Mittwoch, 21.02.2018

Einmal umdrehen bitte!

Wer bis dato glaubte, die gelehrte Welt der Literatur sei ein Bereich jenseits trivialer Moden, irrt. Aus den USA kommt ein neuer Trend namens „backwards books“, der mittlerweile auch bei uns immer mehr Anhänger findet.

Liegt beim Gedanken an die aktuelle Ausrichtung amerikanischer Politik der Verdacht nahe, dass sich der Begriff „backwards“ auf den geistigen Kern der Literatur bezieht, ist das ein Trugschluss. Folgt man dem Trend, soll nämlich nur das Buch als solches rückwärtsgewandt aufbewahrt werden. Beim Wohnästheten steht die heimische Bibliothek von jetzt an also mit dem Rücken zur Wand und zeigt nur noch die monochrome Oberfläche des Papierschnitts. Den Einwand, dass dieser Einrichtungstrend die Suche nach einem bestimmten Buch quasi unmöglich mache, lassen Verfechter der Methode nicht gelten.

Angeblich beruhige eine solcherart umgedrehte Bibliothek das Raumklima und verringere den Bildungsdruck, der von einschüchternden Autorennamen auf den Buchrücken ausgehen könnte. Unter Experten werden die Gründe für „backwards books“ kontrovers diskutiert. Ist der neue Trend das Menetekel einer bildungsabgeneigten Zukunft, in der elektronische Datenspeicher die Herrschaft über den Intellekt übernehmen? Oder ist die Mode in der kommenden Saison schon wieder vergessen?

Auch wenn Trendsetter in Sachen Bücheraufbewahrung sicher lange suchen müssen, findet sich in ihren Regalen vielleicht noch ein Gedichtband von Erich Kästner. Der kommentierte nämlich treffend: „Wenn’s doch Mode würde, zu verblöden! Denn in dieser Hinsicht sind sie groß.“Elke Brummer