Freitag, 25.01.2019

Den Sprung ins kalte Wasser wagen

Leserbrief

Bad Harzburg. Bei der Berufswahl geht doch nichts über persönliche Gespräche. Zukünftige Schulabgänger können zwar viel im Internet und Büchern über ihren vermeintlichen Traumjob lesen, doch Insider-Tipps bekommen sie meist nur von Menschen, die selbst in der Branche arbeiten.

Um einen Rahmen für solche Gespräche zu schaffen, startete das Niedersächsische Internatsgymnasium (NIG) ein Experiment. Der kommissarische Schulleiter Markus Weber lud ehemalige Abiturienten der Bad Harzburger Schule ein, damit sie von ihrem Start ins Berufsleben und von ihren Erfahrungen berichten. Einige der Gäste haben bereits in den 1990er-Jahren ihr Abitur bestanden, während andere erst vor eineinhalb Jahren das NIG verlassen haben. So können die Ehemaligen aus verschiedenen Perspektiven erzählen.

Langes Hin und Her

In den Vorträgen wird schnell klar, dass Schulabgänger nach dem Abschluss oft nicht genau wissen, wo die Reise für sie beruflich hin geht. So ging es auch Malena Kregel, die es nach ihrem Abi 2012 erst einmal als Au-Pair in die USA verschlagen hat. Nach langem Hin und Her hat sich die heute 25-Jährige für ein Gartenbau-Studium in Erfurt entschieden, und dann ging auf einmal alles ganz schnell: Malena hat in Bad Harzburg ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen gekauft. „Manchmal muss man einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen“, rät sie Schülern, die vorhaben, sich selbstständig zu machen.

Ihr Beispiel zeigt den angehenden Abiturienten, wie sehr das „Leben durch Zufälle geprägt ist“. Man müsse sich also keine Sorgen für die Berufswahl machen, sagt Malena. Die Elftklässlerinnen Lenja Hasse und Anne Plate löchern die Inhaberin mit ihren Fragen. Die beiden Schülerinnen wissen nämlich selbst auch noch nicht genau, was ihre berufliche Zukunft bringen soll. Die 17-jährige Anne ist von einem Auslandsjahr nicht abgeneigt. Lenja hat ein Stipendium von der Braunschweiger Stiftung „Ökumenisches Lernen“ erhalten, mit dem sie auch nach dem Abi einige Projekte absolviert. Die 16-Jährige findet es krass, dass fast jeder Redner irgendwie in seinen Beruf hineingerutscht ist und jetzt am Ende zufrieden ist.

Geplanter sah die Studienwahl hingegen bei Richard Schöbel, Abiturient von 2017, aus. Er studiert zurzeit in Chemnitz angewandte Informatik, weil er sich einfach dafür interessiert und sich schon selbst das Programmieren beigebracht hat. Damit will der 19-Jährige die angehenden Abiturienten aber nicht abschrecken, denn nach seinen Erfahrungen sind Vorkenntnisse in dem Studiengang nicht notwendig. In seinem Vortrag hat er einen weiteren Tipp zum Thema Regelstudienzeit: „Die gilt nur als grobe Orientierung. Bei mir sind sechs Semester für den Bachelor angesetzt. Das schafft fast keiner.“ Deswegen solle man sich davon nicht stressen lassen.

Fehlende Perspektive

Dem kommissarischen Schulleiter Markus Weber war bei der Auswahl der Gäste eine möglichst große Bandbreite wichtig. Wenn Schülern eine Perspektive fehlt, könnten sie leichter einen „Durchhänger“ bekommen, weil sie nicht wissen, wofür es sich lohnt, sich anzustrengen. Im Musikraum des NIG sind auf jeden Fall viele Gespräche entstanden, die bestimmt bei dem einen oder anderen den Horizont erweitert haben. Also: Experiment geglückt.







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