Dienstag, 28.04.2020

Comic-Rezension: Düstere Fantasy-Story in prächtigem Zeichenstil

Leserbrief

Ihre Mutter ist tot, ihre beste Freundin scheint verschwunden und zu allem Überfluss fehlt der jungen Kämpferin Maika Halbwolf auch noch ein Arm. Mitten im Krieg zwischen magischen Kreaturen und einem Orden von Zauberinnen, wird sie auch noch psychisch mit einem Monster von unglaublicher Macht verbunden. Dass das für Maika Probleme bedeutet, ist eine Untertreibung. Immer wieder bricht der Dämon aus ihrem Inneren hervor. Ihn zu kontrollieren und damit den Drang zu unterdrücken, andere Lebewesen einfach zu fressen, muss Maika erst lernen.

Da hilft es wenig, dass sie auf ihrer Suche nach Antworten zu Fragen nach ihrer Vergangenheit von einem kleinen Fuchs begleitet wird, der ihren Schutz braucht. Denn gemeinsam geraten sie zwischen alle Fronten in dem erbitterten Krieg, der in Maikas Psyche sowieso schon seine Spuren hinterlassen hat.

Story mit Schwächen

„The Monstress - Das Erwachen“ ist der erste Band einer Comic-Reihe der japanischen Zeichnerin Sana Takeda, deren Story aus der Feder der Autorin Marjorie Liu stammt. Düster, blutig und actionreich kommt die Geschichte daher und spielt in einer detailreichen Fantasy-Welt. Neben den Kampfszenen steht vor allem das Seelenleben der Protagonistin im Vordergrund. Ihr ständiger Kampf gegen den Dämon, der jederzeit droht, die Kontrolle über sie zu übernehmen, treibt Maika an und erschwert ihre ohnehin schon heikle Lage inmitten des Krieges noch weiter. Dabei möchte Maika Halbwolf eigentlich nur eines: kein Monster sein.


Dass die Handlung sich vor allem um die Gefühlswelt und die Erlebnisse der einarmigen Kriegerin drehen, ist eine ihrer Stärken. So schafft Autorin Liu mit dem Motiv „Kampf gegen den inneren Dämon“ einen nachvollziehbaren und starken Konflikt, der aber nur zum Teil über andere Schwächen hinwegtrösten kann. Denn trotz ihres inneren Zwiespalts bleibt Maika, ebenso wie andere Charaktere, für Leser schwer greifbar und ein bisschen eindimensional. Dasselbe gilt für die Welt, in der sich alles abspielt. Zwar spürt man, dass die Autorin sich Mühe gegeben hat, ein komplexes Setting mit dichtem Hintergrund aufzubauen, genau in diese umfangreiche Welt wird man als Leser jedoch zu Beginn des Comic geradezu hineingeworfen. Das erschwert den Einstieg und macht es auch später schwer, der Handlung zu folgen.So ziemlich wett macht diese Mängel allerdings der Zeichenstil und die ganze Aufmachung der Comic-Reihe. Sie pendelt sich irgendwo zwischen Manga und Jugendstil-Steampunk ein und fesselt Leser alleine schon dank der Bilder. So manche prächtig illustrierte Seite hilft da schon mal über eine Plot-Schwäche hinweg. So kann „Monstress“ streckenweise mehr als Artbook, denn als Comic punkten. Wer es schafft, einen Zugang zum ersten Band zu finden, der kann mit den Folgebänden durchaus Spaß an diesem Fantasy-Abenteuer haben. Insgesamt sind bei Cross-Cult mit „Das Erwachen“, „Das Blut“, „Die Zuflucht“ und „Die Auserwählte“ inzwischen vier Bände erschienen.

„Monstress – Das Erwachen“, Sana Takeda und Marjorie Liu, Cross Cult,192 Seiten, 15 Euro.









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