Freitag, 05.10.2018

Bloß den Hashtag nicht vergessen

Leserbrief

Goslar. Habt ihr das auch schon bemerkt? Plötzlich tauchen in den Sozialen Medien immer mehr Bilder auf, die Freunde beim Wandern zeigen. 

Ob auf Instagram, Snapchat oder Facebook, ob ein Foto vom Blauen See zwischen Hüttenrode und Rübeland, von der Spitze des Brockens oder von den Rabenklippen in Bad Harzburg: Dem Lockruf der Natur können anscheinend immer weniger junge Menschen widerstehen. Bewaffnet mit dem Smartphone oder einer professionellen Kamera geht es raus in die Natur.

Allein auf Instagram findet man unter dem Hashtag „#wandern“ mehr als 1,8 Millionen öffentliche Beiträge. Und auch unsere Region ist bei den Wanderern ziemlich beliebt, 430.000 Beiträge sind mit dem Hashtag „#harz“ verlinkt.

Mit dem Hund unterwegs

Wenn Jenni Probst auf Instagram ihre Wanderfotos teilt, dann dürfen zwei Wegbegleiter auf keinem der Bilder fehlen: ihre Hunde Haylie und Wilma. In Blankenburg geht es gemeinsam zu den Sandsteinhöhlen, vom Waldhaus in Oker nach Romkerhalle – die beiden fehlen bei keiner Tour. Vor vier Jahren hat die 25-Jährige angefangen, Wanderrouten mit den Vierbeinern zu erkunden und darüber zu posten. Es geht ihr aber nur um den Spaß dabei, auch wenn sie viel positives Feedback bekommt.

Touren mit mehr als 20 Kilometern Strecke gehören zum Alltag der Goslarerin. „Ich arbeite in der Gastronomie, da müssen meine Hunde an manchen Tagen auch mal zurückstecken“, erzählt sie. In ihrer freien Zeit gleicht sie das mit umso längeren Routen aus.

Suche nach „Highlights“

Das Wichtigste für sie, wenn sie wieder einmal aufbricht: „Es muss ein Highlight auf der Strecke sein“, sagt sie bestimmt. Nur durch den Wald stapfen, das wäre nichts für Jenni. Eine Tour, die sie mittlerweile mindestens zwei Mal im Jahr unternimmt, ist die Wanderung auf den Brocken. Aber da nur ganz normal hochgehen, das wäre ja langweilig: „Tagsüber auf den Brocken zu wandern, das lohnt sich gar nicht“, findet die 25-Jährige.

Stattdessen schnallt sie sich lieber die Stirnlampe um und macht sich noch im Dunkeln auf zum höchsten Berg im Harz. „Wenn man durch das Moor geht, das sieht es tagsüber und nachts aus wie zwei unterschiedliche Wege“, sagt sie. Vor drei Wochen hat sie sich erst wieder auf den Weg nach oben gemacht. „Da haben ich dann zum ersten Mal das Rotwild röhren hören, das hat durch den ganzen Wald gehallt. Das war wirklich wunderschön“, schwärmt sie.

Immer mehr Jugendliche sammeln Stempel

Christina Grompe beobachtet diese Entwicklung schon seit einiger Zeit. Sie leitet das Service-Büro der Harzer Wandernadel in Blankenburg. Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene nehmen sich mittlerweile der Herausforderung an, die Stempel im ganzen Harz zu sammeln. „So seit zwei bis drei Jahren hat das stark zugenommen“, erzählt sie. Woher der Trend kommt, kann sie auch nur vermuten. „Ich kann mir vorstellen, dass das auch an der Gruppendynamik liegt“, überlegt Grompe.

Gerade auch auf der Facebook-Seite der Harzer Wandernadel tauschen sich viele junge Wanderer über ihre Ausflüge und Erlebnisse aus. Generell hätten Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch eher die Tendenz dazu, sich den höheren, weiteren und vor allem extremeren Herausforderungen anzunehmen. „Da besteht schon der Trend zu den verrückteren Sachen“, ist sie sich sicher.

Auf in den Ostharz

Ein Neuling in Sachen Wandern ist Johanna Paetzold nicht: Schon als Kind ist sie mit ihrer Familie oft wandern gegangen. „Irgendwann kam ich dann aber in das Alter, in dem man das nicht mehr so cool findet“, erzählt sie. Vor zwei Jahren packte sie aber erneut die Wanderlust und sie fing an, mit ihrem Freund den Harz zu erkunden – und natürlich auch über ihre Erfahrungen auf Instagram zu posten.

Zu dem Zeitpunkt hat sie auch die Harzer Wandernadel für sich entdeckt. Seitdem geht die regelmäßig auf Stempeljagd. Mittlerweile hat sie auch ihren Vater wieder mit ins Boot geholt und geht mit ihm gemeinsam auf Tour. „Das ist natürlich eine Motivation zu wissen, dass oben an der Spitze des nächsten Berges wieder eine Stempelstelle wartet“, sagt sie. Ihre Lieblingsstrecken liegen vor allem im Ostharz, wo besondere Orte wie der blaue See, die Teufelsmauer und das Ilsetal auf Wanderer warten. „Was ich nicht mag, sind langweilige Forstwege. Ich hab es lieber wildromantisch“, meint die Goslarerin.

Streckenideen über Hashtags teilen

Und wer wandern geht und darüber postet, darf ihrer Meinung nach eines nicht vergessen: „Meine Posts sind meist Schnappschüsse von besonderen Dingen. Wichtig ist der Hashtag um anderen zu zeigen, wo ich gerade bin“, rät sie. Das schätzt sie auch bei anderen in der Community besonders: Wer den anderen verrät, wo er die Fotos gemacht hat, teilt auch immer neue Streckenideen mit, die manch einer vielleicht noch nicht kennt.








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