Freitag, 26.06.2020

Die Suche nach dem passenden Studium

Leserbrief

Die große Karriere machen, sich im späteren Beruf lieber mehr Zeit für Familie und Freunde nehmen, oder versuchen, die Welt ein kleines Stückchen zu verbessern – möglicherweise als Kinder- oder Tierarzt?

Oder ist es andererseits doch keine schlechte Idee, ein Leben als Künstler zu wagen? In den Köpfen junger Abiturienten spielt sich nach der letzten Zeugnisvergabe so manches Chaos ab. Studiengänge gibt es mittlerweile wie Sand am Meer – den richtigen für sich zu wählen, fällt umso schwerer.

Viele Kriterien

Bei der Qual der Wahl ist für die meisten jungen Menschen ein Aspekt besonders ausschlaggebend: Spaß und Leidenschaft für das Studium und den späteren Beruf. Das bestätigen Ergebnisse einer Befragung, die an der Leibniz Universität Hannover Ende 2018 durchgeführt wurde. Der Großteil der rund 1500 Befragten geht damit genau den richtigen Weg, wie Katrin Balthaus, Leitung der Studienberatung der TU Clausthal, findet. Sie empfiehlt: „Studieninteressierte sollten einen Studiengang wählen, für den sie brennen, wo sie ihr Herzblut hinein stecken können.“

Auch die Sicherheit des Job ist dem Großteil der befragten Studenten wichtig. Weiter hinten liegen die Kriterien „hohe Einkommenschancen“ und „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Das Ansehen des angestrebten Berufs bildet das Schlusslicht der Reihe – es sei nur wenigen Studenten wichtig.

Was Dr. Irina Gewinner und Mara Esser in ihrer Studie außerdem festhalten konnten: Die Studenten hörten auf ihre Intuition und schrieben sich meist nur dann für einen Studiengang ein, wenn sie sich auch im angestrebten Beruf sehen konnten. Problematisch sei nur, dass viele von ihnen vor Beginn des Studiums eine ganz andere Vorstellung von den jeweiligen Lerninhalten und dem späteren Berufsalltag gehabt hätten als danach. Daher gilt: Studieninteressierte sollten sich eingängig darüber informieren, welche Inhalte sie im Studium erwarten. „Es ist nicht immer sicher, ob der gewählte Studiengang auch der richtige für einen ist. Das merkt man innerhalb der ersten zwei Semester am besten“, erklärt Balthaus, „es ist wichtig, dass man sich lange vorher mit der Thematik auseinandersetzt. Am besten ein ganzes Jahr vor Studienwahl und Beginn. Als Studieninteressierter sollte man sich vor allem fragen: Was möchte ich werden und wie kann ich dieses Ziel erreichen?“

Eine gründliche Durchforstung der Internetseite des Studiengangs klärt in der Regel erste offene Fragen. Trotzdem sei es vorteilhafter, sich direkt von der jeweiligen Studienberatung oder bei Infoveranstaltungen von Studenten und Dozenten beraten zu lassen, unterstreicht Balthaus.

Der Studienstandort

Während sich viele Abiturienten aus kleineren Städten nach einem aufregenden Studentenleben in der Großstadt sehnen, fühlt sich der andere Teil in der Kleinstadt wohler. Neben persönlichen Vorlieben dürfen die praktischen Dinge allerdings nicht unter den Tisch fallen. Zum Beispiel: die Lebenshaltungskosten. „Die sind in Clausthal natürlich geringer als in Großstädten, was viele Studenten bei uns schätzen“, erzählt Balthaus. „Außerdem ist ihnen wichtig, nicht in überfüllten Hörsaal sitzen zu müssen und dass ein Praktikumsplatz für das Studium sichergestellt ist.“ Darüber hinaus hat jede Hochschule und Universität ihre eigenen regionalen Vorzüge. „Vielen Studenten an der TU Clausthal ist zunehmend wichtig, den Naturcampus zu erleben und in ihrer Freizeit die Wandermöglichkeiten der Region zu nutzen“, verrät Balthaus. Den Campus vor der Bewerbung selbst zu besuchen sei bedeutsamer, als viele Leute annehmen würden. „Dabei können angehende Studenten ein Gefühl für den Hochschulort entwickeln und einschätzen, ob sie sich dort wohlfühlen können“, betont die Beraterin.

Ihr Rat an alle Ratlosen: „Ein Studium, das Spaß bereitet, ist meist das geeigneteste Studium. Anstatt den Eltern gefallen zu wollen, oder nur darauf zu achten, später viel Geld zu verdienen, sollten Studieninteressierte nach ihrem Bauchgefühl gehen.“

 STUDIENWAHLTESTS

Online-Tests zur Studien- und Berufsorientierung gewinnen zunehmend an Beliebtheit bei jungen Menschen. Vielen Ratlosen können sie erste Perspektiven aufzeigen – eine endgültige Entscheidung zur Studienwahl sollte aber erst durch weitere Recherche und Beratung fallen. Die Junge Szene stellt eine Übersicht für euch bereit.

Die Universität Trier hat einen Test zusammengestellt, durch den ihr herausfinden könnt, ob ein Studium überhaupt zu euch passt. Ihr findet ihn unter www.uni-trier.de/index.php?id=59870.

Uniturm bietet einen Test, der in ungefähr einer Viertelstunde abgelegt werden kann. Ihr findet ihn unter www.uniturm.de/studienwahl/studienwahltest-studiumsfinder.

Der Hochschulkompass ist ein sehr bekanntes Online-Portal der Hochschulrektorenkonferenz. Einen „Studien-Interessentest“ der Seite findet hier unter www.hochschulkompass.de/studium-interessentest.html. Um den Test zu absolvieren, müsst ihr euch allerdings registrieren.

Die Hochschule Für Angewandte Wissenschaften München bietet einen sehr umfangreichen Test an, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Ihr findet ihn unter https://www.studiengangstest.de/test/index.php/survey/index.









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