Montag, 22.06.2020

Der eigene Vater ist so böse wie der Teufel

Leserbrief

Wenn nachts um drei Uhr Hardrock aus der Anlage im Wohnzimmer dröhnt, weiß Leighton genau: Es ist wieder soweit. Ihr Vater tobt, zerschlägt Geschirr, zertrümmert Möbel. Oft kriegt auch ihre Mutter etwas ab. Die laute Musik soll das alles übertönen. Damit die Nachbarn nichts mitkriegen. Aber die sehen und hören sowieso weg. Und Leightons Mutter verlässt den Tyrann einfach nicht. Ein Blumenstrauß zur Entschuldigung am nächsten Morgen und schon ist alles wieder gut. Jedoch nicht für Leighton. Die 17-Jährige wäre am liebsten schon längst abgehauen. Wären da nicht ihre beiden jüngeren Schwestern, die sie um jeden Preis beschützen muss.

Aber nach ihrem letzten Schuljahr möchte Leighton auf die Uni gehen. Kann sie sich Liam anvertrauen, der gern mehr für sie sein will als bloß irgendein Schulfreund?

„Für die Überlebenden häuslicher Gewalt und die, die es noch durchstehen. Vielleicht fühlt es sich an wie das Ende der Geschichte, doch es ist nur der Anfang und der Rest gehört euch allein“, schreibt Autorin Kyrie McCauley zu Beginn ihres Romans. Tatsächlich berichtet sie mit beinah schon unheimlicher Intensität davon, wie es ist, wenn das eigene Zuhause nichts als Angst und Schrecken verheißt. Wie ein falsch gefaltetes Handtuch zur Eskalation führen kann. Unberechenbar. Wer traut sich, zu helfen?

Aber McCauley lässt Leighton auch wachsen im Laufe der Erzählung. Stärker werden, mutiger. Die kleine magische Fußnote, die der Story beigemischt ist, irritiert manchmal unnötig. Doch insgesamt ein sehr dichtes, eindringliches Buch, das nachhallt ...

„You are (not) safe here“ von Kyrie McCauley, 400 Seiten, ab 14 Jahre, dtv Junior, 14,95 Euro (TB).








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