Freitag, 22.02.2019

Fahrschule steht bei Jugendlichen hinten an

Leserbrief

Goslar. Deutschlandweit fallen immer mehr Fahrschüler durch die Prüfung, wie eine Studie des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zeigt. Die GZ hat nachgefragt, woran das liegen könnte.

Bei der theoretischen Pkw-Prüfung fielen 2017 laut KBA 39 Prozent der Bewerber durch, der höchste Wert der letzten zehn Jahre. Auch die Misserfolgsquote bei der praktischen Prüfung stieg, von 28 Prozent 2007 auf 32 Prozent 2017. Eine Ursache könnten die unübersichtlichen Städte sein. Das vermutet Rainer Camen, Sprecher des TÜV Nord: „Der Verkehr ist ganz schön haarig geworden.“ Es gebe aber verschiedene Gründe.

Druck zu groß

Es liegt wohl auch an den Jugendlichen selbst: „Das Autofahren steht oft nur noch an zweiter Stelle“, meint Jens Mehmecke von der Fahrschule „Treffpunkt“ in Goslar. Die Jugendlichen lernten zu wenig, sodass sich die Ausbildung verzögere. Und wer nicht regelmäßig Fahrstunden nehme, falle eher durch. Das Problem sieht auch Andreas Möller von der Fahrschule „Getmobile“. In der Schule und seitens der Eltern litten viele Bewerber unter hohem Druck und meldeten sich zu früh zur Prüfung, obwohl zum Fahrenlernen wenig Zeit war.

Eine konstante Ausbildung über mindestens fünf Wochen empfiehlt auch Fahrlehrer Darius Mendera aus Jürgenohl. Von einer intensiven „Ferienfahrschule“ hält er dagegen nichts. Dabei durchlaufen die Fahrschüler den theoretischen und praktischen Teil innerhalb von weniger als zwei Wochen und werden anschließend direkt geprüft. „Das halte ich nicht für sinnvoll. Man muss das Gelernte auch zwischendurch mal sacken lassen, um seine Fehler zu verbessern“, glaubt auch Jens Mehmecke. Dagegen ist Andreas Möller von „Getmobile“ anderer Meinung. Seine Fahrschule bietet eine solche „Ferienfahrschule“ an. „Die Bewerber konzentrieren sich 12 Tage lang auf nichts anderes“, erklärt er überzeugt. Die Erfolgsquote liege bei 100 Prozent.

Egal, mit welchem Konzept: Es funktioniert natürlich nur, wenn die Fahrlehrer auch genug Zeit haben: Wegen des bundesweiten Fahrlehrermangels fehle oft die Zeit, sich um einzelne Fahrschüler zu kümmern, sagt Fahrlehrer Jens Mehmecke. Einer KBA-Statistik zufolge ist die Zahl der Fahrlehrer in Deutschland zwischen 2008 und 2017 um fast 5.000 Personen gesunken.

Problem für Einwanderer

Noch mehr Schwierigkeiten bereitet die Führerscheinprüfung für Migranten: Sie können in Deutschland meist ihre ausländische Fahrerlaubnis umschreiben lassen. Dafür können sie sich ohne neue Fahrstunden zu den beiden Prüfungen anmelden. Dabei fallen laut KBA über 40 Prozent der Bewerber durch. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren stark gestiegen und hat so die Quote der bestandenen Prüfungen insgesamt verschlechtert. Fahrlehrer Darius Mendera sieht die Politik in der Pflicht: „Das einfache Umschreiben sollte so nicht möglich sein. Da könnte die Regierung einen Riegel vorschieben“, sagt der Fahrlehrer. Die Quoten sind den Fahrschulen ein Dorn im Auge: Auch sie kontrolliert der TÜV regelmäßig.

UMFRAGE: GZ-Leser erzählen von ihren missglückten Fahrprüfungen

Die GZ hat zum Thema Führerschein bei Facebook nachgefragt: Was sind lustige, skurrile oder vielleicht auch unverständliche Gründe, wegen derer Leser und Leserinnen durch die Prüfung gefallen sind? Hier lest ihr eine Auswahl der Kommentare. Manche Texte haben wir gekürzt.
Britta Neumann: Ich habe bei einer orangen Ampel weder beschleunigt noch abgebremst.
Jan Abraham: Ich näherte mich einem Zebrastreifen und mein Fahrlehrer latscht beherzt auf die Bremse. Auf meine Frage, was das denn solle, ich hätte die ältere Dame wohl bemerkt, meinte er, dass es ihm nicht um die Seniorin ging. Aber den Hund, den sie dann unweigerlich zu beklagen hätte, wäre er nicht eingeschritten, hätte die Frau vermutlich nur schwer zu verzeihen gewusst. Den Todesstoß für diese Prüfung verpasste ich mir dann obendrein zusätzlich mit dem Befahren einer Einbahnstraße von der anderen Seite.
Gebhard Henning: Ich bin laut Prüfer super gefahren bei meiner Prüfung. Aber: Ich bin seiner Meinung nach zu oft in einem zu hohen Drehzahlbereich gefahren. Durchgefallen! Ok, das war allerdings auch der Lkw-Führerschein. Trotzdem ärgerlich.
Ralf Valetti: Ich sollte von Astfeld kommend in die Straße auf dem Nordberg einbiegen. Der entgegenkommende Fahrer soll angeblich Angst im Gesicht bekommen haben. Ich durfte aussteigen.
Sabrina Reuter: Ich habe beim ersten Versuch fast einen Fahrradfahrer umgefahren, ich fand den Abstand ausreichend, der Prüfer allerdings nicht.
Deddy Fröschle: Nicht ich, aber eine Bekannte hat während der Prüfung einem Mitarbeiter des Baubetriebshofs den Besen aus der Hand gefahren, mit dem er die Straße gereinigt hat. Sie war gerade mal zehn Meter gefahren.







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