Freitag, 29.03.2019

Einsatz mit dem großen Besteck

Bei brandheißen Informationen packt die Feuerwehr schon mal das „große Besteck“ aus, wie es der Landkreis-Sprecher Maximilian Strache diese Woche umschrieb. Im Visier hatten Feuerwehrkameraden nämlich am Sonntagabend im Okertal rätselhafte Gasflaschen und Kanister, auf die ein Mitarbeiter von Harz-Energie aufmerksam geworden war. 

Um erst gar nichts anbrennen zu lassen, rückten vier Ortswehren mit insgesamt 80 Einsatzleuten aus. Spezialanzüge und Atemschutz hatten sie gleich im Gepäck, mit Ölsperren riegelten sie vorsorglich das Gewässer ab. Nach drei Stunden durften sie mit dem großen Besteck allerdings wieder abrücken, denn von den unbekannten Objekten ging offenbar keine Gefahr aus.

Den anderen Tatort am Sonntagabend konnten sich die engagierten Brandschützer somit höchstens noch aus der ARD-Mediathek hochladen. Zum Trost sei erwähnt: Die Nummer aus München war eine Wiederholung. Vermutlich hatte manch Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau dennoch einigen Frust im Bauch, schließlich war der Großeinsatz für die Einsatzleute, die öffentliche Hand und die Steuerzahler ganz sicher nicht kostenlos – aber umsonst.

Polizisten und Mitarbeiter des Fachdiensts Umwelt beim Landkreis hatten das illegale Lager im Okertal nämlich schon am Samstag in Augenschein genommen und entschieden: Jetzt ist erst mal Wochenende, das können wir auch am Montag ganz in Ruhe abräumen. Nur hatten sie leider vergessen, darüber auch andere zu informieren – vor allem die Einsatzleitstelle. Tagelang wechselte der Schwarze Peter hin und her, wer nun die Chose zu verantworten hat. Die Polizei oder der Umwelt-Fachdienst bei der Kreisverwaltung?

Immerhin bekannte Strache gegen Ende der Woche, das müsse der Landkreis auf seine Kappe nehmen. Und wir Steuerzahler müssen zähneknirschend einsehen, dass Fehler nun mal menschlich sind – auch bei Staatsdienern. Als reumütige Gegenleistung könnte der Umwelt-Fachdienst vielleicht wenigstens eine Runde Brötchen für die Brandschützer spendieren. Oder die amtlichen Umweltschützer schrauben sich mal testweise in die Schutzanzüge der Feuerwehr und robben anschließend mit Atemschutzmaske durch die Übungsstrecke. Am besten an einem gemütlichen Sonntagabend, wenn die Schnittchen für den Tatort schon geschmiert sind – und keine Wiederholung läuft. Allein in der Goslarer Altstadt mussten die Brandschützer nämlich zuletzt gleich dreimal ran, um Schlimmeres zu verhüten. Einmal war offenbar ein defekter Wäschetrockner die Ursache für das Feuer. Nach dem jüngsten Einsatz in der Frankenberger Straße hat sich derweil der Eindruck erhärtet, dass ein 22-jähriger Mitbewohner vorsätzlich am Werk gewesen sein könnte. Diesen Verdacht legen jedenfalls die Ermittlungsergebnisse der Polizei nahe, die sich in den Fall reingekniet hat. Parallel blieb bei der Kripo zu klären, wer nun in Wahrheit der Übeltäter im Okertal ist, der dort Müll, Gasflaschen und Kanister hingeworfen hat. Eine brandheiße Information pfiffen die Spatzen schon kurz nach dem Oker-Einsatz von den Dächern: Offensichtlich hat dort jemand wie im Rausch eine ganze Hanfplantage samt Utensilien entsorgt. Bei Nacht und benebelt sozusagen. Und vielleicht findet sich genau hier auch die mögliche Erklärung, warum die Amtsleute, nachdem sie den Tatort genauer beschnüffelt hatten, keine entsprechende Information zur Entwarnung an die zentrale Leitstelle gesendet haben.

Aber genug der Häme, schließlich hat auch der Einsatz im Okertal für uns Bürger eine beruhigende Erkenntnis: Wenn’s drauf ankommt, dann sind Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei zur Stelle, um Gefahren abzuwenden und Leben zu retten. Vorsichtshalber manchmal auch mit dem ganz großen Besteck.

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