Montag, 19.03.2018

Eine Messe mit Geschichte

Auch wenn sich das Wetter alles andere als frühlingshaft zeigte – die Leipziger Buchmesse war ein kraftvoller Auftakt in das Lesejahr 2018. Verlage, Autoren und Buchhandel verdeutlichten eindrucksvoll, dass die analoge Begegnung mit Literatur für die Deutschen noch immer von Interesse ist.

Dabei waren die Zukunftsaussichten der Bücherschau nicht zu allen Zeiten rosig; die deutsche Teilung war auch für die Buchmesse an der Pleiße eine echte Bewährungsprobe. 1961 löste der Mauerbau eine handfeste Krise aus: Die seit 1952 vertretenen westlichen Verlage sagten ihre Teilnahme ab, und das an westlichen Impulsen interessierte DDR-Publikum blieb weg. Mit dem Neubau eines Messehauses in der Innenstadt Mitte der 60er-Jahre wendete sich das Blatt: Internationale Verlage kehrten zurück und sorgten für immensen Publikumsandrang. Ein Zuviel an freiheitlichem Gedankenimpuls erschien der DDR-Führung allerdings nicht zuträglich – vor Messebeginn sortierten ideologisch geschulte Genossen kritische Autoren kurzerhand aus.

Aber auch wenn Biermann, Grass und Solschenizyn nicht zugelassen wurden und DDR-Verlage aufgrund des Mangels an Druckpapier ihr Programm häufig nur in Form von „Blindbänden“ präsentieren konnten, nahm das Publikum doch einiges mit nach Hause. Im Wortsinne – der Bücherklau auf der Leipziger Buchmesse ist legendär: Die „ostdeutsche Bücherheuschrecke“ wird in Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ eingehend beschrieben.

Nach der Wiedervereinigung drohte die Leipziger Bücherschau in der Versenkung zu verschwinden. Anfang der 90er-Jahre bezeichnete das Börsenblatt die Bilanz als „totale Katastrophe“. Die Verantwortlichen reagierten klug: Preisverleihungen, das Lesefestival „Leipzig liest“, die zunehmende Öffnung für ein junges (Manga-)Publikum, Fachtagungen und der Umzug in moderne Hallen festigten die Situation der Messe. Bleibt zu hoffen, dass Denkverbote, Zensoren und Papiermangel endgültig der Vergangenheit angehören.Elke Brummer