Mittwoch, 30.01.2019

Blog von Friederike Lauer (17) über Schrecken der Nazi-Zeit ausgezeichnet

Leserbrief

Wolfenbüttel. Was geht mich die Vergangenheit an? Sie ist vorbei. Ich lebe doch jetzt. Nicht was vor Hundert Jahren war, sondern was morgen ist, das möchte ich wissen. Diese Denkweise fällt der 17-jährigen Friederike Lauer bei vielen Jugendlichen auf. Sie stellt fest, dass der Geschichtsunterricht „bei Teenagern immer mehr verpönt ist“.

Die Wolfenbüttlerin sieht das aber anders: Sie hat eine Website erstellt, mit der sie zeigen will, dass für jeden die Vergangenheit und die Geschichte wichtig sind. Mit ihrem Blog hat die Elftklässlerin der IGS Wallstraße an dem bundesweiten Wettbewerb „DenkT@g“ der Konrad-Adenauer-Stiftung teilgenommen und den fünften Platz belegt.

Gegenwart gestalten

Beim Surfen im Netz ist Friederike zufällig auf den Wettbewerb gestoßen, der sich mit den Themen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit beschäftigt. Weil sie schon immer sehr interessiert an Geschichte war, entschied sie sich, mitzumachen. Sie wollte aber nicht nur eine „Website mit der Auflistung aller Schlachten im Zweiten Weltkrieg oder der Definition von Rassismus“ erstellen. Davon würde man schließlich genug im Internet finden. Stattdessen möchte sie „dazu einladen, die Vergangenheit zu erforschen, um die Gegenwart zu gestalten.“

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Nationalsozialismus, mit dem die 17-Jährige früh in Berührung gekommen ist. „Ich muss in der dritten Klasse gewesen sein, als ich mich für die Bücher zu interessieren begann, die meine Mutter so las“, schreibt sie. Auf ihrem Blog teilt sie unter anderem ihre Gedanken über die Vergangenheit, berichtet von Besuchen in Konzentrationslagern und empfiehlt Bücher. „Beim Lesen habe ich viel geweint und gelacht. Vor allem aber gelernt.“

Briefe an Anne Frank

Um dem Blog eine persönliche Note zu verleihen, veröffentlicht sie Briefe an Anne Frank, die dem Holocaust zum Opfer fiel und durch ihr Tagebuch weltbekannt wurde. Darin philosophiert Friederike über den Glauben an das Gute, Träume und die Verantwortung, etwas in der Welt zu verändern. Die Schülerin spricht auch über Rassismus in der heutigen Zeit. Dazu erzählt sie von ihren Erfahrungen, gibt Tipps, was jeder gegen Vorurteile über Flüchtlinge sagen kann und wie sich ihre Leser für andere einsetzen können.

In der vergangenen Woche reiste Friederike zur Preisverleihung nach Berlin. Sie war sehr nervös, wie sie erzählt. Mit solch einer guten Platzierung habe sie nicht gerechnet. „Ich habe die Website auf den letzten Drücker gestaltet, weil ich viele andere Dinge zu tun hatte“, gesteht sie. Umso erleichterter war sie, als sie vom fünften Platz erfahren hat.

Neben einer Urkunde erhielt sie von Norbert Lammert, Schirmherr der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemaliger Präsident des Deutschen Bundestages, einen Buchgutschein. „Das passt gut, weil ich in meiner Freizeit viel lese – nicht nur Geschichtsbücher“, verrät sie. Liebesromane und Thriller seien ebenfalls bei ihr zu finden. In Berlin bekam Friederike noch ein paar Anregungen, was sie bei ihrer Website verbessern könnte. Die Beiträge hätten noch kreativer und abwechslungsreicher sein können, sagten die Experten. Ihre Message, anderen dabei zu helfen, die „Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verstehen“, sei aber auf jeden Fall rübergekommen.

Friederikes Wettbewerbsbeitrag findet ihr unter www.denktag.de/vergangenheitgegenwartzukunft.








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