Freitag, 25.09.2020

Familienplanung in der Klimakrise

Leserbrief

Bad Harzburg. Jede Generation hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Die Generation Z hat es derweil mit einem Gegner aufgenommen, gegen den wenig auszurichten scheint: die Erderwärmung. Es ist ein ungleicher Kampf. Obwohl der Großteil der jungen Klimaschützer entschlossen und hoffnungsvoll ist, scheint die Lage manchmal so aussichtslos, dass sich immer mehr Jugendliche fragen, ob es noch sinnvoll ist, einmal Kinder in solch eine gefährdete Welt zu setzen. 

Und wenn ja, wo? Diese Frage stellt sich Jasmin Naser aus Bad Harzburg. Sie findet: „In die Zukunft zu blicken, ist gruselig.“

Wie wird es mit unserem Planeten weitergehen? Für Jasmin ein immerwährender Gedanke. Fotos (2): Dämgen

„Hier komme ich später mit meinen Kindern hin“, war sich Jasmin noch 2014 im Urlaub in Venedig sicher. Dass ihr Wunsch in Erfüllung gehen wird, daran zweifelt sie inzwischen – jedes Mal, wenn sie von klimabedingten Naturkatastrophen wie heftigen Überschwemmungen und Extremwetterlagen weltweit hört, ein kleines Stücken mehr.

Erschreckende Anblicke

Trotz ihres jungen Alters ist die 19-Jährige mit palästinensischen Wurzeln eine Weltbummlerin. Von Ägypten über Dubai bis Tunesien, Jasmin hat schon viel von der Welt gesehen. „Ich würde meinen Kindern gerne die hübschen Orte zeigen, die ich gesehen habe. Aber die Plätze werden anders aussehen“, ist sie überzeugt. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung hat sie auf mancher ihrer Reisen zu spüren bekommen.

Beispielsweise im Urlaub 2015 in Jordanien am Toten Meer. „Es herrschte Windstille und auf der Oberfläche des Wassers spiegelten sich die Berge. Und in dem Wasser zu baden, war unbeschreiblich. Eine Reise zum Toten Meer muss man einmal gemacht haben“, schwärmt Jasmin. Doch selbst die schönsten Träume vergehen irgendwann. Der Wasserspiegel des salzhaltigen Sees sinkt in einem alarmierenden Tempo.
Als Hauptproblem gilt die Trinkwasserentnahme Jordaniens aus dem Jordan. Wasserknappheit ist in der Region ein Dauerproblem, die Klimaerwärmung verschärft die Lage. „Ich habe die Spuren in den mittlerweile sichtbaren Steinschichten gesehen, die früher vom Wasser bedeckt waren. Es ist traurig“, sagt Jasmin.

Auch in ihrem Auslandsjahr in Japan 2018 machte sie eine besorgniserregende Entdeckung. Für die Wanderung auf den Mount Fuji, der für seine weiße Schneekrone bekannt ist, rüstete sich die Bad Harzburgerin entsprechend. Die Winterkleidung hätte sie allerdings zu Hause lassen können. „Es war so warm, dass ich meine Leggins hochkrempelte und meinen Pullover auszog. Am Ende hatten meine Freunde und ich T-Shirts an. Selbst unser Gruppenleiter, der die Wanderungen seit mehreren Jahren organisiert, hatte den Fuji noch nie so trocken erlebt“, berichtet Jasmin entsetzt.

Sensibilisierung

„Das ist nur der Anfang. Da fragt man sich: Wie schlimm wird es noch und wie kann man sich darauf vorbereiten?“, sagt Jasmin. Sie möchte später vielleicht einmal auswandern. Von Hochwasser und Waldbränden besonders gefährdete Regionen wären schon einmal aus dem Spiel. Jasmin ist entschlossen: „Ich möchte ein Leben aufbauen, das bleibt. Vor 10 bis 20 Jahren wäre das leichter gewesen.“

Die Klimaerwärmung stoppen. Aber wie? Es sei vor allem eine Frage der Einstellung, findet Jasmin. „Den Gedanken, mein Einsatz mache eh keinen Unterschied, müssen alle Menschen verwerfen. Jeder Unterschied zählt.“ Es helfe schon, einfach einmal den Bus oder die Bahn, anstatt das Auto zu nehmen. In den Zügen Japans treffe man Menschen allen Alters und aller sozialer Schichten an. „Aber hier in Deutschland ist es leider Normalität, das Auto zu nehmen, selbst, wenn es andere Möglichkeiten gibt“, betont Jasmin.

„Etwas anderes, was wir machen können, ist, unsere Natur so gut wie möglich zu erhalten“, erklärt die 19-Jährige, bei der es zu Hause im Garten nur so sprießt und blüht. Auch ein inzwischen zwei Meter großer Feigenbaum, der im Mittelmeerraum beheimatet ist, findet darin Platz. Wenigstens etwas, das sich den widrigen Umständen abgewinnen lässt. Eine sorgenfreie Zukunft für sie, ihre späteren Kinder und vielleicht auch Enkel, wäre Jasmin aber deutlich lieber gewesen.

Von Lea Dämgen









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