Freitag, 09.02.2018

Ein altes Meisterwerk wird noch mal aufpoliert

Leserbrief

Ein verbotenes Land, ein einsamer Protagonist und eine verzweifelte Mission – mit kaum mehr Informationen startet man als Spieler in „Shadow of the Colossus“. Als Protagonist Wander macht man sich auf, um das tote Mädchen Mono wieder ins Leben zurückzuholen. Dafür schließt er einen Pakt mit dem körperlosen Wesen Dormin: Wenn Wander es schafft, die 16 Kolosse zu töten, die das Land durchstreifen, erweckt Dormin Mono wieder zum Leben. Bewaffnet mit einem magischen Schwert, macht sich Wander auf seinem Pferd Agro auf, die gigantischen Wesen herauszufordern ...

Manche Spiele beeindrucken mit einer opulenten Story, manche mit spritzigen Dialogen und andere wiederum leben von de Action. „Shadow of the Colossus“ hat wenig von all dem, gilt aber dennoch als eines der besten Spiele aller Zeiten. Ein Grund dafür sind natürlich die epischen Bosskämpfe. Doch dahinter steckt viel mehr als blindes Gemetzel – nicht nur, weil man ohne Taktik gnadenlos scheitern wird. Spätestens, wenn man auf einen der Kolosse trifft, die nicht angreifen, sondern nur fliehen, wird man nachdenklich. Ist es richtig, diese einzigartigen Wesen zu töten, nur um sich einen selbstsüchtigen Wunsch zu erfüllen? Ist man am Ende vielleicht eher selbst der Schurke des Spiels? Kaum ein Titel schafft es, die eigene Rolle und die Story so in Frage zu stellen.

Wo andere Spiele laut sind, ist „Shadow of the Colossus“ leise. An sich ist das Spiel ein Meisterwerk. Doch es ist nicht neu in dem Sinne – es ist schon mehr als zehn Jahre alt und wurde jetzt schon zum zweiten Mal neu aufpoliert und für die Playstation 4 veröffentlicht. Lohnt es sich wirklich, zum dritten Mal für eine bessere Grafik zurückzukehren?

Das verbotene Land und die Kolosse sind ein wunderschöner Anblick auf Sonys aktueller Konsole, keine Frage, auch die Kämpfe sind weiterhin großartig. Altbekannte Probleme sind aber ebenso wieder dabei: Die Kamera benimmt sich weiterhin wie ein störrischer Ziegenbock, der mehr gegen als mit dem Spieler arbeitet, und die Steuerung hat immer noch Mängel. Nichtsdestotrotz ist „Shadow of the Colossus“ im dritten Anlauf weiterhin so gut wie sein Ruf. Wer es bisher nicht gespielt hat, sollte spätestens jetzt die Reise in die Welt der Kolosse antreten. mad

„Shadow of the Colossus“, Bluepoint Games, ab 12 Jahren, exklusiv für die Playstation 4, ab 40 Euro.







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