Mittwoch, 11.04.2018

Ein Handwerk, das unter die Haut geht

Leserbrief

Goslar. Stars, wie Justin Bieber, Sophia Thomalla und Lionel Messi machen es vor und zeigen in der Öffentlichkeit ihre Tattoos. Aber auch in der Gesellschaft hat sich die Meinung zu Tattoos verändert. Sie gelten nicht mehr überall als Tabuthema und werden von vielen nicht mehr als unfein angesehen.

Wie sieht es aber in einer kleineren Stadt wie Goslar aus? Louis Groth vom „Psychotic Tattoo Studio“ spricht von seinen Erfahrungen als Tätowierter in der Kaiserstadt und gibt Tipps, was bei der Planung eines Tattoos zu beachten ist.

Blicke auf sich ziehen

Louis, der schon seit 18 Jahren als Tätowierer arbeitet, berichtet von einem Wandel. „Durch Fernsehen und Sport sind Tattoos zwar legitimer geworden. Aber sie werden hier noch immer nicht als etwas Normales angesehen“, sagt Louis. „Wenn ich im T-Shirt durch die Stadt gehe und meine tätowierten Oberarme zeige, dann zieht das auf jeden Fall Blicke an“, berichtet er von seinen Erfahrungen, die er auch versucht an seine Kunden weiterzutragen. In manchen Jobs, beispielsweise, seien Tattoos nicht gern gesehen.

Wenn er merkt, dass Jugendliche sich unüberlegt für ein Tattoo entscheiden, versucht der 48-Jährige sie abzubremsen. Louis erklärt, dass es in Deutschland ab 14 Jahren mit einer Einverständniserklärung der Eltern erlaubt ist, sich tätowieren zu lassen. „Zurzeit wollen aber gar nicht mehr so viele Jugendliche tätowiert werden, es ist nicht mehr so wie zu Zeiten des Arschgeweihs“, berichtet er.

Der 48-Jährige findet es zudem schwierig, wenn jemand ein Tattoo haben möchte, einfach nur, weil es im Trend liegt. „Trends kommen und gehen. Ein Tattoo hingegen bleibt ein Leben lang“, erzählt er. Louis spricht zwar die Möglichkeit der Tattoo-Entfernung durch einen Laser an, aber „das ist nicht Sinn und Zweck der Sache“, wie er sagt.

Schmerzen und Kosten

Da eine solche Entfernung auch mit vielen Schmerzen und Kosten verbunden ist, denken manche über ein temporäres Bio-Tattoo nach. Davon rät der Experte ab: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Bio-Tattoo komplett verschwunden ist“, sagt der Tätowierer. Das habe etwas damit zu tun, dass die Farbe bis in die zweite Hautschicht, die sogenannte Lederhaut, gestochen werde.

„Da ich als Tätowierer unter die Haut steche, trage ich für die Gesundheit meiner Kunden eine große Verantwortung“, sagt Louis. Er erzählt, dass aber nicht jeder Tätowierer so denkt und es schwarze Schafe gebe. „Im Internet kann sich jeder eine Tattoomaschine und Farben kaufen, um dann mit dem Tätowieren loszulegen. Das Internet bietet für Kunden aber auch die Möglichkeit, sich über Studios zu informieren“, erklärt er. Wenn die Künstler keine ihrer Werke im Netz hochladen und es keine Bewertungen von Kunden gibt, sollte man stutzig werden.

Bei der Suche nach einem Studio sei der persönliche Eindruck wichtig. Bei einem Gespräch mit dem Tätowierer könne man sich die Räume anschauen und einen Überblick verschaffen, wie es das Studio mit der Hygiene halte. Ein Indiz für ein gutes Studio sei auch die Wartezeit für einen Termin. „Es ist nicht ungewöhnlich, ein halbes bis dreiviertel Jahr zu warten“, erzählt Louis.

Eine Frage, die der Tätowierer immer wieder zu hören bekommt, lautet: „Wie schmerzhaft ist es?“. Darauf antwortet er: „Es sei nicht schön, aber auch nicht schlimm.“ Generell wäre es aber schwierig, den Schmerz zu beschreiben, da ihn auch jeder anders empfindet. Es käme zudem darauf an, welche Körperstelle tätowiert werde.







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