Freitag, 13.03.2020

Den Blick nach vorne richten

Vorgestern klingelte ein Handwerker bei einer Kollegin aus der Redaktion zu Hause an der Tür und streckte freundlich seine Hand entgegen. Als die Kollegin den Gruß nur distanziert und ohne Händeschütteln erwiderte, meinte der Handwerker sinngemäß: „Wieso? Ich komme in so viele Haushalte, ich gebe jedem die Hand.“

Freundlichkeit und Zuwendung untereinander ist gerade in schwierigen Zeiten ein wichtiges Gebot. Doch aufs Händeschütteln sollten wir nun wirklich alle bis auf Weiteres freundlichst verzichten. Selbst wenn manche Unentwegten im Gespräch auf der Straße noch immer meinen, der „Corona-Hype“ sei doch nun wirklich völlig übertrieben. Hoffentlich waschen sie sich wenigstens häufiger als sonst die Hände.

Es geht nicht um „Hype“, sondern darum, mit gebotener Vorsicht und Verantwortung die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen oder zumindest zu verlangsamen, um mit den Auswirkungen besser fertig zu werden. Was passiert denn nun beispielsweise in den Familien, deren Kinder von Montag an nicht mehr in den Kindergarten oder in die Schule können, während Mütter und Väter zur Arbeit gehen? Es können ja nicht alle aufs Home-Office zurückgreifen oder sich in die vorgezogenen Osterferien verabschieden. Vielleicht lässt sich eine private Betreuung für die Sprösslinge organisieren, doch beißt sich dabei die Katze in den Schwanz: Eine Schließung von Schulen und Kitas soll ja gerade verhindern, dass sich die Menschen auf engerem Raum zu nahe kommen und so möglicherweise das Coronavirus übertragen. Ähnliche Gedanken schießen inzwischen wohl auch den Unentwegten durch den Kopf, die sich bis zuletzt noch auf die Reise nach Südtirol machten und dabei infizierten, obwohl doch die Vernunft sie von der Reise hätte abhalten können.

Derweil tagten in vielen Unternehmen zuletzt Krisenstäbe, um gemeinsam zu durchdenken, was in den nächsten Wochen oder vielleicht Monaten auf sie zukommen könnte. Hygienemaßnahmen, Notfallpläne, Personaleinsatz, IT-Sicherheit, Auftragsbücher, Kundenkontakte – die Listen sind verdammt lang, um auch ein Was-wäre-Wenn so gut wie möglich zu erfassen.

Dazu gehört natürlich auch der Verlag der Goslarschen Zeitung, denn hier müssen vom frühen Morgen bis spät in die Nacht alle Rädchen wie ein Uhrwerk ineinandergreifen, um die vielfältigen Angebote zu produzieren – ob online oder die gedruckte Zeitung. Dafür braucht es viele Mitspieler, und wir sind sehr optimistisch, dass wir dies auch in Corona-Zeiten gut bewältigen. Wenngleich die Mitspieler in den Hallen und auf den Sportplätzen sich beispielsweise erst mal auf einen sehr langen Pausentee verabschiedet haben. Das ist richtig und konsequent – bleibt allerdings für die journalistische Berichterstattung nicht ohne Wirkung: Niemand im Verlag kann sich daran erinnern, seit Jahrzehnten jemals eine Montagausgabe ohne lokale Sportnachrichten herausgebracht zu haben. So erleben Leserinnen und Leser übermorgen eine Premiere, die einfach nicht zu ändern ist. Bis auf Weiteres gibt es gleichermaßen Einschnitte in lokaler Politik, Kultur, bei Konzerten oder im sonst so vielfältigen Vereinsleben.

Aber wir bleiben mit Herzblut und aller Kraft am Ball, um die Menschen im Landkreis Goslar schnell und ausführlich über alles Wichtige in der Region zu informieren. Dazu gehören auch Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, die uns dieser Tage begegnen – wie etwa bei einer Familie in Bad Harzburg, die ältere Bewohner unterstützen möchte: „Liebe Nachbarn, wenn Ihr irgendwas braucht, wir kaufen für Euch ein. Wenn wir nicht da sind, ruft einfach an“, schrieben sie auf ein großes Blatt im Hausflur – Telefonnummer und drei Herzchen gleich dazu.

Gedanken ganz abseits der großen Nachrichtenlage möchten wir Ihnen von heute an ebenso in unserem „Corona-Tagebuch“ vermitteln. In der Hoffnung, dass wir dieses Kapitel gemeinsam alsbald wieder schließen können.

Wie stehen Sie zu dem Thema?Schreiben Sie mir:joerg.kleine(at)goslarsche-zeitung.de