastian Krumbiegel im Schüler-Dialog

Leserbrief

Die Prinzen muss man kennen. Die sind Kult“: Es gibt sicher nicht viele Bands, die in ihrem 28. Bestehensjahr von sich behaupten können, dass sie auch noch bei der heutigen Jugend bekannt sind. „Die Prinzen“ können es. Das Gemurmel in den Berufsbildenden Schulen Goslar-Baßgeige (BBS) gibt das preis. Lehrer und Schüler sind gleichermaßen aufgeregt, denn hier soll gleich Sebastian Krumbiegel, Tenor bei den „Prinzen“, auftreten.

Zugegeben, ein oder zwei Schüler fragen dann doch, wer das denn ist. Die Antwort singen ihre Mitschüler ihnen aber direkt vor: „Denn das ist alles nur geklaut, eh oh, eh oh“, stimmen sie eines der erfolgreichsten Stücke der Gruppe an. Die Botschaften, die Sebastian Krumbiegel mitbringt, sind jedoch ganz deutlich seine eigenen.

Das 111. Gesicht

Es ist kein Zufall, dass der Sänger das 111. Gesicht der Goslarer Zivilcouragekampagne (GZK) geworden ist. Krumbiegel ist äußerst aktiv, wenn es um Courage und Einsatzzeigen geht: Seine Schirmherrschaft von „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ in Sangerhausen oder seine Dokumentation über die Flüchtlingsproblematik in Nordafrika sind nur einige Beispiele von vielen. Die GZK um Günter Koschig, Heike Göttert sowie Vertretern des „Weißen Ringes“, der Goslarschen Zeitung und des Cineplex-Kinos, hat Krumbiegel daher eingeladen, damit er in den BBS sein Plakat nicht nur entgegennehmen, sondern auch gleich mit den Schülern in ein Gespräch kommen kann.

„Sei laut, gib deine Stimme den Opfern“, heißt das Motto, das der Musiker sich für sein Poster ausgewählt hat. Es ziert sein Gesicht und passend zum Titel ein Megafon. Denn die GZK wirbt, wie der Name schon sagt, für Zivilcourage, ohne, dass man sich selbst dabei in Gefahr bringt. „110 wählen“, heißt der Slogan, der gar nicht oft genug erwähnt werden kann.

Schlimme Erinnerungen

„Als ich 15 Jahre alt war, hat mir meine Großmutter unter Tränen erzählt, wie sie als 19-Jährige am 9. November 1938 von der Straßenbahn aus gesehen hat, dass jüdische Mitbürger in das Flussbett der Parthe in der Nähe des Zoologischen Gartens getrieben wurden. Dafür, dass sie schlussendlich weggeschaut hat, hat sie sich unglaublich geschämt. Ihre Erzählung hat ganz viel mit mir gemacht“, berichtet Sebastian Krumbiegel gleich zum Einstieg der Gesprächsrunde.

Gegen Nazis geradezustehen, läge ihm sehr am Herzen. „Man muss immer überlegen, wie man sich selbst fühlen würde, wenn man in der Opferrolle ist“, gibt er zu bedenken. Krumbiegel weiß, wovon er spricht: „2003 wurde ich in einem Leipziger Park zusammengeschlagen“, sagt er.

Einen der Täter habe er später im Gefängnis auf Anregung des „Weißen Ringes“ besucht. „Auch wenn das Gespräch gut war, habe ich leider nachher erfahren, dass der Typ nur darauf eingegangen ist, um schneller freizukommen“, schildert der Sänger.

Wie ein guter Freund

Diese konkreten Beispiele, die aber auch keineswegs belehrend herüberkommen, beeindrucken. Sebastian Krumbiegel schafft es in den Berufsbildenden Schulen von Anfang an, nicht wie irgendein Star herüberzukommen, sondern als wäre er ein guter Freund, den man schon viele Jahre kennt. Und er vermag es, das Publikum innerhalb weniger Minuten eindrücklich daran zu erinnern, dass die Menschen sich ihrer Gemeinsamkeiten bewusst sein, vor Unterschieden keine Angst haben und offen auf andere Kulturen zugehen sollten.

Was Sebastian Krumbiegel nicht in Worte fasst, verpackt er in ein Stück Musik, singt und begleitet sich selbst am Keyboard. Im Refrain heißt es: „Ich will ein Leben lang für diese Dinge (Demokratie, Solidarität, Frieden) geradestehen.“ Dass er das nicht nur will, sondern auch mit Leib und Seele tut, hat er in Goslar deutlich gezeigt.








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