Freitag, 27.09.2019

Digitalisierung kommt schneller als erwartet

Leserbrief

Bad Harzburg. Die Nutzung digitaler Arbeitsmethoden und Medien stellt an den Schulen eine gemeinsame Herausforderung für Lehrer und Schüler dar. Für beide Seiten sind die Programme, Geräte und Möglichkeiten neu.

„Man kann derzeit nicht erwarten, dass jeder Lehrer sofort in allen möglichen Programmen und Apps geschult ist“, berichtet Lehrer Christian Stutz. „In den letzten Jahren gab es relativ wenig Möglichkeiten für Weiterbildungsmaßnahmen im digitalen Bereich.“ Das ändere sich aber bereits, da seit dem Digitalpakt das Angebot größer würde.

Im Niedersächsischen Internats Gymnasium (NIG) Bad Harzburg gehören solche Weiterbildungen für die Lehrkräfte zum Digitalisierungs-Konzept. Neben neuen Geräten, Software und Kommunikationsnetzwerken muss auch das Wissen für die Nutzung der Infrastruktur geben sein. Derzeit hänge es noch häufig vom eigenen Interesse der jeweiligen Lehrkraft ab.

Klärungsbedarf

„Die meisten Lehrer bei uns sind eigentlich gut informiert“, sagt Schülerin Nicole Einbrodt. Doch hin und wieder gäbe es auch Situationen, die besonderen Klärungsbedarf mit sich brächten. Zum Beispiel hätten sie und ihre Mitschüler Noah Beckmann und Sören Fischer für eine gemeinsame Hausarbeit „Google Docs“ genutzt. Bei diesem Programm können Dokumente zeitgleich von verschiedenen Leuten an unterschiedlichen Orten bearbeitet werden.

Die Schüler hätten es genutzt, da sie in unterschiedlichen Ortschaften wohnen. Für die Lehrkraft war zunächst nicht ersichtlich, wer welchen Anteil beigetragen habe. „Die Kollegin hat sich dann über ’Google Docs‘, das sie noch nicht kannte, informiert, um das Ergebnis der Hausarbeit nachvollziehen zu können“, sagt Stutz, der sich mit der Kollegin beraten hat.

Seit einem Antrag der Schüler dürfe das Programm in der Schule für Projektarbeiten genutzt werden.

„Wir würden uns für die Schule ein Extra-Fach wie Informatik wünschen, wissen aber, dass es aufgrund von Lehrermangel zurzeit nicht realisierbar ist. Leider wird das nicht vom Digitalpakt abgedeckt“, sagt Nicole. Ihr Mitschüler Noah sieht noch weitere Hindernisse: „Bei einigen Schülern habe ich den Eindruck, dass sie das Smartboard oder Laptops nicht nutzen möchten.“ Oft fehle neben der Erfahrung auch ein eigenes Gerät. Viele Schüler hätten so gar nicht die Möglichkeit, digitale Arbeitsmittel einzusetzen, oder den Umgang damit zu erlernen.

Schüler mehr vorbereiten

Bei diesen Überlegungen sind sie nicht allein. „Ich wundere mich stark, dass es immer noch keinen verbindlichen Informatik-Unterricht in Niedersachsen gibt“, meint Stutz, der während seiner Schulzeit in den 1990ern in Berlin von einem entsprechenden Unterricht profitiert hat. Schließlich sei die Digitalisierung besonders in der Wirtschaft bereits sehr ausgeprägt. Viele Betriebe würden Wissen in diesem Bereich voraussetzen.








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