Montag, 23.03.2020

Eine Junge-Szene-Mitarbeiterin berichtet, wie der Jubel über freie Tage schnell in Sorge umschlug

Leserbrief

Seesen. Mitten in der vierten Stunde rief unser Schulleiter alle Lehrer zu einer Dienstbesprechung. Wir konnten uns schon fast denken, worum es gehen sollte. Nach etwa 40 Minuten kam unsere Biologielehrerin zurück in den Klassenraum. Sie berichtete uns, was die Niedersächsische Landesregierung beschlossen hatte: nämlich, alle Schulen bis zum 18. April zu schließen. So soll die Ausbreitung der Corona-Virus-Epidemie verlangsamt werden.

Chantal Kast
Gerüchte über Schulschließungen und dass auch meine Schule, das Jacobson-Gymnasium in Seesen, betroffen sein könnte, hatte es schon vorher gegeben. Immerhin hatten andere Bundesländer schon vor Niedersachsen angekündigt, die Schulen dicht machen zu wollen.

Jubeln über freie Tage

Aus den Parallelklassen war Jubel zu hören und wir Elftklässler haben uns natürlich ebenso gefreut, dass unsere Osterferien auf fünf Wochen verlängert werden. Ich überlegte schon mit meinen Freunden, was wir alles in der freien Zeit unternehmen könnten: zusammen bummeln, schwimmen gehen oder Minigolf spielen.

Tja, Pustekuchen. Die Landesregierung hat die Schulen nicht geschlossen, damit wir stattdessen unsere Freizeit miteinander verbringen – im Gegenteil. Meine Klasse machte erst Witze über die Situation, mich mit eingeschlossen. Wir nannten die zusätzlichen freien Tage liebevoll „Coroster-Ferien“, eine Wortneuschöpfung, die sich aus den Begriffen Corona und Osterferien zusammensetzt. Dass die Schule wegen des Coronavirus ausfällt, fühlte sich so unrealistisch an, ich konnte es nicht glauben. Denn etwas Vergleichbares habe ich noch nie erlebt und kannte es nur aus Apokalypsenfilmen wie „Outbreak“ oder „Contagion“, in denen es um tödliche Viren geht. Andauernd hörte ich aus den Nachrichten und der Zeitung von dem Coronavirus, aber mit der Schließung der Schule ist mir erst bewusst geworden, in welcher Krisensituation wir uns befinden und ich fing an, mir Sorgen zu machen.

Mit dem Beschluss zur Schulschließung gingen auch viele Fragen und Ungewissheiten einher: Was ist mit den versäumten Klausuren? Wie holen wir verpassten Unterricht auf? Was ist mit geplanten Veranstaltungen? Unsere Lehrerin war zum Glück auf all diese Fragen vorbereitet: Alle geplanten Veranstaltungen, Exkursionen und Klassenfahrten wurden bereits abgesagt. Die Klausuren werden hinter die Ferien verschoben, was bedeutet, dass uns nach den Osterferien viele Prüfungen erwarten.

Lernen übers Web

Manche Menschen denken, wir hätten jetzt schulfrei, das ist aber nicht so. Über „WebUntis“, ein Programm, das uns unseren Stundenplan anzeigt, bekommen wir Aufgaben von Lehrern, die wir selbstständig zu Hause erledigen müssen. Die Lösungen bewahren wir bis zum Schulstart auf. Wir haben die Mail-Adressen unserer Lehrer und können sie so fragen, wenn wir etwas nicht verstehen. Wir Schüler bleiben größtenteils über Messenger wie WhatsApp und Discord im Kontakt, wo wir uns auch gegenseitig bei den Aufgaben unterstützen.

Diese neue Art des Unterrichts ist zwar ungewohnt und erfordert Selbstdisziplin. Aber ich finde es irgendwie auch spannend, mal von zu Hause aus den Unterricht zu machen. Jedoch vermisse ich es, in die Schule zu gehen und dort täglich meine Freunde sehen zu können. Immerhin: Stattdessen bleibt nun mehr Zeit, um Bücher zu lesen und zu zeichnen.









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