Freitag, 05.06.2020

"Fridays for Future"-Aktivisten demonstrieren wieder - aber nur mit Plakaten

Leserbrief

Goslar. Berlin machte es vor: Mit rund 10.000 Plakaten, die die „Fridays for Future“-Bewegung am 24. Mai vor dem Bundestag abgelegt hatte, wollte sie deutlich machen: Der Klimawandel macht keine Corona-Pause. Dieses Zeichen setzte Freitagvormittag auch die Goslarer Ortsgruppe der Bewegung mit einer eigenen Plakataktion in kleinerer Form.

Die Fußgänger in der Goslarer Innenstadt staunten nicht schlecht, was für bunte Plakate dort auf dem Pflaster am Rosentor verteilt lagen. Marlene Burkhardt, eine der Organisatorinnen, freute sich über das rege Interesse der Passanten: „Wir bekommen sehr viel Zuspruch von den Leuten, die vorbei gehen.“

49 Kreative Beiträge

Jeder, der Lust hatte, an der Aktion mitzuwirken, konnte in den vergangenen Tagen Plakate gestalten und sie dem Orga-Team zukommen lassen.

Mit ihrem Projekt vorm Rosentor in der Goslarer Innenstadt machte die Fridays-for-Future-Gruppe auf den Klimawandel aufmerksam. Foto: Sowa

„Wir sind ganz begeistert über die vielen Schilder, die uns über die verschiedensten Wege erreicht haben“, freute sich Marlene. Als sie diese zählte, kam sie dabei auf stolze 49 Stück: Ein mehr als erfreuliches Ergebnis für die Organisatorin. „Ich bin echt baff, wie viele kreative Plakate dabei sind. Das verdeutlicht, wie wichtig es den Leuten ist, ein Zeichen zu setzen.“ Besonders freute sich Marlene über Plakate von ganz jungen Unterstützern: „Das zeigt, dass auch Kinder sich Gedanken darüber machen, wie es um unsere Erde steht. Zum Beispiel, wenn sie bei der Fahrt durch den Harz die Bäume sehen, die durch den Borkenkäfer und die trockenen Perioden zerstört wurden.“ Zu ihnen zählt auch Ben Jannis Harting. „Fabriken sorgen für Abgase in der Umwelt“, sagte der 10-Jährige und verwies dabei auf eines seiner Plakate. „Man kann nie zu jung für Engagement sein“, freute sich Lilly Kleinkauf, eine der Organisatorinnen.

Jetzt erst recht

„Der Klimawandel hört nicht einfach so auf, weil eine andere Krise ihn am Bedeutungsgrad abgelöst hat,“ stellte Lilly klar. Passend zum internationalen Tag der Umwelt forderte sie neben stärkerem Klimaschutz Biodiversität. Die Insekten seien klein, ihre Bedeutung für das Ökosystem allerdings umso größer.

Auf die Frage, ob sich das Team von der Politik ernst genommen fühle, antwortete Marlene: „Ich finde, dass wir in den letzten Jahren, was Umweltschutz in der Politik angeht, sehr weit gekommen sind.“ Den Beschluss der Bundesregierung, Autos mit Verbrennungsmotoren nicht durch das am Mittwoch beschlossene Konjunkturpaket zu subventionieren, empfand sie als großen Erfolg. „Wir sind an dem Punkt einer Gratwanderung, bei der man einfach beide Krisen ernst nehmen muss“, sagte sie überzeugt. Auch Philipp Rost ist es wichtig, mit „Fridays for Future“ in der Krise Präsenz zu zeigen. „Corona ist ein schwieriges Thema, aber die Klimakrise macht auch keinen Stopp“, fand er.

Wahrer Erfolg

Der Organisator hatte in Absprache mit dem Ordnungsamt ein Hygienekonzept für die Aktion entwickelt: Abstände mussten streng eingehalten werden, das Tragen einer Maske wurde empfohlen.

Auch viele Kinder steuerten Plakate zur Aktion bei, worüber sich das Orga-Team besonders freute. Die Bilder in der mittleren Reihe gestaltete Ben Jannis Harting.

Die Wetterlage stellte das Team vor unerwartete Herausforderungen: „Wir haben den Wind nicht mit einberechnet“, gestand Lilly Kleinkauf. Doch die Truppe reagierte schnell und beschwerte die schon wegfliegenden Plakate mit Steinen. Nachdem die erste Hürde überwunden war, tat sich aber schon die nächste auf: Gegen 14 Uhr zogen dunkle Wolken über den Platz am Rosentor auf. Daher einigten sich die Organisatoren darauf, die Aktion zwei Stunden eher als geplant zu beenden.

Trotz aller Umstände war die Aktion ein wahrer Erfolg für alle Beteiligten. In Zukunft heißt es daher vielleicht bald wieder: Fleißig Plakate für „Fridays for Future“ gestalten und für eine klimafreundlichere Zukunft kämpfen.

Auf Instagram gibt es in den kommenden Tagen ein Video zur Aktion. Schaut vorbei!

Von Lea Dämgen









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