Montag, 07.05.2018

Ein Symbol für Menschenwürde

Leserbrief
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Dr. Joachim Kreutzkam, Bad Harzburg, zum Artikel „Heftige Kritik an Söders Kruzifix-Offensive“ (GZ vom 26. April 2018/Eingang 2. Mai 2018)

Als ich den Artikel über Söders „Kruzifix-Offensive“ las, kamen mir beim Blick in die Geschichte zwei Fragen. Zunächst: Was haben der römische Kaiser Konstantin und der bayerische Ministerpräsident Söder gemeinsam? Antwort: Die Hoffnung, unter dem Zeichen des Kreuzes ihre politisch entscheidenden Schlachten zu gewinnen. Und: Was unterscheidet beide? Antwort: Die Resonanz bei ihren jeweiligen Kirchenverantwortlichen.

So berichtet der christliche Bischof Eusebius von Caesarea, Biograf von Kaiser Konstantin, wohlwollend von einer Kreuzes-Erscheinung Konstantins unmittelbar vor seiner Schlacht vor Rom im Jahr 312 gegen Maxentius, die ihm die Alleinherrschaft über Westrom brachte. Der Text in der Erscheinung ist bekannt: „In diesem Zeichen wirst du siegen!“ konnte man lesen. Nicht so wohlwollend klang es dagegen aus manchen einflussreichen Kirchenkreisen, als Markus Söder in seiner Regierungserklärung auf das Kreuz mit Blick auf Bayern als „grundlegendes Zeichen unserer kulturellen Identität“ hinwies.

Wer jedoch wie seine Kritiker solche – im kollektiven Gedächtnis von Gesellschaften abgespeicherten – religiösen Weisheiten und Zeichen doktrinär versteht oder exklusive Verkündigungsrechte für sich anmahnt, missversteht das sehr sensible Verhältnis von Religion und Staat.

Das Kreuz in unserer kulturellen Tradition ist – wie viele vergleichbare Zeichen in anderen religiösen Traditionen – ohne Einschränkung ein „Symbol für Menschenwürde, Nächstenliebe und Toleranz“ – gegenüber allen Menschen. Das sollte vor allem auch in der politischen Praxis gelten. Bayern lenkt nunmehr die Blicke mit Nachdruck auf sich.







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