Montag, 12.11.2018

Ernten bis zum ersten Frost

Ein Frühbeet ist ja eigentlich dafür gedacht, junge Pflänzchen zu hegen und durch eine Abdeckung vor den Frösten im Frühjahr zu schützen. Aber mein Frühbeet ist das ganze Jahr über belegt. In diesem Herbst habe ich dort Stielmus und Winterendivie stehen. Ersteres ist hier weniger bekannt, im Rheinland und in den Niederlanden hat dieses Gemüse dagegen eine sehr lange Tradition. Es handelt sich um einen engen Verwandten von Rettich, Senf, Kresse und Kohl. Sie alle sind Kreuzblütler.

Die Aussaat erfolgt meist im Frühjahr, kann aber im August erneut vorgenommen werden, um im Herbst zu ernten. Wichtig ist, die Samen mit wenig Abstand zu streuen, weil nur die jungen Blätter verwertet werden und sich keine dicken Rübenwurzeln bilden sollen. Geerntet wird mit den Wurzeln, wenn die Blätter 10 bis 25Zentimeter Länge erreicht haben. Sie sind nicht lagerfähig und müssen frisch verzehrt werden. Rübstiel zeichnet sich durch einen fein-säuerlichen Geschmack aus. Die Stiele schmecken klein gehackt und gedünstet zu Fleisch- oder in Kartoffelgerichten. Mann kann ihn auch in einen Eintopf geben oder roh zu Salat verarbeiten.

Die Winterendivie besitzt Bitterstoffe in ihren Blättern, die sich vorteilhaft auf die Verdauung auswirken, ähnlich wie beim italienischen Radiccio. In meinem Frühbeet steht die Sorte Escariol, sie ist am haltbarsten und zur Lagerung geeignet. Der Salatkopf ist halb geschlossen. Die äußeren Blätter sind grün, das Salatherz ist heller. Ich verwende Endivie als Salat, sie kann aber auch wie Mangold oder Spinat gedünstet werden.

Weder Endivien noch Stielmus sind frostfest. Deshalb muss ich Stielmus dann wohl aufgeben, wenn es richtig kalt wird, denn die Menge, die noch auf dem Beet steht, werde ich bis dahin kaum verzehren können. Die Endivienköpfe kann ich dagegen im frostfreien Gewächshaus lagern (siehe Tipps zum Lagern unten).

Geerntet werden können bis zum Frost beispielsweise auch noch Rote Bete, Pastinaken und Möhren. Die Möhren habe ich alle schon gezogen, weil ihr Laub unglücklicherweise von Echtem Mehltau befallen war. Sie lagern jetzt in feuchtem Sand in einer Kiste. Die anderen Wurzelgemüse können auf dem Beet bleiben. Dort sind sie am besten aufgehoben. Sie vertragen Temperaturen bis zu minus fünf Grad Celsius. Wenn tiefere Temperaturen angesagt sind, decke ich das Hochbeet mit einem Vlies ab. Auch Mangold kann unter einem Vlies auf dem Hochbeet bleiben, denn er verträgt Kälte ganz gut. Gegen starke Nachtfröste häufele ich ihn etwas an.

Man braucht also nicht unbedingt einen Kühlschrank oder Keller, um auch über den Winter frisches, eigenes Gemüse zu haben. Ohnehin sind die meisten modernen Keller zu warm und die Luft ist dort zu trocken. Die ideale Luftfeuchtigkeit für Lagergemüse liegt bei 80 Prozent, die Idealtemperatur unter zehn Grad Celsius.

Nicht nur optisch ein Genuss sind derzeit noch die gelben Ringelblumen und Salat-Chrysanthemen, auch als Kronenwucherblume bekannt. Sie stehen wacker auf dem Kräuterbeet und trotzen der nächtlichen Kühle. Ihre Blütenblätter sind essbar und zieren jeden Salat. Wer sie einmal sät, muss sie entweder durch den Garten wandern lassen (sie säen sich selbst aus), oder ihnen Einhalt gebieten, indem im Herbst die Samen von Hand abgenommen werden.

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