Freitag, 04.01.2019

Der Ritterstern – eine blühende Winterliebe

Wer zu Weihnachten eine „Amaryllis“ bekommen hat, freut sich wahrscheinlich schon jetzt an den prächtigen, großen Blüten der Zwiebelpflanze, die Luxus und Exklusivität ausstrahlen. Die „Amaryllis“ ist aber eigentlich ein Ritterstern.

Denn das Wort Amaryllis bezeichnet eine Pflanzen-Gattung, zu der heute nur noch zwei Arten gehören, nämlich die Belladonnalilie (Amaryllis belladonna) aus der südafrikanischen Provinz Westkap und die Amaryllis paradisicola Snijman: Sie gedeiht im Richtersveld (gelegen im äußersten Nordwesten Südafrikas). Die bei uns im Garten- und Blumenhandel erhältlichen Zwiebeln gehören zwar wie die Amaryllis auch zur Familie der Amaryllisgewächse, stammen aber ursprünglich aus Südamerika und gehören der Gattung der Rittersterne an.

Die großen und oftmals auch nicht gerade preiswerten Zwiebeln sind in den letzten Jahren immer mehr zu einem Wegwerfprodukt geworden, obwohl ihre Kultur recht einfach ist. Besonders die derzeit sehr angesagten, mit Kunststoff oder Wachs überzogenen Zwiebeln sollte man erst gar nicht kaufen. Zwar muss eine solche Pflanze nicht gegossen werden, aber sie verausgabt sich in dem Material völlig und geht nach der Blüte ein.

Wer Müll vermeiden will, greift also besser zur bewährten Topfpflanze. Die muss zwar gegossen werden, kann aber übersommern und im nächsten Winter wieder blühen. Wie man das am besten erreicht, dazu geben die Experten der Bayerischen Gartenakademie Tipps: Stellen Sie die angetriebenen Zwiebeln an einen hellen Platz im warmen Zimmer. Hat der Ritterstern einen Blütenstiel geschoben, geben Sie den Pflanzen regelmäßig Wasser. Große Zwiebeln können durchaus zwei kräftige Stiele mit je drei bis vier Blüten bilden. Wenn sich die Blumen gut entwickelt haben, können Sie die Pflanzen etwas kühler stellen. Bei etwa 17 Grad Celsius halten die Blüten länger.

Entfernen Sie die welken Blüten vorsichtig, bevor sie abfallen, denn durch die intensive Farbe können Flecken auf dem Fensterbrett, an der Wand und Gardine entstehen. Schneiden Sie den Blütenschaft nach der Blüte ab. Sie erhalten so die Kraft der Zwiebel und verhindern die Samenbildung. Zwischenzeitlich haben sich die riemenartigen grünen Blätter entwickelt. Diese sind die Kraftwerke für die Assimilation und somit wichtig für die Förderung neuer Blütenanlagen.

Haben sich die Blätter gut entwickelt, benötigt die Pflanze mehr Wasser und regelmäßig Dünger. An einem luftigen und besonnten Fenster fühlt sie sich wohl. Von Mai bis September können die Rittersterne auch im Freien stehen; am liebsten an einem halbschattigen Platz. Jede Woche werden sie leicht gedüngt. Gießen Sie den Ritterstern ab etwa September erst sehr wenig und dann nicht mehr. Die Blätter vergilben nun und können, wenn sie braun und dürr sind, abgeschnitten werden. In der folgenden Ruhephase bei etwa 15 bis 17 Grad Celsius bilden sich in der Zwiebel die üppigen Blütenknospen.

Allerdings gibt es auch gute Erfahrungen, wenn die Zwiebelpflanze während des gesamten Jahres immer etwas Wasser bekommt, die Blätter grün bleiben und nicht verdorren.

Im Zeitraum von November bis Februar werden die großen Zwiebeln in Töpfe mit etwa 14 Zentimeter Durchmesser gepflanzt. Die Größe des Topfes richtet sich nach der Zwiebelgröße, wobei um die Zwiebel herum etwa ein bis zwei Zentimeter Platz sein sollte. Am besten verwendet man eine gut durchlässige Blumenerde, eventuell gemischt mit Bimskies, Lavasteinchen oder ähnlichem Material, auch Kübelpflanzenerde ist geeignet. Achten Sie beim Eintopfen darauf, dass die Zwiebel nicht zu tief gepflanzt wird. Ein Drittel oder die Hälfte sollte aus der Erde ragen. Alternativ kann auch nur die obere Erdschicht erneuert werden. Nur kurz angießen und dann darauf achten, dass lediglich so viel Erdfeuchtigkeit erhalten bleibt, dass die Wurzeln nicht austrocknen. Erst wenn sich in der Mitte der Zwiebel ein neuer Blütentrieb gebildet hat, gießen Sie wieder regelmäßig.

Übrigens: Der Ritterstern ist in allen Teilen stark giftig. Wer also kleine Kinder hat, sollte überlegen, ob er die Pflanze halten will. Ritterstern enthält verschiedene Alkaloide, Hauptwirkstoff ist das Lycorin. Vergiftungssymptome sind Übelkeit und Erbrechen, starker Schweißausbruch, erhöhter Speichelfluss, Benommenheit und Durchfall. Es kann auch zur Schädigung der Nieren sowie zu Lähmungen kommen, auch wenn nur ein kleines Stück gegessen wurde. Bei empfindlichen Menschen kann es auch zu Hautreizungen durch den Kontakt mit der Pflanze kommen. Der Ritterstern ist auch giftig für Hunde und Katzen, Kaninchen, Hasen, Hamster, Meerschweinchen sowie für Vögel. Der Vergiftungsverlauf ist ähnlich wie beim Menschen, zusätzlich kann es Herzrhythmusstörungen geben.