Freitag, 26.07.2019

Einmal fast ohne Grenzen Forschen und Erfahren

Leserbrief

Veckenstedt. Drei Jugendliche sitzen am frühen Nachmittag im Innenhof unter einem Baum. Eine leichte Brise sorgt für etwas Abkühlung von der sommerlichen Hitze. Hin und wieder dringen Lichtpunkte durch das Blätterdach. Der Tisch, an dem die drei sitzen, ist fast voll beladen mit Ordnern, Notizen, einem Laptop und einer Kamera – und es wird emsig gearbeitet.

Verhandlung als Bonbon

„Die Fotos von unserer Gerichtsverhandlung sind gut geworden,“ freut sich Justus Eichele und fügt etwas schmunzelnd hinzu „verhandelt wurde der Fall Schneewittchen gegen ihre Stiefmutter. Weil der Kurs so viele Teilnehmer hatte, gab es zwei Verhandlungen.“ Die Stiefmutter sei in der einen Verhandlung zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, in der Anderen sei es zu einem Freispruch gekommen – da das Verhältnis vom Hauptbelastungszeugen, dem Jäger, zur Klägerin, fragwürdig erschien. Doch was sich so amüsant liest, bedurfte intensiver Vorarbeit: Staatsanwalt Fabian Schellhaas aus Berlin hat mit den Kursteilnehmern zuvor die Geschichte und Entwicklung des deutschen Strafrechts behandelt und aus verschiedenen Winkeln beleuchtet. Die Verhandlung war sozusagen ein Bonbon.

Für die Lehrerin Malén Heinzelmann gehört die Schülerakademie zu einem gelungenen Sommer dazu. „Wir sind sehr froh, wieder hier sein zu können. Über Jahre hat sich mit den Verantwortlichen im Landschulheim Grovesmühle ein Vertrauensverhältnis gebildet. Der Standort und die Ausrüstung, die wir nutzen dürfen, sind ideal für die Schülerakademie,“ freut sich Mitorganisatorin und Kursleiterin.

„Die Idee hinter der Akademie ist, Schülerinnen und Schülern, die aufgrund hoher Begabung im normalen Schulalltag unterfordert sind, ein Umfeld zu bieten, in dem sie ihr volles Potenzial ausbreiten können. Und das möglichst ohne die üblichen Einschränkungen wie zum Beispiel einer verbindlichen Schlafenszeit. Die Devise ist Fordern und Fördern in einem gegenseitigen Vertrauensverhältnis.“ Es werden verschiedene Kurse angeboten, die sich thematisch beispielsweise mit mathematischen oder juristischen Fragestellungen beschäftigen – und das auf einem Niveau, das dem eines Grund- beziehungsweise Bachelorstudiums entspricht. Doch nicht nur die Kursleiter gestalten die Akademie, auch die Teilnehmer sollen und möchten sich einbringen. Sie können neben den eigentlichen Kursen eigene Veranstaltungen, wie Sportturniere, oder Interessengemeinschaften wie Musikbands gründen.

Musik ist wichtiger Teil

Die Musik ist auch ein starker Bestandteil der Akademie. Gemeinsam werden Chor- und Instrumentalstücke eingeübt – ein Abschlusskonzert in Veckenstedt ist in der letzten Akademie-Woche gesetzt.

„Wir haben uns im Vorfeld über Whatsapp ausgetauscht und schon mal etwas kennengelernt. Zum Beispiel haben einige ihre derzeitigen Leselisten und Lieblingsautoren geteilt. Da war ich teilweise schon beeindruckt,“ erzählt Johanna Rothe . Doch zum Glück habe sich die 17-jährige davon nicht einschüchtern lassen – es müsse ja nicht jeder Karl-Marx-Fan sein.

„Jeder von uns hat Texte bekommen, die vorgestellt werden sollten. Ich hatte Kant. Mehrmals habe ich ihn durchgelesen, bevor er sich mir ganz erschlossen hat,“ sagt Johanna. Mit der Teilnehmerin Anastasia Koleoglou arbeiten sie und Justus an der Dokumentation ihres Kurses. Und die wollen die drei neben schriftlichen Ergebnissen auch mit Fotos und einer selbst gezeichneten Grafik versehen.







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