Freitag, 14.08.2020

"Die Schrift des Windes": Auf der Jagd nach brisanten Dokumenten

Leserbrief

Etwas unglaubliches ist geschehen: Aus einem Tempel wurden dort versteckte geheime Texte gestohlen. Für den Schwertmeister Yagyu Jubei, dessen Familie vom Gründer des Tokugawa-Shogunats damit beauftragt wurde, diese Texte zu hüten, beginnt die fieberhafte Jagd nach dem unbekannten Dieb. Denn die alten Texte sind von höchster Brisanz und dazu in der Lage den Shogun, also den de facto Herrscher Japans, zu stürzen.

Aufruf zu Rebellion

Jubei kann schnell den Drahtzieher des Diebstahls ausmachen. Nur der ehemalige Kaiser Go-minoo, der die Herrschaft über das Land gewinnen will, kann einen Nutzen aus den Schriften ziehen. Wie Jubei herausfindet, ist dieser auch schon fleißig dabei mittels Briefen verschiedene Fürsten aufzuhetzen. Außerdem schickt er Jubei den Ninja Yashamaro und seine Leute auf den, Hals um ihn aus dem Weg zu räumen. Wie sich herausstellt , sind sich die beiden Kämpfer ebenbürtig und begegnen einander ganz im Geist des Bushido, was der spannenden Jagd nach den gestohlenen Dokumenten einen zusätzlichen Dreh gibt. Denn den Beiden geht es nun nicht mehr nur darum, ihre jeweiligen Aufträge auszuführen, sondern mittels Technik und Entschlossenheit die Oberhand über den Kontrahenten zu gewinnen.

„Die Schrift des Windes – Yagyu Jubei“ von Jiro Taniguchi und Kan Furuyama mag jüngere Leser mit seinem Zeichenstil überraschen. Publiziert wurde der One-Shot in Japan nämlich bereits 1992. Das heißt die Figuren, die Gestaltung und die Erzählweise atmen eindeutig 1980er -Luft, was der spannenden Geschichte allerdings nicht im Wege steht. Geschickt sind in der Historien-Graphic-Novel tatsächliche Figuren, Begebenheiten und Bücher der japanischen Geschichte der letzten 400 Jahre in die Fiktion eingewoben und erzeugen so einen dichten Hintergrund für die Handlung. Allerdings kann man hier als europäischer Leser nur mit Hilfe der Fußnoten an der Oberfläche kratzen, was aber auch reizvoll ist und zu weiterführender Lektüre einlädt.

Ausgefeilte Schwertkampftechnik

„Die Schrift des Windes“ kann durchaus mit klassischen Samurai-Filmen mithalten, was Erzähltempo und kunstvolle und intensive Kampfszenen angeht. Insbesondere Freunde ausgefeilter Schwertkampftechnik kommen hier auf ihre Kosten. Denn die beiden Autoren Taniguchi und Furuyama legen nicht nur Wert auf einen gut durchdachten Plot und knappe aber treffende Dialoge, sondern lassen den Leser auch an Jubeis Überlegungen und Analysen zu den Kampftechniken seiner Gegner Teilhaben – einer Eigenheit, die zum Ende der Geschichte noch für eine Überraschung sorgt.


„Die Schrift des Windes – Yagyu Jubei“ von Jiro Taniguchi und Kan Furuyama, Carlsen, 248 Seiten, ab 14 Jahren, 16 Euro.

Jubei und Yashamaro sind sich ebenbürtige Kämpfer – nur vollendete Kampftechnik und Entschlossenheit können einem von beiden zu Sieg verhelfen. Abbildungen: Carlsen









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