Montag, 22.07.2019

Ein Album ohne Genre-Grenzen

Leserbrief

Es gibt ein neues Album von Ed Sheeran (28). Auf dem einem klassischen Mixtape nahekommenden „No. 6 Collaborations Project“ lässt der erfolgreichste Popstar der Gegenwart jede Menge Kollegen, Freunde und Geschäftspartner mitsingen und rappen.

Einen stringenten Spannungsbogen sucht man dabei vergeblich, stattdessen trifft man auf ein Bündel unterhaltsamer Hits zusammengehalten von einem geschäftsversierten Superstar.

Star auf Erfolgskurs

Man kann diesen mit seinen 28Jahren noch jungen Mann nur beglückwünschen. Nicht nur, dass er 2018 bei 94 Konzerten 432 Millionen US-Dollar umsetzte – so viel wie niemand sonst. Nicht nur, dass er in Danny Boyles neuem Film „Yesterday“ souverän sich selbst spielt. Nicht nur, dass er mit seiner Jugendliebe Cherry Lancaster Seaborn seit Ende vergangenen Jahres (soweit bekannt) glücklich verheiratet ist. Nein, endgültig auf den Olymp der Popkultur hievt den rothaarigen, bebrillten Jungen aus Framlingham der vor Kurzem verkündete Deal mit der weltweit bekanntesten Ketchup-Firma, zu deren 150-jährigem Firmenjubiläum eine Sonderedition der gezuckerten Tomatenpampe angeboten wird. Die schmeckt freilich so lasch wie immer, heißt aber, ja wirklich: „Ed Chup“.

Album mit Clou

Doch auch im Kerngeschäft gibt sich der Brite keine Blöße und bringt zweieinhalb Jahre nach dem unfassbar erfolgreichen „Divide“-Album eine, wie er selbst es nennt, „Zusammenstellung“ heraus. „Genres haben für mich nicht die geringste Bedeutung“, sagt Sheeran. Was es mit dem Namen auf sich hat?

Bevor er mit seinem Song „The A-Team“ und dem Debütalbum „+“ so richtig berühmt wurde, nahm der Brite jährlich ein Mitmachalbum auf, zuletzt 2011 mit „No. 5“. „Ich wuchs mit Folk und Rock’n’Roll auf“, so Sheeran, „dann entdeckte und vergötterte ich Rap und Hip-Hop, anschließend verliebte ich mich in akustische Musik.“ Diese Spielarten finden sich auf „No. 6 Collaborations Project“.

Der Clou: Für jedes Stück dieses unter anderem von Max Martin, Skrillex und Fatboy Slim produzierten Zwischenalbums, holte sich Sheeran Unterstützung, vorwiegend gesanglicher Art. Ein roter Faden entsteht auf diese Weise natürlich nicht. Eher eine Ansammlung von potenziellen Hit-Duetten mit einer Gemeinsamkeit: Ed Sheeran. Das luftige Sommerlied „I Don’t Care“, längst ein Mega-Erfolg, aber auch ein bisschen belanglos, singt er zusammen mit Justin Bieber, für den er vor vier Jahren schon „Love Yourself“ schrieb. „Beautiful People“, eine Feelgood-Pop-Hymne, entstand mit dem amerikanischen Emo-Pop-Sänger Khalid. Auf „Cross Me“ wird es zusammen mit Chance The Rapper und PnB Rock ein bisschen rappiger und urbaner, bleibt aber immer noch gut verdaulich. „Best Part Of Me“ ist nicht nur ein Duett mit der noch relativ unbekannten Sängerin Yebba, sondern auch eine ganz schöne Schnulze.

Ed Sheeran wundert sich zu akustischem, sparsamem Arrangement darüber, warum zur Hölle seine Frau ihn liebt und kommt zum Schluss, dass seine Cherry zweifelsohne das Beste an ihm sei. „Perfect“ war Punk dagegen, wirklich. Der originellste der 15 Songs ist „Blow“. Hier singt Sheeran mit Bruno Mars sowie mit Country-Star Chris Stapleton eine Nummer, die sich mit etwas Fantasie dem Genre „Hard Rock“ zuordnen lässt. Irgendwo zwischen Lenny Kravitz und Led Zeppelin haben die Drei hörbar verdammt viel Spaß.

Features für alle Hörer

Auf „Remember The Name“ wiederum rappen die einstigen Erzfeinde Eminem und 50 Cent miteinander, auch Travis Scott, Cardi B oder Stormzy haben ihre Auftritte, dazu aufstrebende Popfrauen wie Camila Cabello und Ella Mai. „Ich war das ganze vergangene Jahr auf Tour und habe diese Platte Stückchen für Stückchen aufgenommen“, erklärt Ed die tröpfchenweise Entstehung des Projekts während seiner Tagesfreizeit. Aber warum tut er sich den Stress überhaupt an? Nun, Ed Sheeran strebt die totale Hörermassen-Maximierung an. Er will sie alle, wirklich alle.

„Mein Stammpublikum ist ein ganz anderes als das Publikum vieler meiner Albumgäste“, sagt er. „Ich hoffe, die anderen Künstler neuen Kreisen von Leuten zuzuführen. Und ich versuche, mich selbst einem neuen Publikum gegenüber zu öffnen, das mich bisher noch nicht so auf dem Schirm hat.“ Etwa den Rap-Fans. Anders ausgedrückt: Niemand soll ihm mehr entgehen, Ed Sheeran für alle. Aber vielleicht ist ja auch alles weniger durchkalkuliert, als man glaubt. Sheeran teilt mit, dass er lange nichts Schöneres und Spaßigeres mehr gemacht hat als dieses Album mit „lauter tollen Musikern, von denen ich selbst ein Riesenfan bin.“







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