Donnerstag, 28.05.2020

Der schmale Grat zwischen Himmel und Hölle

Leserbrief
Kommentieren

Himmel oder Hölle, Drinnen oder Draußen, Sicherheit oder Gefahr, Abschottung oder Freiheit – die zwei Seiten im postapokalyptischen Japan, zwei voneinander getrennte Welten, die keinen Kontakt zueinander haben, aber jetzt aufeinander treffen könnten. Was ist draußen, hinter den hohen Mauern ihrer Welt, vor was sollen sie sie beschützen? 

Seit Tokio, ein Junge im Himmel, eine merkwürdige Nachricht erhalten hat, die sonst keiner sehen konnte, fragt er sich das. Doch was ist der Himmel eigentlich, wo ist dieser sichere Hafen, zu dem der Junge Maru hingebracht werden soll – vor diesem Rätsel steht Hiroku.

Reise mit Bodyguard

Hiroku hat den Job als Bodyguard angenommen, und beschützt Maru vor Gefahren auf ihrer ungewissen Reise. Und in der Welt draußen gibt es einiges, vor dem Hiroku Maru beschützen muss: Nicht nur andere Überlebende, die auf der Suche nach Opfern sind, sondern vor allem die Menschenfresser, die besonders in der Nacht auf sie lauern.

Eine Prise Science-Fiction, ein großer Löffel Action, garniert mit einem Hauch von Mysterium und einer ordentlichen Portion Weltuntergangsstimmung – fertig ist der erste Band von „Heavenly Delusion“ von Masakazu Ishiguro. Himmel oder Hölle, wo lebt es sich besser? Was ist passiert, dass es zu dieser Unterteilung kommen konnte? Und warum gibt es in beiden Orten Menschen, die anscheinend völlig gleich sind? Das gilt es nicht nur für Hiroku und Maru herauszufinden, die sich durch das zerstörte Japan schlagen müssen. Gefahren lauern hinter jeder Ecke, das normale Leben hat längst ein Ende gefunden.

Vermeintliches Paradies

Die Welt im (vermeintlichen) Paradies ist dagegen geordnet, mit einer funktionierenden Gesellschaft. Dafür wirkt sie aber auch steril, hell erleuchtet, hat kaum Kontraste, die sich herausbilden. Und ist im Vergleich zur Hölle draußen fast schon ein bisschen langweilig. Kein Wunder, dass Tokio so schnell auf die Nachricht anspringt, die ihm einen Blick in die Außenwelt verspricht. Denn auch als Leser verfolgt man lieber die actiongeladenen Abenteuer von Hiroku und Maru, die um ihr Überleben kämpfen.

Ein paar starke Nerven braucht man schon als Leser, denn „Heavenly Delusion“ zeigt auch die schlimmen Seiten der Post-Apokalypse, den schweren Kampf, dem sich Hiroku und Maru stellen müssen. Selbst der Himmel macht nicht den Eindruck, als ob hinter den Kulissen nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Der Anfang dort mag ein bisschen zäh sein, umso rasanter geht es aber weiter, sobald die Story etwas Fahrt aufnimmt.

Die 222 Seiten des Mangas kann man gut und gerne in einem Rutsch lesen, und darf sich dann über den gemeinen Cliffhanger ärgern, mit dem das Buch endet. Aber keine Sorge, Nachschub ist unterwegs – Band zwei soll schon im Mai erscheinen.

„Heavenly Delusion – Das Verlorene Paradies“ – Band 1 von Masakazu Ishiguro, Manga Cult, 222 Seiten, 10 Euro.









Weitere Topthemen aus der Region:
  • Langelsheim
    Käufer stehen Schlange fürs Stadtfeld III
    Mehr
  • Region
    Gute Verbindungen ins Mittelgebirge
    Mehr
  • Region
    Umwelthilfe Goslar zieht mit einem Buch Bilanz
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Boxer Jan Camp erfüllt sich einen Kindheitstraum
    Mehr
  • Region
    CDU-Jubelfeier: Amt prüft möglichen Corona-Verstoß bei Wahlparty
    Mehr