Montag, 12.10.2020

Christian-von-Dohm-Gymnasiasten diskutieren mit Viola von Cramon-Taubadel

Leserbrief

Goslar. Schritt für Schritt wagt das Christian-von-Dohm-Gymnasium in Goslar mehr Normalität im eingeschränkten Regelbetrieb. Bei konsequenter Lüftung des großen Hörsaals und viel Abstand zum Lehrerpult durften die Schüler des elften Jahrgangs am Freitagvormittag die Abgeordnete Viola von Cramon-Taubadel aus dem Europäischen Parlament kennenlernen.

Um die Stimmung zu lockern, stieg die Grünen-Politikerin nach kurzen einleitenden Worten direkt in die Fragerunde ein. Anfangs zögerten die Schüler, dann war das Eis schließlich gebrochen. Von lokaler Klimapolitik über die Datenabhängigkeit Europas von den USA bis hin zu den kriegerischen Konflikten in Bergkarabach beschäftigte die Schülerschaft eine gemischte Palette politischer Themen, zu denen von Cramon-Taubadel detailliertes Fachwissen lieferte.

Einen Schwerpunkt setzte die Europa-Parlamentarierin beim Thema Klimaschutz. Zum einen beklagte sie, dass Gelder für wissenschaftliche Forschungen zu klimafreundlichen Technologien im Zuge der Corona-Haushalts-Politik „extrem beschnitten“ worden seien, zum anderen stellte von Cramon-Taubadel die Errichtung eines Skigebiets am Wurmberg infrage. Bereits jetzt erreiche man in der Region kaum die Durchschnittstemperatur, um künstlichen Schnee erzeugen zu können. „Ist es sinnvoll, den Tourismus zu fördern, wenn das weder finanziell noch ökologisch nachhaltig ist? Meiner Meinung nach nicht“, positionierte sich die Europa-Parlamentarierin, die aus der Nähe von Göttingen kommt. „Die Winter, wie man sie früher kannte, haben sich verändert.“

Kritik an Politikern

Kaum war das Thema Klimawandel angerissen, ließ das Stichwort „Fridays for Future“ nicht lange auf sich warten. Warum die Politik erst ab den „Fridays for Future“-Demonstrationen begonnen habe, den Klimawandel stärker zu berücksichtigen, obwohl es zu diesem Zeitpunkt längst überfällig gewesen sei, fragte ein Schüler.

Mit dem Klimawandel habe man sich natürlich schon früher beschäftigt, die Schülerdemos seien aber eine Art „Initialzündung“ gewesen, beteuerte von Cramon-Taubadel. „Menschen, die sich für den Klimaschutz interessieren, sind in unserer Partei immer willkommen. Aber die richtige Antwort wäre ein Zusammenspiel von Fridays for Future und allen Parteien, um aus allen Richtungen Druck auszuüben“, ergänzte die Grünen-Politikerin im gleichen Zug.

Außer für das Klima interessierten sich die Schüler auch für andere politische Aktualitäten und äußerten sich unter anderem besorgt über die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl, China als strategischen Rivalen Europas sowie die Gefechte in der Region Bergkarabach.

Viele Fragen, wenig Zeit: Am Ende des einstündigen Gesprächs blieben von Cramon-Taubadel nur noch einige Minuten, um vom Alltag einer Europa-Abgeordneten zu berichten. Ein Detail, bei dem die Klimaschützer unter den Schülern die Ohren besonders gespitzt haben dürften: Um zu Sitzungen, Parteiveranstaltungen und sonstigen Terminen zu gelangen, nehme die Politikerin häufig die Bahn. Auch, wenn das einerseits ungünstigen Flugverbindungen von Hannover nach Brüssel geschuldet sei, spiele ihre umweltpolitische Überzeugung dabei ebenfalls eine Rolle.









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