Freitag, 20.07.2018

Die deutsche Hütte brennt

Angesichts sinkender Gewinnmargen beauftragte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Gesellschaft für Konsumforschung mit einer Studie zum Leseverhalten der Deutschen.

Die Ergebnisse der Untersuchung mit dem martialischen Titel „Buchkäufer – Quo Vadis?“ sind unlängst veröffentlicht worden. Und wer bei „Quo Vadis“ an brennende Hütten und verwirrte Führungskräfte denkt, liegt leider nicht ganz falsch.

Die Zahl der Deutschen, die in den vergangenen vier Jahren auf die Lektüre von Büchern verzichtet haben, ist nämlich mit nahezu 6,5 Millionen erschreckend hoch. Die Studie, die alle gesellschaftlichen Schichten und Bildungsmilieus erfasst, konstatiert, dass lediglich das Leseverhalten der Alten (über 50) und der Jungen (bis 19) konstant bleibt und in den übrigen Altersgruppen dramatisch schwindet (zwischen 17 bis 37 Prozent).

Zu den persönlichen Gründen für die Lese-Abstinenz befragt, gaben die Teilnehmer der Studie einhellige Antworten: Schuld seien die Schnelllebigkeit des Alltags und der ständige Druck, auf sozial-digitale Erwartungen zu reagieren. Der Deutsche greift im Schnitt 50-mal am Tag zum Handy – kein Wunder, dass die Zeit fürs Bücherlesen knapp wird. Ohnehin haftet der Beschäftigung mit Literatur etwas Eigenbrötlerisches an. „Binge Watching“ bei Streaming-Diensten wie Netflix oder Amazon ist hip; die Dauerberieselung eine Notwendigkeit für alle, die mitreden wollen.

Dass die Situation für die Buchbranche brenzlig wird, dämmert mittlerweile auch den Verantwortlichen. „Die fetten Jahre sind vorbei“, konstatiert Verleger Christoph Links ernüchtert und Börsenverein-Geschäftsführer Alexander Skipis glaubt: „Wir sind noch nicht nah genug am Kunden.“ Die Annäherung soll in Zukunft mit Hilfe digitaler Tools oder erlebnisorientierter Buchhandlungen samt Yogalehrer, Beachclub und Rooftop-Party gelingen.

Wie war das doch gleich noch bei „Quo Vadis“? Da suchte Nero vom „Rooftop“ seines Palasts aus nach Inspiration und blickte nur noch auf verbrannte Erde.