Mittwoch, 19.12.2018

Erste Hilfe gegen Blütenfall und Läuse

Dass Orchideen wirklich die beliebtesten Zimmerpflanzen sind, hat sich an den Leserzuschriften gezeigt, die zu diesem Thema gekommen sind. Es sind Fragen aufgetaucht, von denen an dieser Stelle einige beantwortet werden sollen.

Andrea Kemmerich-Haupt: „Ich habe auch seit vielen Jahren Orchideen, Phalaenopsis und Frauenschuh. Meistens habe ich auch guten Erfolg. Fragen habe ich immer auch noch mit dem Abschneiden der Stiele. Schneidet man, wie Sie schreiben, gar nicht oder bis zu den letzten drei Augen?

Im Moment habe ich das Problem, das meine Orchideen zwar neue Stiele bekommen und auch Knospen, aber diese sind irgendwie verkrüppelt und klebrig und blühen gar nicht auf oder fallen vorher ab. Hatte ich bisher noch nicht, was kann das sein? Das gleiche gilt für ab und zu vertrocknete Blüten, die Blüten werden wie Pergament.“

Für den Knospenfall kann es mehrere Ursachen geben. Zu wenig Licht im Winter, zu lang anhaltende Trockenheit, aber auch zu viel Wasser, Mangel an Nährstoffen oder Überdüngung. Kalte Zugluft über längere Zeit, unmittelbarer Kontakt zu warmer Heizungsluft oder ausströmendes Ethylengas durch in der Nähe lagerndes Obst können weitere Ursachen sein.

Klebrigkeit deutet darauf hin, dass die Pflanze entweder durch die oben genannten Ursachen Stress hat oder dass tierische Schädlinge darauf sitzen. Manche dieser Tierchen erkennt man nur mit der Lupe, so winzig sind sie. Es gibt so viele, dass ich nur eine Internetseite empfehlen kann, wo sie aufgeführt sind mit Erkennungszeichen und Bekämpfungsmöglichkeiten: www.plantopedia.de/schaedlinge-an-orchideen/

Das Schneiden der Blütenstiele ist eigentlich nicht so schwer: Die Zeitschrift „Mein schöner Garten“ rät etwa dazu, die sogenannten eintriebigen Orchideen (beispielsweise Frauenschuh oder Dendrobium) bilden immer nur an einem neuen Trieb Blüten. Dieser Trieb kann nach dem Abfallen der letzten Blüte direkt am Ansatz abgeschnitten werden, denn an ihm erscheinen keine neuen Blüten mehr. Bei mehrtriebigen Orchideen, zu denen unter anderem die Phalaenopsis zählt, ist es möglich, dass aus einem abgeblühten Stängel erneut Blüten austreiben. Deshalb schneidet man diesen über dem zweiten oder dritten Auge ab und wartet. Manchmal treibt der Blütenstängel aus dem oberen Auge erneut aus. Dieses sogenannte Remontieren kann zwei bis drei Mal gelingen, danach stirbt der Stängel in der Regel ab.

Heidi Bruns, Altenau: Ich hatte Phalaenopsis-Orchideen viele Jahre lang in allen Farben und Größen in meinem Ostfenster stehen, es war eine Pracht, bis ich mir wohl eines Tages Schmierläuse mit nach Hause brachte. Bis man es merkt, haben sich fast alle Pflanzen angesteckt. Ich habe mit Lizetan-Spray behandelt und auch einzelne Tiere mit dem Zahnstocher entfernt, Übertöpfe und Fensterbänke gründlich gereinigt und schließlich viele Pflanzen in den Müll geworfen.

Jetzt wüsste ich gern, was es für ölhaltige Mittel gibt und wie ich sie anwende.

Das Mittel, dass Frau Bruns angewendet hat, kenne ich nicht. Es gibt verschiedene Spritzmittel auf Ölbasis, darunter auch welche, die Paraffin enthalten. Diese kann man verwenden, wer aber umweltfreundlich handeln möchte, nimmt lieber welche auf Basis von Raps- oder Niemöl. Welches Öl in dem Mittel enthalten ist, steht auf der Inhaltsangabe. Ohnehin bekommt man solche Mittel ja nicht mehr in der Selbstbedienung, sondern muss sie sich aus einer verschlossenen Vitrine von einem Mitarbeiter des Geschäftes geben lassen. In einem Fachmarkt oder einer Gärtnerei erhält man dazu auch noch fachkundige Beratung. Es gibt einige Mittel, die auch im biologischen Landbau zugelassen sind. Diese enthalten pflanzliche Öle und Pyrethrine. Bestimmte Chrysanthemenarten bilden Pyrethrum von Natur aus, weshalb aus ihren getrockneten Blüten schon Anfang des 20. Jahrhunderts Insektizide hergestellt wurden. Pyrethrine sind für Bienen unschädlich.

Einen Tipp zur Pflege von Orchideen hat die Gartenglück-Leserin Christa Servatius: Ich bin auch Besitzerin von Orchideen der Sorte Phalaenopsis und habe sie schon seit Jahren in einer Glasvase stehen ohne Substrat, nur Wurzelwerk. Alle zwei bis drei Wochen fülle ich die Vasen voll mit Wasser und etwas Dünger und lasse sie ein paar Stunden stehen. Danach gieße ich das komplette Wasser wieder ab. Sie stehen an einem Ostfenster ohne Heizung drunter, und erfreuen mich gerade wieder mit lang anhaltenden Blüten. Diesen Tipp gab es vor etlichen Jahren aus einer Gartensendung, und er funktioniert bestens.