Freitag, 09.11.2018

Den Sprung ins Arbeitsleben wagen

Leserbrief

Vienenburg. Was bringt einem ein Schulabschluss, wenn man keinen Job hat? Viel wichtiger ist es jedoch, irgendwann den Absprung ins Arbeitsleben zu schaffen. Das ist die Botschaft, die Lehrer Reiko Linzer, an der Schule am Harly für die Berufsorientierung zuständig, seinen Schülern mit auf den Weg gibt. Die Vienenburger Förderschule veranstaltete zum fünften Mal eine Arbeits- und Berufsmesse, die sich an Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ richtet.

Jeder Schüler steht einmal vor der Frage: Wie geht es nach der Schule weiter? Dies gilt auch für Jugendliche mit einem Förderbedarf, die zusätzlich vor weiteren Herausforderungen stehen. Darum ist es den Verantwortlichen an der Harly-Schule wichtig, frühzeitig mit der Berufsorientierung zu beginnen. Vier Praktika sollen die Jugendlichen während ihrer Schulzeit absolvieren, erklärt Linzer. Bei der Berufsmesse ist es dem Fachkonferenzleiter ebenfalls wichtig, dass nicht nur die „Vorstandsetage“ der Unternehmen vertreten ist. Besonders schön sei es, wenn ehemalige Schüler den Weg zurück nach Vienenburg finden.

Isabel Keller, die bis 2016 die Harly-Schule besuchte, erzählt über die Lebenshilfe im Harzkreis-Quedlinburg. Vor etwa vier Jahren hat die heute 21-Jährige dort mit einem Praktikum begonnen. Am kommenden Donnerstag wird sie aus dem Berufsbildungsbereich, der zwei Jahre ging, in den Arbeitsbereich wechseln.

Gefällt ihr die Arbeit in der dortigen Kaffeerösterei? „Ja klar, macht mir das Spaß“, antwortet Isabel wie aus der Pistole geschossen. Ihre Augen beginnen zu leuchten. „Im Service gefällt es mir gut. Ich mag es, nett zu den Gästen zu sein“, erzählt sie. Mit ihren Arbeitskollegen komme sie gut aus; alle wären sehr nett. „Bis auf einen“, ergänzt Isabel schmunzelnd. „Der macht die Tassen immer so voll“, sagt sie und verdreht leicht die Augen.

Mehrere Praktika

Dass Isabel Keller mit Leib und Seele bei ihrer Arbeit dabei ist, haben auch Sabine Reckziegel und Andreas Gutsche, die beim sozialen Dienst der Quedlinburger Lebenshilfe arbeiten, sofort gesehen. Wir kennen Isabel schon seit ihrem ersten Praktikum bei uns“, sagt die Mitarbeiterin.

Obwohl es Isabel in Quedlinburg sehr gut gefällt, nutzt sie die Berufsmesse in Vienenburg, um nach weiteren Möglichkeiten für ihre Zukunft Ausschau zu halten. In ihren Händen hält sie Informationsmaterial vom Christlichen Jugenddorfwerks im Salzgitteraner Standort. „Da könnte ich in einer Werkstatt mit Holz arbeiten oder im Garten. Das finde ich auch sehr spannend“, sagt die 21-Jährige.

So weit wie Isabel in ihrer Berufsfindungsphase ist der 18-jährige Tim Niehus nicht. Konkrete Pläne habe der Schüler für seine Zukunft noch nicht geschmiedet. Er könne sich vorstellen, in verschiedenen Gebieten zu arbeiten. „Vielleicht etwas mit Elektrik. Das macht mir Spaß“, sagt Tim.

Erfahrungen sammeln

Der gastronomische Bereich wäre ebenfalls etwas für ihn, schließlich sammelt er bereits Erfahrungen im Kiosk-Team, eine Schüler-Firma in Vienenburg. Die Jugendlichen vertreiben für kleine Geldbeträge Süßigkeiten, Getränke, aber auch selbst Zubereitetes. „Ich verkaufe gern und kann gut mit Geld umgehen“, erzählt Tim und schaut seine Lehrerin Anja Günther an, die bestätigend nickt. Gemeinsam mit zwei anderen Lehrkräften unterstützt sie die Schülerfirma.

Günther ergänzt, dass Tim ebenfalls gern in der Küche arbeitet, und bezieht sich auf die Pizzen, die sie für die Berufsmesse gebacken haben. „Von meiner Oma habe ich das Backen gelernt“, erzählt er. Deswegen könne sich Tim vorstellen, später einmal im Mehrwerk in Braunschweig zu arbeiten. Dort gibt es eine Werkstatt sowie einen Gastronomie- und Servicebereich.







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