Freitag, 10.01.2020

Buschfeuer trübt Dschungelcamp-Hype

Leserbrief

Zwölf mehr oder weniger Promis, die zwei Wochen lang mit gefährlichen Tieren in der Wildnis leben, ekelige Dschungelprüfungen meistern und sich dabei gegenseitig so sehr auf die Nerven gehen, bis die Fetzen fliegen: Für „Ich bin ein Star“-Fans hat gestern Abend wohl die schönste Zeit des Jahres begonnen. In diesem Jahr ist die Vorfreude allerdings durch heftige Buschbrände in Australien mehr als getrübt.

Eigentlich ist das Dschungelcamp schon grundsätzlich ein absolutes „Guilty Pleasure“, also ein Laster, das uns aufgrund seiner Trashigkeit ein schlechtes Gewissen macht. Doch dafür ist dieses Jahr nicht allein die Niveaulosigkeit schuld, denn das Land Australien hat in Anbetracht der verheerenden Buschbrände momentan mit Schlimmerem zu kämpfen als mit zwölf Pseudo-Promis, die im Wald eine Freiluft-WG gründen.

Kandidat äußert Kritik

Das sieht auch einer der Teilnehmer so: Raúl Richter, der sich im deutschen Promi-Dschungel einen Namen als Schauspieler gemacht hat, übt auf Instagram scharfe Kritik an dem Format. Er bezeichnet es als paradox, dass die Kandidaten für eine Unterhaltungsshow in ein Land fliegen würden, in dem gerade Menschen um ihr Leben kämpfen und viele Tiere diesen Kampf bereits verloren hätten. Die heftigen Buschfeuer haben bisher Dutzende Menschen und etwa eine halbe Milliarde Tiere getötet. Mittlerweile ist eine Fläche zerstört, die größer als Bayern und Baden-Württemberg zusammen ist.

Seine Follower werfen Richter aber eine Doppelmoral vor: Schließlich ist er ja auch nach Australien geflogen und erhält für seine Dschungelcamp-Teilnahme einen nicht geringen Geldbetrag. Der ehemalige GZSZ-Star weist daraufhin auf die Verträge hin, die alle Dschungelcamp-Teilnehmer einhalten müssten.

Kritik via Instagram

Aber auch die offizielle Instagram-Seite des TV-Formats muss viel Kritik einstecken. So wird beispielsweise Pietät- und Respektlosigkeit vorgeworfen, trotz der Brände an der Sendung festzuhalten. Auch die Politik hat sich mittlerweile eingeschaltet: So hält es der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach für mehr als angemessen, das Dschungelcamp dieses Jahr abzublasen. „Das Ganze erinnert an den Tanz auf dem Vulkan“, sagt er.

Der Stand der Buschbrände in Australien am Freitagvormittag: Das Dschungelcamp liegt im Gebiet mit erhöhter Brandgefahr. Die Verantwortlichen des Senders halten aber an dem TV-Format fest. Sie sehen keine Gefahr für die Kandidaten. Foto: dpa
Die heftige Kritik lässt den Sender scheinbar völlig unbeeindruckt. Er zieht das Format wie geplant durch. Im Gespräch mit der Hamburger Morgenpost teilt RTL mit: „Viele Kollegen, die hier für die Show arbeiten, kommen aus allen Teilen Australiens. Und für die, die von den Feuern direkt betroffen sind, ist es umso wichtiger, dass ihnen nicht auch noch ihre Jobs wegbrechen.“

RTL beteuert mehrfach, dass das Feuer mehrere Hundert Kilometer von dem Camp entfernt sei. Es sei daher nahezu ausgeschlossen, dass die Brände das Gebiet des Dschungelcamps erreichen. Außerdem seien die Evakuierungspläne überarbeitet worden. Zwei Alarmsysteme würden alle Personen im Camp mit Sirenen über einen Notfall benachrichtigen. Die Verantwortlichen hätten die Kandidaten informiert, wie sie sich zu verhalten hätten, um einen Brand zu verhindern. Erstmalig wird es im Camp kein Lagerfeuer geben. Wie der Sender schon vor mehr als einer Woche mitgeteilt hat, werden die Kandidaten nur auf einem gasbetriebenen Feuer kochen.

Boykott der Fans

Wie soll man nun mit dem Dschungelcamp umgehen? In den sozialen Netzwerken wird zum einen der Boykott gefordert, Fans sollen die nächsten zwei Wochen das Abendprogramm von RTL meiden. Wiederum andere verlangen, dass der Sender die große Reichweite des Formats nutzt, um auf die Buschbrände aufmerksam zumachen und weitere Informationen dazu liefert.

Es gibt auch einen Kompromissvorschlag: Zahlreiche User fordern, dass RTL die Einnahmen des Telefon-Votings und die Kandidaten einen Teil ihrer Gage spenden sollen. Raúl Richter hat auf Instagram bereits bestätigt, dass er einen auf jeden Fall einen Betrag spenden will.









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