Montag, 19.11.2018

Ein genauer Blick hinter die Kulissen

Leserbrief

Goslar. Kataster, was? Das klingt so spannend wie Lohnsteuerjahresausgleich. Alexa Schurer und Carina Kleudgen, die vor einigen Wochen ihr Praktikum bei der GZ absolviert haben, hatten die Gelegenheit, einen Blick hinter die schweren Türen des Katasteramtes in Goslar zu werfen. Ihr Eindruck: Die Behörde ist für viele Jugendliche tatsächlich nur minimal spannender als der Jahresausgleich. Aber sie lernten freundliche Menschen in einer Behörde kennen, die auch in Zeiten der Datenübertragung wichtige Arbeit leistet.

Zum Beispiel Dezernatsleiter Gerd Scheuermann: Er hat sich viel Zeit für die Schülerinnen genommen, nachdem er in einem Artikel auf der Jungen-Szene-Seite auf sie aufmerksam geworden war. Alexa, Carina und unsere Ex-Praktikantin Kim Viktoria Koch hatten sich vor etwa zwei Wochen auf eine Mission begeben: Zum „Ausgesetzt-ohne-Kompass-Tag“ hatte sich die GZ-Redaktion Straßen in der Kaiserstadt ausgesucht, die die Schülerinnen ohne technische Hilfe finden mussten. Sie waren zwar mit einer Karte ausgerüstet, doch diese war nicht allzu gut geeignet. Also mussten sie sich auf ihr Gespür und auskunftsfreudige Passanten verlassen.

Unwissenheit beseitigen

Ihre letzte Station war das Goslarer Katasteramt. Große Fragezeichen machten sich in den Gesichtern der 16-Jährigen breit, als sie vor dem Haus im Jürgenweg 8 standen. Diese Unwissenheit wollte Scheuermann mit seiner Einladung beseitigen.

Schnell stellte sich heraus, dass das Katasteramt thematisch hervorragend zu dem Aktionstag passte. Es kümmert sich nämlich um die Vermessung von Grundstücken. Aus den Daten erstellen die Mitarbeiter Übersichten. In der heutigen Zeit sind es nicht nur analoge Aufklapp-Karten. Das Katasteramt hat zudem Luftbilder an Google verkauft, die das Unternehmen für seinen Navigationsdienst verwendet.

Diese Arbeit klingt theoretisch und trocken, das ist sie zunächst auch. Doch als Scheuermann die Brücke zur Schnitzeljagd der Praktikantinnen schlug, wurde es anschaulicher. Mithilfe eines Computerprogramms hat er eine Karte angefertigt, die die zu suchenden Straßen abbildete. „Wäre eure erste Station hier im Katasteramt gewesen, hätten wir euch mit einem besseren Stadtplan aushelfen können und ihr wärt schneller am Ziel gewesen“, erzählte Scheuermann Alexa und Carina. Doch so einfach wollten wir es unseren Praktikantinnen natürlich nicht machen.

Im Gespräch mit dem Dezernatsleiter zeigte sich, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass die Schülerinnen das Katasteramt nicht kannten. Als normaler Bürger habe man nicht so viele Berührungspunkte mit der Behörde, es sei denn, man kauft ein Grundstück und möchte bauen, erklärte Scheuermann.

Wenn Grundstücke vermessen werden, kommen die Mitarbeiter im Außendienst zum Einsatz. „Die habt ihr bestimmt schon gesehen“, vermutete Scheuermann. Erkennbar sind sie an den sogenannten Tachymetern. Die Geräte erinnern an einen Blitzer. „Es passiert häufiger, dass uns Autofahrer sehen und ordentlich in die Eisen gehen“, sagte Bernd Westermeyer, Ausbildungsleiter im Katasteramt. Um sich ein genaueres Bild davon zu verschaffen, durften Alexa und Carina durch ein Tachymeter schauen und sich wie waschechte Vermessungstechnikerinnen fühlen (Bericht unten).

Schlauer als vorher

In dem etwa zweistündigen Gespräch versuchte Gerd Scheuermann, den Praktikantinnen grob näherzubringen, was in einem Katasteramt passiert. Dabei handele es sich aber um ein komplexes Gebiet, was nicht so leicht runterzubrechen sei. Doch eins ist sicher: Alexa und Carina sind nach dem Vortrag schlauer als vorher. Wenn sie das nächste Mal am Jürgenweg 8 vorbei spazieren, wissen sie, was hinter den Mauern abläuft und dass das Katasteramt keine vermiefte Behörde ist.







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