Mittwoch, 04.09.2019

Ein Schatz, eine Ainu und ein Soldat

Leserbrief

Der Kriegsveteran Saichi Sugimoto braucht schnell viel Geld. Deswegen schürft er Gold auf Hokkaido, der nördlichsten der japanischen Hauptinseln. Viel Glück hat er dabei allerdings nicht. Außerdem hat der von Narben gezeichnete Sugimoto, der von seinen Kameraden den Spitznamen „Der Unsterbliche“ bekommen hat, Flash-Backs an seinen Einsatz im Russisch-Japanischen-Krieg.

Gerüchte über einen Schatz

Da erzählt ihm ein Betrunkener eine Geschichte, die er zunächst als Seemannsgarn abtut: Ein skrupelloser Mörder soll einige Ainu, die Ureinwohner Hokkaidos, umgebracht und ihnen einen großen Goldschatz abgenommen haben. Bevor er gefasst wurde, habe er das Gold versteckt. Zwar sei er zum Tode verurteilt worden, aber die Gefängnisleitung und das Militär hätten seine Hinrichtung verschoben, bis er ihnen das Versteck verraten habe. Um seinen Komplizen das Versteck mitzuteilen, habe er seine Mithäftlinge mit einem Code tätowiert und sie überredet, auszubrechen.

Als der Betrunkene plötzlich versucht ihn umzubringen, merkt Sugimoto das vielleicht doch etwas an der Geschichte dran ist. Wenig später findet er weitere Hinweise: Der Betrunkene hat seltsame Tattoos, und die junge Ainu-Jägerin Asirpa, die ihn im Wald vor einem Bären rettet, bestätigt die Geschichte von dem Goldschatz – einer der ermordeten Ainus war ihr Vater.

Hilfreiche Kampferfahrung

Gemeinsam machen sich Asirpa und Sugimoto auf die Suche nach weiteren Tätowierten, um den Goldschatz zu finden und Asirpas Vater zu rächen. Dabei sind Asirpas Fähigkeiten, sich in der Wildnis versorgen zu können, und Sugimotos Kampferfahrung sehr hilfreich. Denn sie sind nicht die Einzigen, die hinter dem Schatz her sind.

Der Stil des Mangaka Satoru Noda ist dynamisch und sehr detailreich, besonders was Asirpas Ausrüstung und die Bräuche der Ainu angeht. Dafür hält er sogar Rücksprache mit Wissenschaftlern und Ainu-Verbänden. Zum Beispiel lernen wir von Asirpa, wie man Eichhörnchen fängt, häutet und zu einer Mahlzeit namens „Chitatap“ (Ainu: „Was wir gemeinsam hacken“) verarbeitet. Hobby-Ethnologen und -Köche können beim Lesen des Mangas also noch etwas über die Ureinwohner Hokkaidos lernen. Für ganz Neugierige sind im Anhang auch ein kleines Wörterbuch und Literaturhinweise dabei – die Bücher sind allerdings alle auf Japanisch.

Einige Sequenzen, in denen sich Sugimoto an den Krieg erinnert, sind recht krass und deswegen wohl nicht jedermanns Sache. Auch bei der Suche nach den Tätowierten kommt es zu heftigen Szenen. Die Story wird davon aber nicht dominiert und bleibt spannend und unterhaltsam. Auch wenn der Grundton der abenteuerlichen Handlung ernst ist, finden sich lustige Abschnitte.

Preisgekrönter Manga

Der Manga wurde 2016 mit dem Manga-Taisho-Award und 2018 mit dem Hauptpreis des Osamu-Tezuka-Kulturpreises ausgezeichnet. Im selben Jahr ist auch eine Anime-Adaption herausgekommen. Das British Museum in London hat 2019 außerdem Artwork von „Golden Kamuy“ als Aushängeschild für eine Sonderausstellung zum Thema Manga genutzt.

Nicht nur deswegen ist es super, dass der Cross-Cult Verlag die derzeit vielleicht spannendste Schatzsucher-Abenteurer-Geschichte in Manga-Form auf den deutschen Markt holt. Die Story ist einfach fesselnd, gut gemacht und hat ein hohes Suchtpotenzial.

„Golden Kamuy“ Band 1 von Satoru Noda, 191 Seiten, ab 16 Jahren, Cross-Cult Verlag, 10 Euro, erscheint am 5. September.







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