Montag, 17.08.2020

Die 14-Jährige Lilly Kleinkauf hat rund 160.000 summende Haustiere

Leserbrief

Goslar. Viele Jugendliche halten mit ihrer Familie einen treuen Vierbeiner, einen Hamster oder irgendein anderes gewöhnliches Haustier. Lilly Kleinkauf ist da etwas exotischer: Zusammen mit ihrem Vater kümmert sie sich um die eigenen Honigbienen – zur Zeit sind es rund 160.000 Insekten, ungefähr 40.000Stück pro Volk. Die Junge Szene begleitet Lilly zu ihrem Lieblingspart des außergewöhnlichen Hobbys: Der Gewinnung und Verkostung des eigenen Honigs.

In die Rähmchen ist eine vorgefertigte Wachsplatte eingesetzt, auf die die Bienen ihre Waben bauen. So kann der Imker den Honig leicht aus dem Stock entfernen. Eine bis zum Rand gefüllte Wabe kann bis zu zweieinhalb Kilogramm schwer sein. Fotos: Dämgen
„Normalerweise schleudert man immer zwei mal im Jahr, im Frühling und im Sommer“, erklärt Lilly. Das hänge unter anderem davon ab, wie viel Honig die Bienen bisher produziert haben und, ob das Volk stark genug ist, um den Verlust wieder auszugleichen, wenn der Honig bei der Ernte entnommen wird.

Verkostung ist der beste Part

Sind alle notwendigen Bedingungen erfüllt, kann es losgehen: Die Waben mit dem gespeicherten Honig holt Lillys Vater im Schutzanzug aus dem Stock. „Wenn die Waben verdeckelt sind, also von den Bienen mit einer Wachsschicht überzogen wurden, dann ist das ein gutes Zeichen dafür, dass der Honig erntereif ist“, sagt Lilly. Warum eine Wachsschicht? Die 14-Jährige erklärt: „Die Bienen wollen ihren Honig eigentlich behalten. Ein Bienenvolk legt ihn als Vorrat an, um ihn einzulagern, wenn es mehr hat, als es gerade eigentlich braucht.“

Zunächst entfernt Lilly die Wachsschichten mit einer sogenannten Entdeckelungsgabel und setzt anschließend die ersten vier Waben in die Schleudertrommel. In dieser werden die Waben von beiden Seiten jeweils für mehrere Minuten gedreht, sodass der Honig durch die entstandene Fliehkraft in einen Behälter abfließt.

Ist der Honig aus den Waben geschleudert, kann er sofort verkostet werden.

Nun folgt der angenehmste Part: die Verkostung. „Das eigene Glas in der Hand zu halten, ist etwas Besonderes“, beschreibt Lilly, stellt aber sofort klar, dass nicht nur die leckere Ernte für ihr Hobby spricht: „Es geht auch um den Erhalt der Bienen, die zur Artenvielfalt beitragen. Die Tiere sind unheimlich interessant. Bei ihnen geht es nie um das einzelne Tier sondern um das ganze Volk. Es ist faszinierend zu sehen, wie sie zusammen im Staat wirken. Allein das ist ein Grund, sich Bienen anzuschaffen.“

Keine Angst vor Stichen

Bevor der Honig endgültig in den Gläsern landet, wird er in großen Behältern bis zu zehn Tage lang gerührt. Das verhindert, dass er durch natürliche Kristallisation aushärtet. Eine klebrige Angelegenheit, die zu Hause den gesamten Keller auf den Kopf stellt. „Man hat viel zu tun“, sagt Lilly, „aber es ist nur ein Bruchstück von dem, was die Bienen leisten.“

Berührungsängste gegenüber Bienen und anderen Insekten kennt Lilly nicht. Schon in der Grundschule war sie Teil der Imker-AG, wenig später verwirklichte ihr Vater seine private Imkerei. „Ich wollte immer Haustiere haben, bin aber gegen viele allergisch. Jetzt habe ich quasi 40.000 Bienen pro Volk“, scherzt sie. Haus- beziehungsweise Nutztier hin oder her: Eine Verbindung zu den Tieren aufgebaut hat sie allemal. Anstatt bei Bienenstichen über den Schmerz zu klagen, bedauert Lilly es, ein Insekt verloren zu haben. „Da ist die Sensibilisierung eines Imkers natürlich hoch.“

Dass sich viele Gleichaltrige ihrem Hobby anschließen wollen, bezweifelt Lilly. Trotzdem empfiehlt sie, mal an einer Führung oder einem Imker-Workshop teilzunehmen. So würde man den Honig als Produkt und die Arbeit der Bienen stärker wertschätzen. Ihr außergewöhnliches Hobby will sich Lilly beibehalten. Wer weiß, vielleicht folgt bald ja schon der Imker-Schein.









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