Montag, 07.09.2020

Ein Erlöser in der modernen Zeit

Leserbrief

Wie würde die Menschheit heutzutage reagieren, wenn Gott ihr einen Heiligen schicken würde? Dieses Gedankenexperiment hat Netflix in seiner Serie „Messiah“ verfilmt.

Die Geschichte beginnt in Syrien. Während einer Bedrohung durch den Islamischen Staat taucht in Damaskus ein Mann mit langem, schwarzen Haar in gelbem Hemd auf. Mitten auf der Straße predigt er einer großen Gruppe von Menschen, sie sollten sich nicht fürchten: Es widerfahre ihnen nichts anderes, als das, was Gott für sie vorgesehen hätte. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Parallel zu den Reden des Unbekannten lädt der IS auf einem Berg neben der Stadt seine Geschütze: Er setzt an, Damaskus zu zertrümmern.

„Die Rettung ist nah“, versichert unterdessen der unbekannte Mann. Wie aus dem Nichts zieht ein Unwetter auf. Gerade als die ersten Schüsse fallen, hüllt ein Sandsturm die gesamte Region in Staub ein. Das Ergebnis: Der einmonatige Sandsturm hat die Bodentruppen des IS buchstäblich begraben – die syrische Hauptstadt ist frei. Für diejenigen, die die Reden des geheimnisvollen Mannes hörten, ist es eindeutig: Der Mann hat ein Wunder geschehen lassen. Er ist der Prediger „al-Masih“, der Messias!

Gewagt aber gelungen

Von dort an nimmt die Geschichte seinen Lauf: Immer mehr Menschen folgen al-Maish, wie alle ihn nennen, der scheinbar immer wieder unerklärbare Dinge geschehen lässt. Als erste nimmt ihn CIA-Agentin Eva Geller unter die Lupe. Nachdem sie Wind von den Geschehnissen in Damaskus bekommt, stellt sie sofort Investigationen gegen den Unbekannten an. Doch schon bald ist sie nicht mehr die einzige, die sich für al-Maish interessiert: Er wird zum Gesprächsthema Nummer eins in den weltweiten Medien. Und wie geahnt, steckt natürlich auch die Politik ihre Nase mit ins Spiel und versucht, die Wunderfigur zu instrumentalisieren.

Mit „Messiah“ wagt Netflix ein kompliziertes Projekt. Dennoch gelingt es dem Streamingdienst, zig Zusammenhänge, sowohl geografische, kulturelle als auch religiöse, zu einem einheitlichen Strang zu vereinen. Wichtige Hintergrundinformationen, etwa über politische Konflikte, werden stückchenweise verabreicht, sodass „Messiah“ immer noch als eine Serie durchgeht, die man nach einem stressigen Tag gemütlich auf der Couch schauen kann, ohne das einem gleich der Kopf brummt.

Und Entwarnung für all diejenigen, die glauben, „Messiah“ sei bloß etwas für religiös Vernarrte: Zwar spielen Religion und Glaube eine zentrale Rolle, jedoch in einem stets angenehmen Maß.

„Messiah“ ist ab sofort auf Netflix zu sehen. Eine weitere Staffel wird es nicht geben, der Anbieter hat die Serie mittlerweile abgesetzt.









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