Montag, 12.08.2019

Eine wilde Partynacht endet mit einem unerklärlichen Mord

Leserbrief
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„Du bist der Einzige, dem ich vertrauen kann!“, platzte sie schrill heulend heraus und wimmerte: „Du musst kommen, Rufus. Du musst! Bitte versprich es, versprich es mir.“ Darauf folgte wirres Gefasel, eine Aneinanderreihung von Unsinn, als würde sie rückwärts sprechen, und schließlich: „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich habe solche Angst. Ich glaube, ich, ... hilf mir!“ Und dann war die Leitungtot.

Wer blutverschmiert neben einer Leiche gefunden wird, macht sich verdächtig. Logisch, oder? Aber April schwört, dass sie ihren Freund Fox nicht getötet hat. Wie soll Rufus seiner Halbschwester glauben – bei diesem Anblick? Und dann steht auch noch Sebastian neben ihm. Ausgerechnet sein Exfreund, den sein Leben einen Scheiß angeht. Der ihm das Herz gebrochen hat. „Ich gebe Sebastian eine grobe Zusammenfassung, eigentlich will ich es ihm nicht erzählen, bin aber zu aufgeregt, um es nicht zu tun. Wir stehen vor seinem Auto, die bernsteinfarbene Straßenlampe taucht sein unverschämt schönes Gesicht in Sepiatöne und in der schweren, stehenden Luft um uns herum riecht es nach Schwarzpulver.“

Verzweifelt versucht April den beiden Jungs klar zu machen, dass sie einen Filmriss hatte und sich an nichts erinnert. Nicht schwer zu glauben bei den ganzen Pillen und Partyutensilien, die im Haus herum liegen. Und weil April ein verwöhntes, reiches Mädchen ist, bietet sie Rufus einen Deal an: 2000 Dollar bar auf die Hand, wenn er herausfindet, was passiert ist. Rufus braucht dringend Geld und schlägt ein, ohne zu ahnen, dass er sich selbst damit in höchste Gefahr begibt.

Reiche Kids, Drogen, Alkohol, Sex, eine Prügelei, Betrug, Lügen, Verrat – die Szenerie erinnert sehr stark an mittelmäßig guten Hollywood-Horrorstreifen. Aber Roehrigs feiner Schreibstil macht den Unterschied. Mit „ich wappne mich gegen seine beängstigende Macht, indem ich mein Herz mit einem dicken Eispanzer überziehe“ oder „vor ihm war mir nie bewusst gewesen, wie schmerzhaft die Stille ist“ trägt er zeitweise ein bisschen dick auf.

Gleichzeitig erschafft seine poetische Sprache aber auch erlebbare, detailreiche Bilder. „Meine Schwester kauert zusammengesunken vor dem Schränkchen unter dem Spülbecken, ihre Haut ist wachsweiß im Kontrast zu ihrem purpurroten Bikini; Fox liegt zusammengekrümmt neben ihr auf dem Fliesenboden, fast wie ein Kind im Mutterleib, sein Gesicht albtraumhaft schlaff. Beide sind blutüberströmt und in den Fingern von Aprils rechter Hand liegt der Griff eines großen Fleischmessers.“

So wird aus einer katastrophal aus dem Ruder gelaufenen Party eine Hetzjagd, die den Leser atemlos mitfiebern lässt.

„Keiner sagt die Wahrheit“ von Caleb Roehrig, 416 Seiten, ab 14 Jahre, cbt Verlag, 9,99 Euro








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