Dienstag, 19.03.2019

Blutwurst und Craft-Bier

Bei einem Berlin-Besuch ist die Markthalle Neun in Kreuzberg für einen kulinarisch interessierten Menschen immer einen Abstecher Wert und leider schon lange kein Geheimtipp mehr.

Nicht nur zu den regulären Markttagen und dem legendären Streetfood-Markt gibt es dort immer was zu entdecken. Die Betreiber bieten auch regelmäßig thematische Veranstaltungen rund um gutes Essen und gute Getränke an. So geriet ich als bekennender Weintrinker eines Sonntags mehr zufällig in eine Veranstaltung „Wurst und Bier“ hinein – und war am Ende begeistert von dem Gebotenen.

Großer Andrang

Ich war leider nicht der Einzige, der sich von Wust und Bier anlocken ließ. Die Leute strömten in Scharen. Und irgendwie erinnerte mich das Prozedere auch ein wenig an ein Weinfest. Denn man kaufte sich ein Glas und zog – nichtvon Winzer zu Winzer – sondern von Brauer zu Brauer. Insgesamt25 kleine und kleinste Bierproduzenten aus Deutschland, Schweden, England, Ungarn und Litauen präsentierten ihre Craft-Biere, Spezialitäten, die mit klassischem Hell oder Pils nur noch wenig gemeinsam haben. Obwohl viele von ihnen nach dem deutschen Reinheitsgebot brauen, entstehen allein durch die Auswahl des Hopfens geschmacklich sehr vielfältige Getränke. Biere, die mit ihrem Duft nach Grapefruit oder Mango, mit ihrer feinen Bitternote auch einen Wenig-Biertrinker wie mich begeistern konnten.

Für meine gebratene Blutwurst auf Portwein-Balsamico-Linsen verwendete ich eine festere Sorte vom „Sausage Man“ Simon Ellery. Der gebürtige Neuseeländer soll mit seinem Black Pudding die beste Blutwurst der Stadt machen, heißt es zumindest in der Markthalle.

Und dazu gab es natürlich Wurst. Nicht irgendwelche, sondern handwerklich produzierte Spezialitäten aus der Region, aber auch aus anderen Teilen Deutschlands, aus Belgien, Italien und Frankreich.

Auf der „Nose to Tail-Kochbühne“ ging es recht blutig zu. Metzgermeister Hendrik Dierendonck aus Belgien zeigte, wie frische Blutwurst, verfeinert mit Äpfeln und Zwiebeln,hergestelltwird. Anschließend durfte verkostet werden. Beim Wursten zuzuschauen, war für mich – höflich gesagt – gewöhnungsbedürftig, ehrlicherweise ein bisschen eklig, denn ich kann kein Blut sehen. Das Endprodukt schmeckte sensationell. Nur Kopfkino von dem, was man zuvor gesehen hat, sollte man nicht haben.

Vor der „Kantine“ der Markthalle bildete sich eine Schlange. Die Kantine heißt nur so, ist vielmehr eine regelmäßig geöffnete Koch- und Verkaufsstation, die Mittagstisch anbietet. Zeitweilig wurde die Kantine mal von Michael Hoffmann geleitet, dem Küchenchef des mittlerweile geschlossenen Sterne-Restaurants „Margaux“. Passend zum Tagesmotto gab es Bratwürste, aber nicht irgendwelche, sondern mit Jalapeno und Cheddar gewürzte Köstlichkeiten, die mit recht mildem groben Senf, saurer Gurke und selbst gebackenem Brot gereicht wurden. Sehr lecker das Ganze. Als Alternative zur Wurst brutzelten die Jungs von „Kumpel&Keule“, der gläsernen Kult-Metzgerei in der Markthalle, Burger vom Black-Angus.

Handwerkerstolz

Ob Braukunst oder Wurstmanufaktur, an allen Ständen waren gut gelaunte, freundliche junge Leute zugange, die nicht nur ihre Produkte verkaufen wollten, sondern auch etwas von ihrem Stolz auf ihr Handwerk vermittelten, die – wie man so schön intellektuell sagt – eine Botschaft hatten. Das junge Metzgerteam von Kumpel&Keule bringt es mit seinem Credo auf den Punkt: „Dem Fleisch und dem Handwerk seine Würde zurückgeben“. Ein angenehmer Gegentrend zu all den Meldungen über Schlachthofskandale und Panschereien mit Lebensmitteln.