Dienstag, 30.10.2018

Die Vergangenheit nicht totschweigen

Leserbrief

Goslar. „Wusstet ihr, dass sich einer der schlimmsten Tage in der Geschichte in gut einer Woche bereits zum 80. Mal jährt?“ Mit diesen Worten eröffnete der Regisseur Dirk Szuszies die Filmvorführung von „Wir sind Juden aus Breslau“ im Goslarer Theater. Schüler schauten sich die 108-minütige Dokumentation an und kamen im Anschluss daran mit dem Regisseur ins Gespräch.

Szuszies bezog sich mit seiner anfänglichen Anspielung auf die Reichspogromnacht, die sich am9. November jährt. Für seine Dokumentation zog er mit seiner Partnerin Karin Kaper mit der Kamera los und befragte Juden auf der ganzen Welt, die den Holocaust überlebt haben. 14 Menschen erzählten von ihrer Kindheit in Breslau und wie die Judenverfolgungen im Dritten Reich ihr Leben für immer veränderten. Einige von ihnen blickten in Konzentrationslagern bereits dem Tod ins Auge und konnten nur durch glückliche Zufälle überleben. In der Dokumentation nahmen sogar einige der Zeitzeugen den Weg in die frühere Heimat auf und reisten ins heutige Wroclaw, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegneten.

Emotionale Brücke in die Vergangenheit

Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

Die Schülergruppe im Goslarer Theater zeigte sich besonders interessiert an der Entstehungsgeschichte der Dokumentation. Sie wollten zudem wissen, warum die Filmemacher 14 Zeitzeugen zu Wort kommen ließen. „Es war uns wichtig, möglichst viele unterschiedliche Meinungen ab zudecken. Wenn wir alle zwölf Beteiligten (zwei sind bereits verstorben) hier auf die Bühne einladen, dann würde ein herrliches Streitgespräch entstehen“, sagt der Regisseur.

Schuldfrage

Eine Frage, die das Publikum auch beschäftigte, war die der Schuld. Wie sollen wir uns heute fühlen, wenn wir sehen, was die Deutschen damals mit den Juden angerichtet haben? Dirk Szuszies spricht nicht von Schuld, sondern von einer Verantwortung, die wir haben. „Es ist wichtig, die Vergangenheit nicht totzuschweigen oder unter den Teppich zu kehren“, sagt der 62-Jährige. Wir seien zurzeit aber auf einem guten Weg: Vor einigen Jahrzehnten war es noch nicht möglich, so offen über den Holocaust zu sprechen.

Der Film wird am Sonntag, 4. November, erneut im Goslarer Theater gezeigt. Die Vorführung, die um 17.15 Uhr beginnt, richtet sich an alle Interessierten, nicht nur an Jugendliche.








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