Sonntag, 27.12.2020

Corona bringt viel Zeit für den eigenen Garten

Das Gartenjahr ist diesmal ziemlich durchwachsen. Und das bleibt es auch recht lange. Nach einem schönen April habe ich im Mai und Juni Sorge, weil meine Tomaten nicht gut weiterwachsen, nachdem ich die kräftigen Pflanzen in ihre Kübel entlang der Hauswand gesetzt habe. Aber es soll nicht so bleiben ...

Das Jahr im Garten beginnt wie immer mit trostlosen Farben. Im Januar herrschen auch in meinem Garten eher braun als grün aus – geschweige denn bunt. Aber ich nutze gerne das Angebot von Gärtnereien, die jetzt schon vorgezogene Frühblüher haben. Tagsüber stehen sie vor der Haustür. Dort ist es sonnig und geschützt. Abends müssen sie allerdings ins Haus, weil es den Gewächshauspflanzen draußen zu kalt wäre. Vom Hochbeet ernte ich Grün- und Schwarzkohl, Pastinaken, Asia-Salate und Rucola.

Der Winter ist auch im Februar eigentlich kein richtiger Winter. Trotzdem lasse ich meine Kübelpflanzen lieber nicht alle draußen stehen. Nur die mit hartem und dickem Laub, also etwa der Oleander, die Olive, der Lorbeer, die Zitruspflanzen, die Kamelie und die beiden Rosmarin-Kübel vertragen auch mal eine Nacht mit geringen Minusgraden. Trotzdem packe ich deren Töpfe in Noppenfolie, und jede Pflanze bekommt einen Platz unter dem Terrassendach und vielleicht noch eine Vlieshaube.

Ende März beginnt endlich die Gartensaison, wenn auch erst einmal nur auf der Fensterbank: Tomaten und Paprika sind echte Mimosen, was Kälte betrifft, deshalb säe ich sie im Haus aus. Dieses Jahr habe ich erstmals aus Platzgründen alle ziemlich dicht in nur eine Aussaatschale gelegt. Das hat zwar mehr Arbeit gemacht, weil ich die Pflänzchen im Lauf der nächsten Wochen mehrfach pikieren und umtopfen musste, aber dafür nahmen sie anfangs wenig Platz weg. Und das Ergebnis des mehrfachen Umtopfens war wirklich beeindruckend. Die Pflanzen waren im Mai zum Auspflanztermin richtig groß und kräftig.

Im April herrscht der erste Lockdown wegen der Corona-Pandemie schon seit mehreren Wochen. Hamsterkäufe machen Schlagzeilen, der Trend zur Selbstversorgung aus dem Garten oder vom Balkon verstärkt sich zusehends. Aufgrund von Leserfragen erkläre ich deshalb, wie man auf dem Rasen ein Gemüsebeet anlegen kann, ohne vorher die Fläche umzugraben. Zur Erinnerung: Die unkomplizierteste Methode ist, eine Fläche auszumessen und eine 20 Zentimeter hohe Beetumrandung aus großen Steinen, Brettern oder Flechtzäunen zu bauen. Innerhalb der Umrandung werden möglichst unbedruckte und von Klebeband befreite Pappen ausgelegt, die sich mindestens zehn Zentimeter überlappen. Die Pappe wird mit Wasser aus der Gießkanne angefeuchtet, dann kommt eine zehn bis 15 Zentimeter dicke Schicht Kompost- oder Gartenerde drauf. Und schon kann direkt gesät oder gepflanzt werden.

Weil ich meinen Tomatenpflanzen in diesem Jahr eine so aufwendige Pflege habe angedeihen lassen, habe ich im Mai viel zu viele Jungpflanzen übrig. Davon haben dann einige Leser etwas, denn die überschüssigen fast 100 Exemplare verlose ich. Die Beteiligung war überwältigend, und dass mir so mancher Gewinner und manche Gewinnerin das Jahr über Fotos von den Pflanzen geschickt haben, hat mich sehr gefreut. Auch am Hochbeet läuft es dieses Jahr etwas anders. Sonst habe ich das ganze Beet im Mai mit Gemüsesaaten belegt. Diesmal bin ich abschnitts- und wochenweise vorgegangen. Zuerst habe ich bereits Mitte April Radieschen, Mangold, Zuckererbsen, Salate, Möhren und Pastinaken gesät. Erst im Mai folgten Rote Bete, Kartoffeln, und nach den Eisheiligen die Buschbohnen. Im Gewächshaus wachsen bereits jetzt in kleinen Saattöpfen die Wintergemüse. Auch das hat sich gelohnt, denn so habe ich auch im Winter noch Frisches vom Hochbeet.

Anders als sonst war dieses Jahr auch für Fans des Tages der offenen Gartenpforte, der musste ausfallen.

Im Juni dreht sich bei mir alles um meine Kräuter. Vormittags, nach einigen sonnig-trockenen Tagen, ist der beste Erntezeitpunkt. Der Morgentau ist verdunstet, und die ätherischen Öle verdampfen noch nicht in der Mittagshitze. Die meisten wachsen auf einem extra Hochbeet, aber einige stehen auch gut in Töpfen. Vor allem für Rosmarin und Weinraute ist ein Topf eher geeignet, denn so kann ich sie wieder ins Gewächshaus räumen, wenn im Frühjahr oder im Herbst kalte Nächte drohen. Außerdem kann ich den Kräutern im Topf genau die Erde geben, die sie „mögen“. Basilikum braucht reichhaltige Erde, Rosmarin möchte lockere, magere Erde, möglichst mit etwas Kalk.

Die frischen Kräuter werden in der Küche verwendet, aber auch nach der Ernte zum großen Teil für Tee und Gewürzmischungen getrocknet. Das geht in diesem Sommer prima, denn es ist ein richtiger Kräutersommer: sonnig und trocken.

Der zweite Teil des Gartenrückblicks folgt demnächst.