Freitag, 28.09.2018

Der Künstler und seine eigene Weltsicht

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Tillmans im Interview: „Macht über Menschen wird über Tabus ausgeübt“
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Goslar. Einen giftgrünen Hoodie und eine Jogginghose trägt der Fotograf Wolfgang Tillmans, als er im Mönchehaus Museum vor rund 150 Schülern steht. Mangelnde Lässigkeit kann man dem diesjährigen Kaiserring-Preisträger nicht vorwerfen – weder inhaltlich noch optisch. 

Doch die Frage von Maria bringt ihn kurz ins Stottern. „Haben Sie schon einmal bewusstseinserweiternde Mittel zur Inspiration genommen?“, will sie wissen.

Bei einer Diskussionsrunde stellte sich Tillmans am Freitag eine Stunde lang den Fragen von Schülern der BBS Baßgeige, des Ratsgymnasiums und des Christian-von-Dohm-Gymnasiums. „Mit Veranstaltungen wie dieser kommt der Kaiserring nicht nur in der Kunstszene, sondern auch in der ganzen Stadt an“, meint Ralph Beims, Schulpfarrer am Ratsgymnasium, der die Veranstaltung moderierte.

Nein zu Drogen

„Ihr seid ja alt genug. Ja, habe ich“, antwortet Tillmans auf Marias Frage zu den Drogen. Sofort stellt der Künstler aber klar, er wolle Drogen nicht loben und kritisiert, dass die „Volksdroge Alkohol“ komplett legal ist. Absurd sei im Gegenzug das Verbot von Cannabis. Außerdem zitiert Tillmans die Cannabis-Aussage des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Der sagte: „Ich habe es nicht inhaliert.“

Bekannte Politiker in Bezug zu den eigenen Vergehen zu setzen, scheint Tillmans Mittel zu sein, um zwischen den Zeilen zu sagen, dass wir doch alle schon einmal etwas Unmoralisches getan hätten. Als Svenja (18) fragt, ob er bereits etwas Illegales oder Gefährliches für ein Bild unternommen hätte, erinnert er zunächst an die britische Politikerin Theresa May. Die sagte in einem Interview, ein Sprint durchs Kornfeld sei ihr wildester Kinderstreich gewesen. „Manchmal fotografiere ich bei Passkontrollen, das wollen die Länder nicht“, sagt Tillmans. Grenzen, besonders menschengemachte, interessierten ihn.

Bilder als "Tagebuch der Öffentlichkeit"

Für persönliche Grenzen des Künstlers interessiert sich wiederum Sheila. Die 16-Jährige will wissen, wie der Kaiserring-Preisträger Privates und Berufliches unter einen Hut bringt. Einen Feierabend kenne er nicht, antwortet Tillmans. Er weist darauf hin, dass seine Bilder manchmal als eine Art „Tagebuch in der Öffentlichkeit“ fehlinterpretiert würden. „Ich versuche, etwas Spezielles in etwas Universelles zu übersetzen“, erklärt er. Persönliche Tipps für aufstrebende Künstler erbittet Niklas (21) vom Kaiserring-Preisträger. Der rät, nichts nachzuahmen. Wo sehe ich mich nicht repräsentiert? Wo kann ich etwas beitragen? Das seien die wichtigen Fragen. „Uns ausdrücken wollen wir alle. Das ‚Wie‘ ist interessant“.

„Der Künstler hat seine eigene Weltsicht – wie ich. Ich möchte auch etwas kreieren, womit ich mich ausdrücken und selbstständig machen kann“, sagt Niklas nach der Fragerunde. Ganz zufrieden sei er mit Tillmans Tipps nicht gewesen, weil er sie zu allgemein fand. „Aber das lag wohl an meiner Erwartungshaltung“, meint er und lacht.

Svenja dagegen ist vollkommen zufrieden: „Ich fand seine Ausführungen sehr ausführlich und ansprechend.“ Tillmans Antworten bezeichnet sie als direkt und ehrlich.








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